Leise sinkt der Abend nieder

Leise sinkt der Abend nieder und es kam die letzte Nacht,
wo wir in den lieben Heimat, haben schlaflose zugebracht.

Und es kam der letzte Morgen, wo wir noch zu Hause sein,
schon der Wagen voll beladen, denn er war ja noch zu klein.

Wir schauten uns um in dem Hause, und im Hof mit müdem Blick,
da war so vieles uns so Liebes, alles alles blieb zurück.

Hühner, Gänse, Enten, Wschweine, sowie Küh und auch noch Pferd,
haben wir zurückgelassen, gar nichts war mehr eingesperrt.

Nun war da die letzte Stunde, wo wir warn im Elternhaus,
ein letzter Blick noch in die Rund, und traurig fahren wir hinaus.

Frauen, Kinder und auch Greise, alle jetzt des Weges ziehn,
im Herzen weinten alle leise, wohin werden wir jetzt fliehn?

Das letzte Hab wohl auf dem Wagen, und was jetzt noch unser alles ist,
haben viele auf dem Wege, noch durch Flieger eingebüßt.

In Deutsches Land sind wir gefahren, wo sollten wir auch weiterhin,
doch wir haben schon erfahren, daß uns hier keine Rosen blühn.

Heimatlos über fünf Jahre, frag uns ja niemand wie´s uns geht,
Wir sind enttäuscht, noch im Unklaren, Hauptsach, daß m´r halt noch lebn.

Die Armen, die zu Haus geblieben, haben sehr sehr viel erlebt,
aufgehängt und teils erschossen, die Jungen nach Rußland verschleppt.

Möchten alle zu uns kommen, die halt noch am Leben sind,
das nackte Leben retten, Männer, Frauen, Greise und auch Kind.

Doch man tut sie nicht verlassen, verdienen will man noch zum Schluß,
denn nur diese werdn entlassen, die erhalten ein Gesuch.

In der ganzen Welt sind wir zerstreut, was werden alle wieder frei,
werden wir nochmals zusammenkommen, lieber Herrgott steh uns bei.

Wieviele unsrer lieben Kinder, sind gefallen als ein Held,
und wir brauchen uns nicht schämen, niemand in der ganznen Welt.

Heut im 20ten Jahrhundert, vor diesem Tatsachen stehen wir,
sind die Menschen leider schlimmer, wie das allerwildeste Tier.

Warum lässt der liebe Herrgott, so hört man sprechen hie und da,
soviel Leid über uns kommen, die Antwort such auf Golgatha.

Melodie: Marienlied: "Leise sinkt der Abend nieder"

Dieses Transkript wurde aufgenommen vom Tonarchiv des Instituts für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa, Freiburg. Der Text wurde vorgetragen von einem ehemaligen Totengräber, der 1892 in Rudolfsgnad geboren wurde.

Ich komm vom Banat her

Ich komme vom Banat her, mit leerer Hand, das Herz so schwer,
Ich wandle still, bin niemals froh, und immer fragt ein Seufzer wo?

Wo bist du mein geliebetes Land? Wo meiner Kindheit Wiege stand,
Und immer denke ich zurück, wo du nicht bist, dort ist kein Glück.

Im Grabe ruht manch liebes Herz, wenn man dran denkt, ach welch ein Schmerz,
die Gräber sehn wir nimmermehr, wenn man dran denkt, ach ist das schwer.

Zwei Jahre von zu Jause fort, wandern wir stets von Ort zu Ort.
Man will uns nicht, wer hätt´s gedacht, als Zigeuner werden wir gedacht.

Wie hatten wir uns sehr getäuscht, wir fühlten uns doch stets nur Deutsch,
Wir blieben deutsch mit Haut und Haar, auch in der Fremde über zweihundert Jahr.

Wir sind wohl doch aus anderm Hoz, Deutsch sein war unser größter Stolz,
nun soll wir´s ist eine Schand, als Siedler gehen in ein fremdes Land.

Nach Frankreich, heißt´s werden wir geführt, als Franzosen sind wir registriert,
dann heißt es auch, wir werden gehen, hinüber nach Argentinien.

Und uns ist alles schon egal, der Herrgott ist ja überall,
wir werden uns gewöhnen stat, doch nie vergessen das Banat.

Nun bin ich alt und müd und schwach, die Kräfte lassen jetzt schon nach,
und sinnend geh ich hin und her, die Heimat seh ich nimmermehr.

Das Brot verdienen im fremden Land, dazu noch eine lahme Hand,
Ochsenknecht mit siebzig Jahr, das Haupt bedeckt mit weißem Haar.

Vergossen hab ich sehr viel Schweiß, ein Bettler bin ich jetzt als Greis,
die Kinder han mit sich zu tun, am besten wär´s im Grabe ruhn.

Dieses Lied ist vor allem in den ersten beiden Strophen mit "Ich komme vom Gebirge her" von F. Schubert verwandt.

Dieses Transkript wurde aufgenommen vom Tonarchiv des Instituts für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa, Freiburg. Der Text wurde vorgetragen von einem ehemaligen Totengräber, der 1892 in Rudolfsgnad geboren wurde.