Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band I.- München/Sindelfingen 1991. S.257

Lazarfeld / Lazarevo Kreis Betschkerek

2028 / 2003

Verfasser: Lorenz Menches       Quellen: HB

Am 27. März 1941 - zwei Tage nach Abschluß des Paktes zwischen Deutschland und Jugoslawien in Wien - gingen die Serben auf die Straße, um gegen diesen Pakt zu demonstrieren. Landauf, landab ertönte der Ruf: "Bolje rat nego pakt! " - zu deutsch: "Besser Krieg als Pakt" viele unserer Männer erhielten den Gestellungsbefehl des jugoslawischen Heeres. Die bange Frage stand im Raum: "Wird es Krieg geben?" Da fielen im Morgengrauen des 6. April 1941,  Palmsonntag, die ersten Bomben auf Belgrad.

Unsere Landsleute bekamen nun den Haß gegen alles, was deutsch war, zu spüren. An diesem Tag nahm die jugoslawische Gendarmerie in allen deutschen Gemeinden Jugoslawiens Geiseln fest. Im Laufe des Tages erschienen Gendarmen mit aufgepflanztem Bajonett und verhafteten sieben Frauen und elf Männer. Betrachtete man die Persönlichkeiten der Verhafteten, so kam man zur Erkenntnis, daß es der Behörde nicht so sehr um Funktionäre des Deutschen Kulturbundes, also um die politische Einstellung des einzelnen ging, sondern der Schlag richtete sich gegen "den Deutschen" überhaupt: ,,Alles was deutsch ist, ist kollektlv schuldig." Die Geiseln transportierte man zuerst in das Gefängnis, in Großbetschkerek und von dort in die Festung Peterwardein bei Neusatz. In voller Ungewißheit über ihr weiteres Schicksal verbrachten sie dort mehrere Tage. Entsetzen befiel alle, als bekannt wurde, daß die Festung Peterwardein mit sämtlichen Geiseln in die Luft gesprengt werden sollte. Nur durch den heldenmütigen Einsatz eines serbischen Pfarrers, dessen Namen nicht einmal bekannt ist' soll dieser Plan vereitelt worden sein. Unsere verschleppten Lazarfelder Geiseln kehrten vollzählig und wohlerhalten wieder heim.

Am 23. August 1944 befahl König Michael von Rumänien die Einstellung der Feindseligkeiten gegen die Sowjets. Dadurch erwuchs für unsere Heimat und ganz besonders für die Grenzgebiete die akute Gefahr, entweder Kampfgebiet oder von den sowjetischen Truppen überrannt zu werden. Unter Berücksichtigung dieser Lage ordnete die Volksgruppenführung Vorbereitungen zur Evakuierung der gesamten deutschen Bevölkerung an. Der Flüchtlingstreck sollte nach einem reiflich überlegten Plan vonstatten geheh. Jedem, der kein eigenes Fahrzeug besaß, war die Möglichkeit gegeben, bei einem anderen mitzufahren und seine wenigen Habseligkeiten zuzuladen.

Tatsache ist, daß der SS-Polizeiführer von Belgrad, Hermann Behrens, der Volksgruppenführung mit dem Kriegsgericht gedroht hatte, falls sie sich erdreisten sollte, den Befehl zum Absetzen der Bevölkerung zu geben. Erst am Sonntag, dem 1. Oktober, erhielt die Volksgruppenführung die Erlaubnis, die Bevölkerung des Banats zu evakuieren. Für Lazarfeld und die übrigen Dörfer der Umgebung aber kam dieser Befehl zu spät.

Am Samstag, dem 30. September 1944, traf von Stefansfeld kommend ein Vorposten der Russen, etwa 20 Mann stark, mit einem Offizier an der Spitze in Lazarfeld ein. Ihr erster Weg führte sie in das Gemeindehaus und zur Post. Hier rissen sie die Telefonleitung heraus. Im Gemeindehaus erkundigten sich die Russen, ob jemand in der Gemeinde russisch spreche. Der im Ersten Weltkrieg in Lazarfeld verbliebene russische Kriegsgefangene, Herr Andreas Kubrikov, fungierte als Dolmetscher. Der Offizier erkundigte sich nach deutschem Militär im Ort und der Umgebung. Kubrikov verneinte. Trotzdem durchsuchten die Soldaten mehrere größere Gebäude, so auch das Gasthaus Budo. Hier befanden sich 25 Mädchen, die an einem Lehrgang für Kindergärtnerinnen teilgenommen hatten. Als die Mädchen die Russen erblickten, stoben sie in wilder Flucht über die Zäune der Gärten. Gegen Abend zogen sich die Russen in das am Dorfende gelegene Haus Nr. 1a des Ludwig Paulus zurück. Die Familie Paulus erschreckte der Anblick der Russen dermaßen, daß sie, ohne etwas mitzunehmen, Hals über Kopf nach Klek liefen. Noch in dieser Nacht plante die Lazarfelder "Deutsche Mannschaft" einen Überfall auf den russischen Vortrupp und forderte aus Klek Verstärkung an. Auf Anraten einiger erfahrener Männer aus dem Ersten Weltkrieg und des Herrn Kubrikov unterließ man dieses Unternehmen.

