Zeitzeuge Kristof Michael

Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.141 - 1146

Betschkerek
I. Erlebnisberichte aus dem Banat

Groß-Betschkerek / Zrenyanin I,187 ff.; II, 2l7tt.; IV,68ff. 35000 / 7514

Michael Kristof, Mittelschullehrer aus Betschkerek BA, Ost-Dok. 2,Nr.397
Abgedruckt auch in: Wilfried Ahrens, Verbrechen an Deutschen. Dokumente der
Vertreibung, Rosenheim 1983, 282-288.

Die beiden Betschkereker Lager: Grausame Folterungen und regelmäßige nächtliche Erschießungen im Oktober und November 1944.

Nach Betschkerek zogen die Russen am Montag, dem2. Oktober 1944, ein. Mit ihnen kamen auch schon die Tito-Partisanen. Das Verhalten der Russen war im großen und ganzen erträglich. Sie requirierten zwar, was ihnen paßte, beschränkten sich aber sonst hauptsächlich auf Vergewaltigungen von Frauen. Sonst ließen sie die Bevölkerung unbehelligt.

Gefährlich hat sich nur ein Kommissar in der Gemeinde Sartscha (Banat) benommen, der sowohl eine große Anzahl von Frauen vergewaltigte und ansteckte, da er geschlechtskrank war, und auch deutsche Männer des Ortes im Gemeindeamt erschoß, so unter anderem den Lehrer Geist, dem der Kopf zertrümmert wurde, Michael Schneider und die Brüder Christwan, einer aus Sartscha. Insgesamt waren es an die 2O Männer. Dieser Kommissar trieb sein Unwesen einige Tage, bis er von Serben aus anderen Orten vertrieben wurde. Von den Frauen, die er vergewaltigte und ansteckte, haben sich einige erhängt, zwei davon mit ihren Töchtern. Die Frau des Arztes, Anna Massong aus Sartscha und deren Sohn Richard, 14 Jahre alt, sind erschossen worden. Dem Jungen wurden noch die Hände abgehackt, da er seine Mutter nicht loslassen wollte. Das erzählte mir sein damals 15jähriger Bruder Ludwig Massong, mit dem ich im Lager Rudolfsgnad zusammen war.

In der Stadt Betschkerek wurden am 5. Oktober erstmals Deutsche von den Partisanen ins Lager gesteckt. Zuerst kamen die Deutschen aus der Stadt Betschkerek an die Reihe, allmählich wurden auch Gruppen von den umliegenden deutschen Ortschaften verlangt.

Die Stärke der von den einzelnen Ortschaften ins Zentrallager Betschkerek verschickten Gruppen hing allein von dem guten oder bösen Willen der den Ort besetzt haltenden Serben oder Partisanen ab. So verlangte der Lagerkommandant von Betschkerek von Lazarfeld 60 Männer.

Der Ortskommandant, ein einheimischer Serbe, hatte den Mut, immer nur die Hälfte zu schicken, womit der Lagerkommandant auch zufrieden war. Von diesen 30 sind, wie später berichtet, 14 erschossen worden. Die nicht an das Lager ausgelieferten Deutschen verblieben zunächst in ihrer Ortschaft, dann ging wieder eine Gruppe ins Lager. Ein Teil ging zu Weihnachten über das Lager Betschkerek nach Rußland. Alle übrigen kamen erst im April 1945 ins Lager, als die gesamte Bevölkerung in die Lager gesteckt wurde.

Die Russen selbst ktimmerten sich wenig um diese Angelegenheit. Sie zogen als Kampftruppen größtenteils weiter und überließen die Behandlung der deutschen Bevölkerung und die Machtübernahme den Partisanen, mit denen sie nicht im besten Einvernehmen lebten. Ich selbst war in Betschkerek Augenzeuge, als Russen Partisanen verprügelten, deshalb, weil ein Partisan einen alten deutschen Mann, der nicht mehr gehen konnte, mißhandelte. Diese Partisanen waren ja zum großen Teil Zigeuner und junge einheimische Burschen im Alter von 17 bis 20 Jahren, die kaum im Kampf gegen deutsche Truppen gestanden waren.

