Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.186

Juliane Kendel, Mramorak   BA, Ost-Dok. 2


Die Bedrängnisse einer Mutter im Lager Rudolfsgnad

Als wir hier im Lager Rudolfsgnad am 2. September 1945 ankamen, war mein Mann schon acht Tage lang hier, da er aus dem Lager Pantschowa gekommen war. In der Nacht vom 2. auf den 3. November 1945 starb unser lieber vierjähriger Fredi, Manfred Kendel. Er wurde am 3. November zur letzten Ruhe gebettet. Unsere kleine sieben Monate alte Adelheid Kendel hatten wir noch in Mramorak am 15. August 1945 beerdigt.

Mein Mann war sehr mager und krank, er konnte nicht mehr mit auf den Friedhof gehen, den kleinen lieben Fredi auf seinem letzten Weg zu begleiten. Dann folgte noch die lange traurige Zeit: an einem Durchfall hatte er sechs Monate lang zu leiden. Was er gelitten hat, war viel, bis ihn dann schließlich der Herrgott am 12. Mai 1946 von all seinem Leiden erlöste.

Unsere liebe Schwiegertochter Theresia Kendel war schon zu Hause in Mramorak nicht so ganz gesund, weshalb sie auch in keine Arbeitsgruppe eingeteilt wurde. Als hier dann aber am 1. April 1946 eine Arbeitseinteilung vorgenommen wurde, wurde auch sie in eine Gruppe eingeteilt und mußte in den Weingärten umgraben gehen. Drei Tage lang ging sie mit zur Arbeit, dann bekam sie Fieber und Husten. Sie ging zum Arzt, und der steckte sie ins Spital. Nachdem sie sechs Wochen im Spital gewesen war, bekam ich sie am 18. Mai 1946 wieder heraus. 0, wie groß war unser beider Freude, als sie wieder die freie Natur sehen konnte! Und ich freute mich, daß wir sie wieder bei uns hatten, nachdem ich und die kleine dreieinhalbjährige Irmgard fünfeinhalb Wochen ganz alleine gewesen waren. Aber unsere Freude sollte nicht lange währen. Im Spital hatte sie zu ihrem Lungenleiden auch noch den Durchfall bekommen, welchen ich auch nicht bändigen konnte. Ebenso wie bei meiner Tochter war es ein verzweifeltes Bemühen, um die Gesundheit wieder zu erlangen. Ach, was habe ich nicht -alles angewendet! Nichts hat mehr geholfen. Am 25. Mai 1946 hat der Herr auch sie genommen, und so wurde auch sie am Sonntag begraben.

Nun sind ich und meine kleine Enkeltochter Irmgard alleine. Wer wird aber einmal mich pflegen, wenn Gott der Herr mir eine schwere Krankheit auferlegen sollte! Ich habe alle meine Lieben mit größter Sorgfalt und Liebe gepflegt. Gott der Herr schenkte mir die Gesundheit und Kraft dazu.

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