Wenn die Leiche im Hof abgesetzt worden war

Liebstes Ehweib, von dir muß ich nehmen,
von dir muß nehmen
eine schöne gute Nacht!

Liebste Kinder, tut´s nicht weinen,
denket meiner früh und spät;
Gott verläßt auch nicht die Seinen,
denket meiner früh und spät.

Tut für meine Seele bitten,
daß sie werdet seliglich,
Gott verlaßt doch nicht die Seinen,
und auch, auch für e- euch.

Ich muß Hof und Haus verlassen...

        Fragment


Erklärung:
War der Mann gestorben sang man "Liebstes Eheweib", umgekehrt "Liebster Ehemann".


Dieses Transkript wurde aufgenommen vom Tonarchiv des Instituts für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa, Freiburg.Der Text wurde vorgetragen Katharina Ruck aus Franztal, die 1877 in Rudolfsgnad geboren wurde.

 

Der Tote war zu Hause aufgebahrt

In Rudolfsgnad wurde ein Toter bis zum Begräbnis im Haus aufgebahrt. Zu Hause noch sang man folgendes Lied:


Meine Lebensjahre sind geschlossen
der schwere Kampf des Todes ist vollbracht
auch ihr Freunde dies ist euer Hoffen,
der Tod macht euch zu was er mich gemacht.
Auch ich lebte so wie ihr auf Erden
und geht doch so manches Erdenglück.
Jetzt muss ich zu Staub und Asche werden
nur gute Taten bleiben hier zurück.

Darum Freunde die ihr hier noch lebet
gedenkt oft die schnelle Sterbezeit
Gottes Willen Ihr euch stets ergeben
auf das Ihr endet jede Seeligkeit.
Wie Gott einen jeden hat verheißen
welche wahrhaft christlich ihr gelebt
Engel werden euch die Krone reichen,
die ihr so offen hier euch habt bestrebt
Lebet alle wohl ihr meine Lieben
es reichen Engel freundlich mir die Hand
Lebet wohl bis wir uns einst umarmen
in jenem ewig schönen Vaterland.
Alle dort wollen wir uns wieder lieben
mit der gößten Herzenszärtlichkeit
keinen Eigenen werden uns betrügen
durch jene ganze seelige Ewigkeit.

Dieses Transkript wurde aufgenommen vom Tonarchiv des Instituts für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa, Freiburg. Der Text wurde vorgetragen von einem ehemaligen Totengräber, der 1892 in Rudolfsgnad geboren wurde und einer ebenfalls in Rudolfsgnad geborenen Frau.

 

Zur Einsegnung

Wenn ich zum Herzen Jesu geh
und klag und ihm jedes Leid und Weh
dann wirds gleich leichter mir ums Herz
denn es versüßt der Leiden Schmerz
Wenn alles schon verloren scheint
weil ihm eine Auge traurig weint.
Dann wirds mit mir bald besser gehn
denn Trost kommt nur aus Himmels Höhn

Wenn oft mich Sorgen niederdrückt
und mich kein treuer Freund beglückt
wenn fast das Herz vor Leiden bricht
und mir erscheint kein Hoffnungslicht
Auch Menschleben schwindet blad
im Unglück bleibet sie so kalt.
Ja doch in meiner bitteren ???? (Horn)
schlägt mir´s Herz Jesu innig warm

Wenn einst mein Leid zur Ruhe geht
und dann kein Freund am Grabe steht
wenn ganz vergessen von der Welt
ein Schaufel Erde auf mich fällt
Dann ruft doch Jesu als mir zu
Nun ruhe sanft in Grabesruh
aus dem aus Auwald mit Freundeshand
mich führt zum ewgien Vaterland.

Dieses Transkript wurde aufgenommen vom Tonarchiv des Instituts für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa, Freiburg. Der Text wurde vorgetragen von einem ehemaligen Totengräber, der 1892 in Rudolfsgnad geboren wurde und einer ebenfalls in Rudolfsgnad geborenen Frau.