Sie waren von derartigem Haß gegen die deutsche Bevölkerung erfüllt, daß sie zum Beispiel anfangs überhaupt keine deutsche Frau vergewaltigt haben, sondern sie höchstens verprügelt und durch Stockschläge auf die Geschlechtsteile als Frau erniedrigt haben. Später allerdings, als sich der Haß der Partisanen gelegt hatte, gingen sie auch zu Vergewaltigungen über. Es kamen auch ins Lager zuerst hauptsächlich nur Männer, anfangs waren nur etwa zehn Prozent der Lagerhäftlinge Frauen.

In der Nacht begann dann im Lager das Schlimmste, das Verhör und die Auswahl zum Erschießen. Erschossen wurden anfangs jene, die entweder gut gekleidet, körperlich besonders stark oder aber durch Krankheit und Schwäche arbeitsunfähig geworden waren. Auch wurde nicht ein Verschulden festgestellt, sondern man ließ die Leute antreten und holte dann die entsprechende Zahl, die anscheinend planmäßig vorher festgesetzt war, heraus. Die Ausgewählten wurden dann in einen separaten Raum geführt; dort mußten sie sich entkleiden und wurden dann, mit Draht gebunden zu je Vieren, auf die Schießstätte, den alten militärischen Schießplatz von Betschkerek geführt, wo sie dann erschossen wurden. Da die Partisanen ja keinen Beruf oder sonstwie näher kannten, aber hauptsächlich die Intelligenz vernichten wollten, wendeten sie verschiedene Kniffe an. Unter anderem wurde gefragt: Wer ist Doktor, Arzt, Apotheker, Kaufmann, Lehrer usw.? Leute aus diesen Berufen sollten sich für leichte Arbeit melden, da sie sähen, daß die schwere Arbeit für sie nichts wäre; sie bekämen dann leichte Arbeit. Diesem Trick fielen zum Opfer: Diplomlandwirt Josef Bohn jun., Rechtsanwalt Dr. Julius Elmer, Kaufmann Alois Dunner, Grundbesitzer und Bankbeamter Krumenacker und viele andere aus den Ortschaften um Betschkerek.

Daß es sich um eine systematische Ausrottung der Deutschen handelte, ist dadurch erwiesen, daß viele von den deutschen Flüchtlingen aus Rumänien, die ja mit den Serben überhaupt nichts zu tun hatten, ebenso erschossen wurden, falls sie durch Krankheit arbeitsunfähig waren. So ist erschossen worden: Professor Peter Heinrich, ein gewesener Abgeordneter des rumänischen Parlaments aus Hatzfeld, Dr. Loran Böss, Rechtsanwalt aus Hatzfeld und viele andere, deren Namen mir nicht bekannt sind. Die beiden Genannten waren mir persönlich schon seit Jahrzehnten aus meiner Schülerzeit in Hatzfeld bekannt. Peter Heinrich war mein Lehrer an Hatzfelder Realgymnasium, wo ich l92l maturierte. Hatzfeld war bis 1924 jugoslawisch.

Die Zahl derer, die im Lager Betschkerek erschossen wurden, läßt sich nicht streng erfassen. Viele kannte man nicht; die Stuben waren ja getrennt, und man konnte auch nicht viel mit den einzelnen sprechen. Dadurch ist kaum ein Überblick und eine Kontrolle über die Erschießungen und Erschlagungen möglich. Festgehalten wurden die Erschießungen aber in demselben Protokoll, in das alle Lagerinsassen bei ihrer Aufnahme eingetragen wurden, und in das im Todesfalle der Vermerk "gestorben" hinter den Namen gesetzt wurde mit dem Datum. Die Lagerkanzlei wurde von deutschen Lagerinsassen unter Anweisung von Partisanen geführt, und diese Deutschen machten auch die Eintragungen in das Protokollbuch. Ich selbst war nur eine Woche, Mitte Februar 1945, in der Lagerkanzlei, dann hat mich der Politkommissar, ein Partisane, wieder herausgesetzt. In dieser Woche habe ich die Protokolliste durchgeblättert, da ich feststellen wollte,wo der oder jener von meinen Bekannten ist, ob er noch lebte oder auf einen anderen Platz geschickt oder erschossen oder gestorben war. Meine eigene Nummer in dieser Protokolliste war 3 214. Bei diesem Einblick in das Protokollbuch konnte ich auch feststellen, daß diejenigen, die mir gut bekannt waren und von denen mir erzählt worden war, daß sie erschossen worden wären, tatsächlich als "gestorben . . ." in der Liste eingetragen waren.

