Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.226-239

Dr. med. K. F. aus dem Bezirk Groß-Kikinda
BA, Ost-Dok. 2; auch: Dok. V 496-512


Rudolfsgnad

Verhältnisse im Konzentrationslager für Arbeitsunfähige in Rudolfsgnad von der Errichtung bis zur Auflösung. Auswirkungen der Epidemien und Sterbestatistik

Der Verfasser war selbst Lagerinsasse in Rudolfsgnad; er hatte neben den Lagerleuten auch die Miliz und die Zivilpersonen der Lagerverwaltung zu betreuen. Er hatsein regelmäßig geführtes Ärztetagebuch, die Sterbeprotokolle und die Tätigkeitsberichte fiir das Lagerkommando noch vor Auflösung des Lagers im März 1948 aufgearbeitet und zu Tabellen zusammengestellt. Vorliegende, vom Verfasser bestätigte Abschrift datiert vom 10. 5. 1953.

Die Internierung der vertriebenen volksdeutschen Mütter mit kleinen Kindern, Kleinkindern, Waisenkindern, Kinder verschleppter Eltern, der älteren, kranken, arbeitsunfähigen Vertriebenen deutscher Volkszugehörigkeit im Konzentrationslager Rudolfsgnad hatte im Oktober 1945 begonnen. Es war geplant gewesen, 24000 Volksdeutsche in dem Dorf im Theiß-Donaueck zu konzentrieren, in der jüngsten deutschen Siedlung im jugoslawischen Banat, welche bisher etwa 3 000 Einwohner faßte mit über 600 Hausnummern. Der Ort hatte vorher etwa 1000 Lagerinsassen im Rudolfsgnader Heimatlager gehabt. Nördlich vom hohen Eisenbahndamm, westlich von der Theiß abgegrenzt, im Süden neun Kilometer weit das nächste Nachbardorf und östlich vier bis fünf Kilometer weit von PerIez gelegen, ist es gut blockierbar und zu überwachen. Die Häuser waren in gutem Zustand, nur die Höfe und Gärten waren vergrast und vernachlässigt. Ein Großteil der Häuser stand seit einem Jahr leer. Anfangs Oktober kamen die ersten auswärtigen Lagerleute; von denen mußten manche Kinder, Erwachsene, ältere Personen von ihrem Heimatlager bis zur nächsten Eisenbahnstation zu Fuß marschieren und wurden getrieben, manche sogar neun Kilometer weit.

Es wurden folgende Heimatlager nach Rudolfsgnad geleitet: Karlsdorf, Ernsthausen, St. Georgen a. d. Bega, Banater Brestowatz, Weißkirchen, Georgshausen, Glogon, Elemir, Apfeldorf (Jabuka), Modosch, Kathreinfeld, Klek, Rudolfsgnad, Kubin,Franzfeld, Lazarfeld,Zichydorf, Sigmundsfeld, Mramorak, Nakowo, Pantschowa, Ploschitz, Sartscha, Setschanfeld, Sanddorf, Tschestereg, Stefansfeld. Zu den größten Blöcken gehörten: Mramorak über 2500, Apfeldorf über 2000, Nakowo über 1500 und Ernsthausen über 1000 Personen, Banater Brestowatz 2300 Personen. Jedes Lager hatte eine Krankenschwester, die die chronisch Kranken begleitete.


Am bedauernswertesten waren die Ober- und Mittelbanater dran, etwas mehr verschont blieben die Südbanater, am meisten verschont waren anscheinend die Franzfelder. Die Slowenien-Deutschen kamen im Januar 1947 mit Verpflegung und neuen Decken an, was bei der Ankunft sofort beschlagnahmt wurde. Bei ihnen sah man sogar Ausweise über konfisziertes Vermögen. Weniger mitgemacht haben die Bosnien-Deutschen und die Deutschen aus Slowenien. Die allerärmsten waren die Molidorfer, die im Winter 1947/48 ins Lager nach Rudolfsgnad kamen. Die vertriebenen Volksdeutschen, die im Oktober 1945 nach Rudolfsgnad kamen, wurden in den Wohnzimmern zusammengedrängt, wie es auch in den Heimatlagern üblich war. Die Leute kamen notdürftig bekleidet an, so wie sie aus dem Heimatlager überwiesen wurden. So kamen Tausende. In den Wohnzimmern, auf dem Fußboden ein wenig Stroh, ohne Decken, ohne Strohsack, ohne Hilfsmittel, wurden 20-30 Personen je nach Zimmergröße einquartiert. Das Lagerstroh wurde während der ganzen Lagerzeit bis zur Auflösung des Lagers im März 1948 weder gewechselt noch ergänzt, ausgenommen waren die Krankenhäuser, Kinderheim, Erholungsheim und Kinderspital. Die Wohnungen haben ein noch schlechteres Bild geboten als die im Heimatlager.


Die Gegend wurde von jedem Verkehr abgesperrt, der Ort blockiert. Niemand durfte schreiben, es wurde keine Post zugestellt und auch keine befördert. Das Lager war von bewaffneter "Volkspolizei" (Miliz) bewacht, und zwar bebestand sie aus einem Kommandanen, zwei Feldwebeln und 77 Volkspolizisten. Die Zahl der Polizisten wechselte, mal war sie höher, mal niedriger. Ohne besondere Erlaubnis und Erlaubnisschein war das Verlassen des Lagers strengstens verboten, wie auch das Betreten des Lagers.