Am Sonntag, dem 1. Oktober, bei Tagesanbruch verließ der russische Stoßtrupp Lazarfeld und zog sich gegen Stefansfeld zurück. Der neue Tag brach an, ein Tag, den die Lazarfelder nie vergessen werden.

Der letzte Ton des Zwölfuhrläutens war kaum verklungen, da marschierte die Spitze der Roten Armee in Lazarfeld ein. (Just in diesem Augenblick nahmen die Familien Dr. Georg Zwirner und Peter Rasimus die Chance zur Flucht wahr.) Eine gut ausgerüstere Truppe, die alle Waffengattungen umfaßte, folgte. Die Russen  waren so zahlreich, daß jedes Haus 20-30 Mann einquartiert bekam. Alle Pferde und Vorräte wurden beschlagnahmt. Um ein weiteres Vordringen der russischen Armee zu vereiteln, wurden Truppen der deutschen Wehrmacht aus dem Balkan nach Großbetschkerek eingeflogen. Sie bezogen in und um Alexandrowo und Klek Stellung. Die deutsche Artillerie begann mit der Beschießung Lazarfelds. Die erste Granate schlug in das Pfarrhaus ein und tötete die Haushälterin Elisabetha Hess. Ein zweires Geschoß traf den Kirchturm und legte ihn in Schutt und Asche. Auch Mathias Jerch wurde durch Granatsplitter verletzt und starb an deren Folgen zehn Tage danach.

Der Kampf um unseren Heimatort dauerte die ganze Nacht. Gegen 23 Uhr drang deutsche Infanterie in den nördlichen Teil des Dorfes ein und warf die Russen bis in die Hälfte des Dorfes zurück. In dem Chaos dieser Straßenkämpfe gelang zwei weiteren Familien die Flucht, nämlich den Familien Josef Schmidt und Josef Schneider. Im Morgengrauen des 2. Oktober erhielten die Russen Verstärkung und drängten die deutschen Thuppen gegen Großbetschkerek zurück. Der Kampf um den Flugplatz und um das Theißufer bei Aradatz begann.

Inzwischen plünderten die Russen unseren Heimatort. Sie drangen in die Häuser ein und forderten von den Bewohnern Uhren, Schmuck und Geld. Nikolaus Schneider und Jakob Scheuermann, die sich weigerten, ihr Geld herzugeben, wurden von den Russen auf die Straße gezerrt und niedergeknallt. Das gleiche Schicksal ereilte Angehörige der ,"Deutschen Mannschaft", die in Lazarfeld Unterschlupf gesucht hatten. Noch bevor sie Gelegenheit hatten, sich ihrer Uniform zu entledigen, wurden sie von den Russen angegriffen und niedergemacht. So verbluteten unter den Kugeln der Rotarmisten die Lazarfelder Nikolaus Pfendt, Ludwig Schmidt, Johann Merkler, ferner Professor Koch aus Großbetschkerek und Lehrer Gustav Wildner aus Werschetz. Was sich in den ersten Tagen und Nächten der russischen Besetzung in Lazarfeld abspielte, läßt sich mit Worten kaum beschreiben. Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen waren an der Tagesordnung. Um dieser Schmach zu entgehen, stürzte sich die 50-jährige Barbara Neidenbach, Frau des Dominik Neidenbach, in den Brunnen und ertrank.

Gleich nach dem Einmarsch der russischen Verbände rissen die Partisanen die Macht an sich. Schon am nächsten Tag ließen die neuen Machthaber durch Trommler verkünden, daß alle Männer sich beim Gemeindehaus einzufinden hätten. Den herbei geeilten Lazarfeldern wurde befohlen, die Gefallenen des Kampfes um Lazarfeld zu sammeln und zu beerdigen. In den Maisfeldern lagen etwa 25 Russen und 15 deutsche Soldaten (hauptsächlich Angehörige der Verfügungseinheit). Nachdem im Friedhof ein Massengrab geschaufelt worden war, bestattete man rechts die Deutschen und links die Russen.

