Zeitzeuge Wendelin Gruber

Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S. 625

Wendlein Gruber, * 1914, Filipowa

aus: In den Fängen des roten Drachen. Zehn Jahre unter der Herrschaft Titos, Jestetten, 3. Auflage. 1989, S. 52 passim.

Begegnungen mit Kindern bei seelsorglichen und humanitären Bemühungen in den Todeslagern:

Im Lager Rudolfsgnad (Knicanin)

Unterdessen versuchte ich, auch für die Kinder in Rudolfsgnad etwas zu unternehmen. Man hat ihnen die schönste Zeit ihres Lebens, die Sorglosigkeit des Kindesalters genommen. Mit Peitschenhieben und Rutenschlägen wurde sie wie die Erwachsenen zur Fronarbeit getrieben.

Heute besuche ich wieder das Kinderkrankenhaus, das man auch Kinderheim oder Waisenheim nennen könnte. Einige Hundert vonsehr verwahrlosten Kindern sind im Schulbau untergebracht und ahsuen auf den mit Stroh bestreuten Fußböden. Arzneien habe ich keine mehr, eine Lebensmittelaktion ist noch nicht eingeleitet, da die Schleichwege nicht erforscht sind. Was mach ich dann dort?

Die Kinderpflegerin führt mich von Abteilung zu Abteilung. Lebende Knochengerüste, ausgezehrte, mit Skorbutwunden bedeckte Gestalten liegen da auf dem Stroh, und aus den tiefen Augenhöhlen starren matte, ausdruckslose Augenlichter in die Ferne. Irgendwie sind sie sortiert, nicht nach dem Maßstab der Krankheit, sondern nach der herrannahenden Todesfrist. Die Pflegerin flüstert mir ins Ohr: "Diejenigen, die sich erholt haben, werden nach einigen Tagen in staatliche Kinderheim verfrachtet." Es ist also eine einheitliche, von oben gelenkte Aktion, die ich in Gakowa und Kruschiwl schon erlebte.

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