Beim Einblick in die Protokolliste stellte ich fest, daß sehr viele Leute als "gestorben" eingetragen waren, da eben auch alle Erschossenen als ,"gestorben" eingetragen waren. Am 28. Oktober 1944 beispielsweise sind 150 Deutsche erschossen und in dem Hauptbuch als "gestorben" eingetragen worden. An anderen Tagen erfolgten Erschießungen in kleineren Gruppen, beispielsweise 30 Personen. Diese Erschießungen wurden immer als "Vergeltung" gerechtfertigt. Wir mußten täglich einmal, manchmal auch öfter, auf dem Hof in Dreierreihen antreten. Den Grund wußten wir nie vorher. Manchmal handelte es sich um eine Verschickung in einen anderen Ort auf Arbeit oder sonst irgendeine Absicht der Partisanen. Bei solchem Antreten sind dann auch Leute zum Erschießen ausgewählt worden, dies wurde uns gegenüber dann als "Vergeltung" erklärt. Durch Aussprache mit Leuten in anderen Lagern habe ich später feststellen können, daß diese Erschießungen auch in anderen Lagern fast zur selben Zeit und auf dieselbe Weise erfolgten, was auf eine zentrale Leitung des ganzen Vorgehens gegen die Deutschen schließen läßt.

Am 10. Oktober 1944, Dienstag, wurde das Deutsche Viertel von Betschkerek von Partisanen umstellt. Partisanentrupps gingen von Haus zu Haus, durchsuchten alles und verlangten von jedem die Legitimation. Diese in deutscher und serbischer Sprache ausgestellte Legitimation, die jeder haben mußte, und in der auch die Nationalität des einzelnen eingetragen war, war während der deutschen Besatzungszeit ausgestellt worden.

Alle deutschen Männer, die noch nicht im Lager waren, und die man zu Hause antraf, wurden zusammengeführt und in einer Seitengasse des Marklplatzes (Negoseva ulica) mit Maschinengewehren niedergemäht. Wie mir ein Augenzeuge, mit dem ich seit Jahren befreundet war und der durch Intervention von Serben gerettet wurde, berichtete, mußten sie sich am Oberkörper entkleiden, niederknien und wurden auf solche Art erschossen. Das geschah Dienstagvormittag. Bei dieser Gelegenheit wurden erschossen: Dr. Josef Weiterschan, Josef Bon d. Alt., die Gebrüder Lehmann, Johann Eck, Grundbesitzer Koller, der Gastwirt Weber, Matthias Koch, der 84jährige Stefan Kaufmann, der Frisör Bartole, die Brüder Bortscheler.

In der deutschen Gasse blieb nur Johann Weiterschan allein am Leben, der aber später in Rudolfsgnad im Hungerlager starb. Bei ihm befanden sich zur Zeit, als die Partisanen die deutschen Männer zusammenrafften, Russen, die bei ihm Wein tranken, und als die Partisanen in sein Haus kamen, um ihn zu holen, sie einfach hinausgeworfen haben.

Auf ganz bestialische Art wurde der Fabrikant Peter Weiterschan erschlagen, den man den ganzen Täg über im Silo der stillgelegten Ölfabrik prügelte, so daß er schon Sinne und Bewußtsein verloren hatte. Am Abend ließ man ihn dann durch Lagerleute wegtragen, und da er nicht mehr stehen konnte, in ein Grab legen, das im benachbarten Garten der Brüder Praschack gegraben wurde. Im Grabe liegend wurde er noch erschossen.