Der 20. Oktober 1944 rückte heran, ein Tag, den wir Lazarfelder nie vergessen werden, nie vergessen können. Wieder standen unsere Männer vor dem Gemeindehaus und warteten auf die Befehle von Titos Partisanen. Namen wurden verlesen; 42 Angehörige der "Deutschen Mannschaft" kehrten in ihre Häuser nicht mehr zurück, verbrachten eine Nacht voller Ungewißheit im Gemeindehaus. Viehwaggons beförderten sie am nächsten Tag in das gefürchtete Lager Großbetschkerek. Ein Lazarfelder, einer der wenigen Überlebenden dieses Schreckenslagers, berichtete folgendes: "Bereits am 5. Oktober hatten die Partisanen Deutsche aus Großbetschkerek im Lager inhaftiert. Später ging man daran, Männer der umliegenden Dörfer in das Lager zu verfrachten. Wir Männer wurden rücksichtslos behandelt, geprügelt, gequält. Zu jeder Nachtzeit führte man die Gefangenen zum Verhör oder zur Erschießung.

Man ließ die Leute antreten, wählte dann eine bestimmte Zahl von Häftlingen aus, brachte sie in einen separaten Raum und ließ sie sich entkleiden. Nachdem man die Unglücklichen mit Draht zu Vieren zusammengebunden hatte, schleppte man sie auf die Schießstätte - dem alten militärischen Schießplatz von Großbetschkerek - und streckte sie nieder. Das war systematischer Mord an uns Deutschen. Selbst reichsdeutsche Soldaten fielen dem Massaker der Partisanen zum Opfer. Am 28. Oktober 1944 hatten die Partisanen 150 Deutsche niedergemacht und den Vermerk "gestorben am ..." eingetragen. An anderen Tagen waren Erschießungen kleinerer Gruppen gefolgt, die ungefähr 30 Personen umfaßten. Zwei Tage vor Weihnachten 1944 kam eine russische Kommission in unser Dorf und gab den Befehl, daß alle Einwohner männlichen und weiblichen Geschlechtes, die das 18. Lebensjahr vollendet und das 35. bzw. 50. noch nicht überschritten hätten, im Gasthaus Simon zu erscheinen. In der Nacht des nächsten Tages pochte es an die Türen der Gemusterten: Warme Kleidung sei anzuziehen, Verpflegung in einem Rucksack mitzunehmen, forderte eine barsche Stimme. "Nur ein kurzer Arbeitseinsatz, lhr seid bald wieder daheim", so tröstete man die ängstlichen Gemüter. Am 1. Weihnachtsfeiertag bewegte sich ein trauriger Zug von 99 Lazarfeldern, 13 Männer und 86 Frauen und Mädchen, durch die Mittlere Gasse, eskortiert von hämisch grinsenden Partisanen. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab. Kinder klammerten sich an die Röcke ihrer Mütter und schluchzten: "Modder, net geh fort, holl uns mit, loß uns net allen!" - Mit Kolbenschlägen trennten die Partisanen die unglücklichen Kinder von ihren noch unglücklicheren Müttern. Nachdem diese Unglücklichen Großbetschkerek erreicht hatten, pferchte man 35-40 Personen wie Vieh in Waggons und deportierte sie nach Rußland in die Kohlengruben bei Stalino.
Über 20 Tage dauerte die Fahrt, über 20 Tage sahen die Deportierten kaum Himmel, bekamen sie kaum etwas zu essen. In Stalino angekommen, trieb man sie in primitivste Unterkünfte und schickte sie in die Stollen der Kohlengruben. Seite an Seite mit deutschen Kriegsgefangenen schufteten unsere Frauen und Männer unter Tag., jahrelang. Hunger und Kälte, Krankheit, Verzweiflung und Mißhandlung waren ihre ständigen Begleiter. Als sie nach fünfjähriger unmenschlicher Zwangsarbeit zurückkehrten, war ihre Jugend, ihr Lachen dahin, die meisten von ihnen sind von einem heimtückischen Leiden gezeichnet. Für drei Frauen, drei Mädchen und einen Mann kam der Tag der Entlassung zu spät: Irgendwo im kalten Stalino sucht man ihr Grab vergebens.

