Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.209-210.

Magdalena Schneider, geb. Ehard aus Pardan

Unter der rettenden Obhut der Großmutter im Lager Rudolfsgnad

In einem Transport zusammengestopft wurden wir nach Rudolfsgnad, dem großen Hunger- und Sterbelager, gebracht.

Wir wurden in Häuser gesteckt, die bereits voll mit Kindern und alten Leuten waren, ca. 20 Personen pro Zimmer. In diesem Zimmer haben die Frauen einen Herd als Kochstelle aufgemauert. Dieser Herd hatte einen Rauchabzug bis zum Dachboden. Durch diesen Abzug kamen nachts die Ratten und nagten die kleinen Kinder an.

Wir hatten großes Glück, als wir in Rudolfsgnad ankamen und registriert werden sollten. Ein wirklich lieber Mensch - die Irma Maser aus Itebej, die uns registrieren sollte - sagte, daß wir - meine Schwester und ich - so klein und zierlich wären, daß sie uns zwei Jahre jünger machte. Das funktionierte recht gut, da sowieso niemand sich ausweisen konnte: so mussten wir nur gelegentlich zur Arbeit. Diese Arbeit bestand darin, Reisig für die Gemeinschaftsküche zu holen. In der Gemeinschaftsküche wurde große Kessel mit Schrot-.  Gerstel- oder Erbsensuppe mit viel Wasser und wenig Einlagen gekocht; dazu gab es Maisbrot aus Maischrot und Wasser ohne Salz.
Gelegentlich haben wir Weizen oder Mais gestohlen und Im Zementtrog (Schweinetrog) mit Steinen gerieben. Das war ein Festessen, denn es schmeckte doch völlig anders.


In diesem Lager gehörte das Sterben zur Tagesordnung. Täglich kam der Leichenwagen, von einem Gaul gezogen, durch die Wege des Lagers und sammelte die Toten ein. Die Angehörigen hatten die Toten bereits, soweit vorhanden, in Decken eingenäht und auf den Wagen gelegt. Wer keine Angehörigen hatte, wurde einfach nur auf das Fahrzeug gelegt, oft standen noch Beine oder Arme in die Höhe. Dieses Bild bot sich uns täglich.

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