Mit ihm wurde der 21-jährige junge Friedrich Altmaier aus Lazarfeld auch erschossen, der arbeitsuntähig war und den man, weil er beim Vorbeitragen des Peter Weiterschan eben zufällig in der Tür stand, einfach mitnahm. Er kam in dasselbe Grab. Am selben Tage im November, an dem der Fabrikant Peter Weiterschan erschlagen wurde, wurde auch der alte 60jährige Lehrer Albeck aus Elemir erschlagen. Er befand sich schon im Lager in der Temeschwarer Gasse im Zettelhaus, dem zweiten Betschkereker Lager. Dieses Lager wurde an diesem Tage in den Silo der Ölfabrik verlegt. Auf dem Wege vom Zettelhaus in den Silo der Ölfabrik wurde Albeck von Partisanen so lange geprügelt, bis er gestorben ist, da er sowieso schon einen Leibschaden (Bruch) hatte. Ich erfuhr das am selben Nachmittag, als seine Tochter mit weinenden Augen zu mir kam, mit dem Essen, das sie ihrem Vater hätte bringen wollen. Sie erzählte mir das Geschick ihres Vaters, der ihr schon am Thge vorher erzählt hatte, daß er zur Zeit von den Partisanen regelmäßig alle paar Stunden geprügelt werde.

Die Behandlung im Lager war im allgemeinen die folgende: Die Aufnahme erfolgte zumeist durch heftige Fußtritte, Ohrfeigen oder Körperhiebe. Selten kam einer ohne das davon. Dann wurde er seiner Habseligkeiten beraubt, und man ließ ihm nur das Notwendigste an Wäsche. Hatte er gutes Fußzeug oder Kleidung, so wurde es ihm entweder gleich abgenommen oder es wurde sein Verhängnis. Wenn einer nämlich durch bessere Kleidung auffiel, dann bedeutete das, er sei ein Reicher oder Kapitalist, den man beseitigen mußte, schon um sich seiner Habseligkeiten zu bemächtigen. Nach der Aufnahme erfolgte die Einweisung in irgendeines der Zimmer.

Das Zentrallager Betschkerek war eine abgebrannte Mühle, zwei Stock hoch. Sie befand sich am Ende der Gradno ulica am Stadtränd im serbischen Viertel. Ein zweites Lager wurde errichtet, als im November ein großer Teil der Zivllbevölkerung, nun auch schon Frauen, ins Lager kam. Dieses zweite Lager befand sich ursprünglich in der Temeschwarer Gasse im Zettelhaus in einer gewesenen Maschinenfabrik, wurde aber noch im November in die weiter abseits gelegenen Silos der Ölfabrik an der Bega verlegt. In den drei großen Maschinenräumen der Mühle (Lager 1) befanden sich die deutschen Lagerleute eng zusammengepfercht in zweistöckigen Pritschen übereinander rechts und links gelagert. In jedem Raum waren ca. 300 Männer untergebracht, so daß durchschnittlich bis 2000 immer im Lagerwaren. In den kleineren Räumen der Mühle waren die Frauen und die Jungen untergebracht, die sogenanqte Ambulanz, Küche, Magazin und Kanzlei, ferner das Zimmer, für die previlegierten Lagerleute, die in Küche, Kanzlei oder sonstwie im Lager arbeiteten.

In der Nacht durfte niemand heraus. Da viele schon Durchfall hatten, waren in jedem Maschinensaal zwei große Fäßer aufgestellt, und zwei mußten aufpassen, damit keine Verunreinigung erfolgte. Einmal geschah es, als die Leute besonders Durchfall hatten, daß die Fässer überliefen, und die zwei Aufpasser mußten dann in der Früh die Flüssigkeit aufschlecken, weil sie die Fässer überlaufen hatten lassen.

In der Nacht, wenn die Leute erschöpft und müde von der Arbeit kamen, begann die Ungewißheit, ob man die Nacht überleben werde, denn die Verhöre,  Folterungen, Prügeleien erfolgten immer nachts. Deshalb ginggen die Leute trotz ihrer körperlichen Schwäche in der Früh immer leichten Mutes zur Arbeit, um aus dem "Narrenhaus", wie sie sagten, herauszukommen. Mit bangen Gefühlen kehrten sie jedoch immer am Abend wieder zurück.