Am 13. Januar 1945 mußten 26 Männer aus Lazarfeld den Marsch in das berüchtigte Großbetschkereker ,,Einserlager" antreten. Fünf von ihnen überlebten die Mißhandlung in der "Todesmühle" nicht. Für den oben geschilderten Transport hatte man auch den 42-jährigen Thomas Galy, H.-Nr. 152, und dessen zwei Töchter im Alter von 17 und 18 Jahren ausersehen. Um diesem Schicksal zu entrinnen, versteckte sich die ganze Familie in einer Strohtriste.

Die Partisanen bemerkten bald das Fehlen der drei Galys. Sie umstellten mehrere Gehöfte und durchsuchten sie. Da stöberten sie die Gesuchten in der Strohtriste auf. Die Partisanen forderten Galy auf, mit seiner Familie herauszukommen. Nachdem Galy dieser Aufforderung nicht sofort genügte, eröffneten die Partisanen auf die Strohtriste das Feuer. Im Nu stand diese in Flammen. Nur der Frau gelang es im letzten Moment, dem Flammenmeer zu entrinnen. Vater und Töchter aber verbrannten bei lebendigem Leibe.

Ende März 1945 erfaßten die Partisanen unsere Kranken und gebrechlichen Leute und transportierten sie in das Kathreinfelder Lager. In diesem Krankeninternierungslager für den Bereich des mittleren Banats starben in kurzer Zeit fast alle an den erlittenen qualvollen Mißhandlungen. Am 18. April 1945 wurden unsere Landsleute aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und Massenquartiere, getrennt nach Geschlecht und Alter, aufzusuchen. In der Schule, in den Gasthäusern, in der Sparkasse und in den größeren Bauernhäusern vegetierten nun 20-30 Personen zusammengepfercht in einem Raum ohne Mobiliar. Auf hartem Stroh lagerten sie, und nur eine dünne Decke schützte sie vor der Kälte. Die Kleider, die sie auf dem Leibe trugen, waren ihre einzige Habe. Von diesem Zeitpunkt an arbeiteten unsere Leute unter Aufsicht bewaffneter Partisanen. Unverschlossen, einsam und verlassen stehen die Häuser da, in denen sie Freud und Leid, Glück und Segen von ihrem Herrgott empfangen durften. Nach 150 Jahren harter und aufopferungsvoller Arbeit von sechs Generationen mußten die Lazarfelder der brutalsten Gewalt, die bar jeder Menschenwürde ist und jeglicher Grundrechte des Menschen spottet, weichen.

Ende April 1945 traf es die 16-, 17- und 18 jährigen Mädchen, also die Jahrgänge 1927, 1928, 1929. Szenen, die kaum beschrieben werden können, spielten sich ab, wußte man doch , daß es ein Abschied für immer sein konnte. Und wieder schlossen sich Mütter freiwillig an, um bei ihren Töchtern zu sein. Unter Partisanenbegleitung trieb man die unglücklichen Geschöpfe nach Großbetschkerek, verfrachtete sie in Viehwaggons und transportierte sie in das Internierungslager Mitrowitz. Sofort nach der Ankunft beraubte man die Mädchen ihres Haarschmuckes. In harter Fronarbeit gingen Frühling, Sommer und Herbst dahin. Die Verpflegung in diesem Lager wurde von Tag zu Tag weniger und schlechter. Im Dezember gab es im Lager kein Gramm Fett. Nur einmal täglich bekamen sie Polentasuppe, die aus 50g Maisschrot zubereitet war. Im Winter 1945/46 brach um die Jahreswende über das Lager eine Flecktyphusepidemie herein. Ein Viertel aller Mädchen starben eines qualvollen Todes. Mitrowitz hatte seinen Ruf, eines der schrecklichsten Internierungslager zu sein, aufs grausamste bestätigt.

Wer geglaubt hatte, daß wenigstens Mütter, Säuglinge, Kleinkinder und Waisenkinder, ältere, kranke und arbeitsunfähige Landsleute einer Internierung entgehen würden, der sah sich maßlos enttäuscht: Mitte Oktober 1945 blieb auch ihnen das Golgatha nicht erspart. Rudolfsgnad hieß das Konzentrationslager, das für viele von ihnen Endstation ihres Lebens werden sollte.

In den Häusern der Inhaftierten ging nicht nur der Hunger um, sondern auch die klirrende Kälte: Heizmaterial wurde im ersten Winter (1945/46) nicht zugeteilt. Man sammelte dürres Gras, Schilfrohr, Reisig und was man sonst an Brennbarem finden konnte.