Beim Auf- und Ab von den stockwerken in den Hof standen auf den Treppen Partisanen mit Ochsenziemern und hauten unbarmherzig auf die Leute ein. Die Leute nannten das "die normalen Gebühren".

Der Tag begann gewöhnlich mit "Frühsport". Die Leute mußten sich im Hof wälzen, der - es war ja Herbst - nass und schmutzig war. Die Partisanen liefen über sie her und trampelten auf ihnen herum. wenn die Lagerleute erschöpft waren, mußten sie sich an einem Trog waschen, in dem gewöhnlich kein Wasser war. Dann mußten sie auf Kommando in kleineren Gruppen frühstücken. Bis drei gezählt wurde, hatte jeder seine Tasse (etwa 1/4 Liter) leere Suppe auszutrinken. Wer nicht nachkam, erhielt ebenfalls Prügel. Nach dem Frühstück mußten sich alle aufstellen und warten, bis alle gefrühstückt hatten. Dann begann die Einteilung zur Arbeit, und etwa um 7 Uhr ist alles auf Arbeit gegangen. Beim Ausgang bekam jeder ein Stück Brot, im Durchschnitt vielleicht 100 Gramm, das bis zum Abend reichen mußte.

Erschießungen erfolgten oft aus geringfügigem Anlaß.Zur Illustration sei folgender Fall angeführt: Ein Handwerker aus Betschkerek, der in der Stadt privat arbeiten mußte, kam gewöhnlich spät von seinem Arbeitsplatz zurück, wenn seine Kameraden bereits schliefen. Um diese im Schraf nicht zu stören, benützte er einmal ein Zündholz, um seinen Platz auf der oberen Pritsche zu finden. Dies bemerkte ein Partisan auf der Gasse unten, kam herauf ins Zimmer und fragte, wer ein Zündholz, angezündet habe. Als der Handwerker sich ahnungslos meldete, mußte er herabsteigen, sich auf den Bauch legen und erhielt einen Genickschuß im Zimmer. Das habe ich selbst gesehen, weil ich in diesem Zimmer war. (Während am Morgen alle gleichzeitig zur der Arbeitgingen, erfolgte die Rückkehr von der Arbeit am Abend unregelmäßig. Wer sehr spät kam, hat auch keine Suppe mehr erhalten.)

Eine besondere Methode der Vernichtung der deutschen Bevölkerung war die Errichtung der sogenannten Hungerlager im Herbst 1945 in Rudolfsgnad und Molidorf im Banat und Jarek, Gakovo und Kruschewlje in der Batschka. Ich selbst war im Lager Rudolfsgnad, das an der Theißmündung liegt. In diese rein deutschen Orte, die 3 000 deutsche Einwohner hatten, wurden 23 000 Alte, Arbeitsunfähige und Mütter mit ihren Kindern bis zu vier Jahren gebracht. Infolge Hungers starben bis Mitte 1947 8 700 Leute. Das weiß ich von meinem Bruder, der zwangsweise Totengräber im Lager Rudolfsgnad war und schon vor Errichtung des Lagers im August dorthin kam und bis Mitte 1947 dort war und über Gakovo dann flüchtete.

Mein Bruder hat von Anfang an die Toten gezählt. Nicht inbegriffen ist jedoch die Zahl derer, die noch in der ersten Zeit starben und im Friedhof begraben wurden. In der Zeit des größten Hungers, Dezember 1945, Jänner, Feber 1946, sind täglich etwa 100 Leute hungers gestorben, die auf einem Wagen verladen zuerst in den Friedhof und, als dort kein Platz mehr war (nach L. Baron wurden im Friedhof 900, nach Janser 3 335 Tote bestattet, dazu kam das aufsteigende Grundwasser, Anm. d. Red.), auf der sog. Teletschka in Massengräbern begraben wurden. Teletschka ist ein Flurname und bezeichnet eine drei Meter erhöhte Flur, etwa 400 Meter südlich des Ortes Rudolfsgnad.

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