Krankheiten griffen nun um sich: In Rudolfsgnad begann der Tod seinen Mantel auszubreiten. Täglich raffte er 80-90 Personen, manchmal auch mehr dahin. Die Toten hüllte man in Säcke oder Lumpen, legte sie vor die Haustüre. Morgens polterten Wagen durch Rudolfsgnad. Fast an jeder Haustüre hielten sie an. Wie Holzscheite wurden die Gestorbenen auf die Leiterwagen geschichtet. Schwer beladen rumpelten sie mit ihrer unheimlichen Fracht zum Friedhof. Gewaltige Massengräber warteten dort auf die Opfer.

Aber es kam noch schlimmer. Im Spätherbst 1945 wurde Rudolfsgnad von einer Grippeepidemie heimgesucht. Ein Massensterben setzte ein. Die Opfer: Kleinkinder und ältere Personen. Anfang Januar 1946 gesellte sich zur Grippeepidemie noch Fleckfieber. Flöhe, Kopf- und Gewandläuse trugen zur Ausbreitung dieser Krankheit wesentlich bei. Im Februar 1946 erreichte das Massensterben seinen Höhepunkt. Die Totengräber - Landsleute - mußten in jenen Tagen bis zu 150 Leichen bestatten. Erst im April 1946 wurde man des Fleckfiebers Herr. Bis Ende Januar 1946 nahm das Massengrab im Ortsfriedhof die Toten auf. Darin ruhen ungefähr 1000 Lagerinsassen. Im Februar 1946 schaufelte man auf der Teletschka, einer Anhöhe etwa 2km südlich des Ortsrandes, ein noch viel größeres Massengrab. Hier ruhen fast 9000 Tote. In beiden Massengräbern haben 273 Lazarfelder ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Kinder, deren Mütter nach Rußland deportiert wurden, befanden sich bei den Großeltern oder Verwandten. Starben diese, so lieferte man die Kinder in Kinderheime ein. Schlechte Pflege und mangelhafte Ernährung ließen sie zu Skeletten abmagern. Beine und Arme waren sehr dünn, Kopf und Bauch aber außerordentlich dick. Manche Kinder waren außerstande zu gehen, sie krochen nur mehr auf allen Vieren dahin. Später gelangten diese armen Geschöpfe in Kinderheime nach Mazedonien und Slowenien. Nach Jahren brachte das Rote Kreuz diese Kinder, auf dem Wege der Familienzusammenführung, zu ihren Eltern bzw. Verwandten nach Österreich oder Deutschland. Sie sprachen nur noch serbisch; da sie ihre deutsche Muttersprache völlig vergessen hatten. In Deutschland lernten sie, in einer eigens dafür errichteten Schule, ihre deutsche Muttersprache wieder.

Aber nicht nur die Zivllbevölkerung Lazarfelds wurde von den Partisanen gequält und langsam hingemordet, sondern auch Angehörige der SS-Division "Prinz Eugen", wenn sie in Gefangenschaft gerieten. Dazu einen authentischen Bericht eines Angehörigen. "Am 5. Mai 1945 befanden wir uns in Karlovac. Wir versuchten, uns in Richtung Österreich durchzukämpfen. Bei Celje gerieten wir in Gefangenschaft. In Varaschdin wurden die Offiziere von uns getrennt. (Sie gelten seither als vermißt.) Sofort trennte man uns in Oberbanater unter Führung von Friedrich Kapitän (gebürtiger Lazarfelder) und Unterbanater mit Josef Ziwey aus Stefansfeld. Am 21. Mai 1945, abends zwischen 18 und 19 Uhr, erreichte die Gruppe Kapitän nach einem Gewaltmarsch Novo Selo - Dugo Selo bei Ran. Wir wurden zu 50 abgezählt. Ich überschlug: 30 Gruppen zu je 50. Sechzehn Mann unberücksichtigt, ergibt 1500 Mann, darunter auch ich - sie hielten uns noch für Kinder - wurden von den anderen abgesondert. Drei Jahre später erfuhr ich von Botoscher Serben, daß alle 1500, außer uns sechzehn, in Novo Selo - Dugo Selo einem Massaker zum Opfer gefallen waren. Nachdem sie ihre Massengräber geschaufelt hatten, wurden je vier Mann mit Draht aneinandergebunden. In Zwölferreihen standen sie hintereinander vor dem Massengrab. Maschinengewehre mähten Gruppe für Gruppe nieder.

"Mehr über die Donauschwäbische Kulturstiftung und deren Veröffentlichungen können Sie auf deren Seite im Internet unter [www.kulturstiftung.donauschwaben.net/] und dort unter dem Menüpunkt "Publikationen" lesen.