Später, im Mai 1946, wurde der Empfang von Paketen erlaubt, aber ohne daß der Überbringer mit den Lagerinsassen in Berührung kam. Freie Bewegung gab es innerhalb des Lagers am Tage. Bei der Nacht sorgte die Volkspolizei dafür, daß ein jeder Lagerinsasse in der Wohnung blieb. Die Organisation funktionierte die erste Zeit sehr schlecht. Bis manche Personen untergebracht waren und zur Verpflegung kamen, vergingen oft Tage. Während der kältesten Wintermonate hat man den Lagerinsassen fast gar nichts zum Essen gegeben. Am Anfang verteilte man Kesselkost. Die Ernährung bestand aus Maisschrotsuppe, Polentabrei, Maisbrot und Tee, jedoch von allem so wenig, daß es für die bescheidensten Ansprüche viel zu wenig war, und dazu noch ohne Salz.


Es hatte Tage gegeben, an welchen nicht alle Lagerinsassen Verpflegung erhielten. In einer Woche des Winters 1945/46 bekamen die Lagerinsassen gar nichts an fünf unmittelbar aufeinanderfolgenden Tagen, da der Intendant heiratete und daher die Zeit zur Austeilung von Lebensmitteln scheinbar nicht ausreichte. Für den Monat Januar 1946 erhielten die Lagerinsassen an Verpflegung beiläufig 7 Gramm Salz und 223 Gramm Maisschrot pro Person, kein Schmalz, kein Brot. Salz war angeblich für den Monat Januar 1946 für 900 Personen angefordert (das war der Rudolfsgnader Heimatlagerstand vor der Konzentration) Wenn die Verpflegung fehlte, ging man über zur Ergatterung und Verwertung der auf den Hausböden noch befindlichen Kornreste, trotz strengen Verbotes. Die Kornreste wurde mit Steinen zerklopft und auf Zementtrögen mit einem Stein verstohlenerweise verrieben. Um ihre Not zu lindern, stahlen sich vereinzelte Lagerinsassen, von Hunger getrieben, aus dem Lager hinaus, um noch entbehrliche Kleider für Lebensmittel zu tauschen. Manche wurden dabei erschossen. Hunde und Katzen fielen dem Hunger der Lagerinsassen zum Opfer, sogar Tierkadaver wurden nicht gescheut.

Heizmaterial wurde im ersten Winter (1945/46) keines verabfolgt, es wurde bloß mit dem geheizt, was die Lagerinsassen verstohlenerweise sich selber suchen und verschaffen konnten, wie dürres Gras, Rohr und Reisig und was sie an Holz finden konnten. Sogar die Ambulanz blieb unbeheizt, obwohl jeden Tag von der Früh bis nach Mittag gearbeitet wurde. Nicht einmal den Krankenhäusern wurde Heizmaterial zugeteilt. Der Lagerstand war im Jahre 1945 in Rudolfsgnad Ende Oktober 11 011, Ende November 20516 und Ende Dezember 19237 Lagerinsassen.


Zu der mangelhaften Ernährung, der salz- und vitaminlosen Kost gesellten sich noch die schlechten hygienischen Verhältnisse. Die Lagerinsassen waren in den Wohnungen zusammengepfercht. Man konnte sich nur notdürftig waschen und reinigen, es standen weder Waschraum, noch Waschgeräte, noch warmes Wasser zur Verfügung. Auch gab es kein Bad; der gleich am Anfang begonnene Bau wurde niemals fertiggestellt, desgleichen nicht die dort einzurichtende Trockenkammer, es war scheinbar kein Material vorhanden. Die Lagerinsassen hatten meistens Handtücher und Waschschüsseln gemeinsam. Im Winter konnten die Leute nicht waschen, da viele keine Wäsche zum Wechseln hatten und außerdem die Wäsche schwer trocknete; dazu immer dieselbe Strohunterlage. Seife und Zahnbürste hatte man vielen schon im Heimatlager weggenommen, und Seife wurde erst im Jahre 1947 zugeteilt, etwa 5 Gramm, insgesamt fünfmal.


Verwaltungsmäßig war das Lager zuerst Groß-Betschkerek unterstellt (Kreis-Volksbefreiungsausschuß). Es war in vier Viertel eingeteilt, an deren Spitze je ein Kommandant (Partisan) stand. Ihm oblag die Überwachung der im Viertel wohnenden Lagerinsassen. Die erste Zeit wurden die Lagerinsassen auch nachts oft kontrolliert, im Schlaf gestört und waren der Willkür des Kommandanten ausgesetzt; dazu kamen noch die Willkür, die Verfluchungen und Verwünschungen und Vernichtungsdrohungen mancher Partisanen, obendrein die Bespitzelung, wie im Heimatlager.


Die Vertriebenen wurden ratlos, apathisch, tatlos. Infolge dieser Zustände machten sich bald die Zeichen des körperlichen und seelischen Verfalles bemerkbar, aus der Not wurde Elend. Infolge der schlechten sanitären Zustände war bald alles voll Ungeziefer, zu dessen Bekämpfung die persönliche Initiative einzelner oft nicht mehr ausreichte. Flöhe, Kopf- und Kleiderläuse und Wanzen konnte man in Überfülle finden; Wesen, welche den Volksdeutschen vor der Internierung unbekannt waren. Dazu kam noch im Spätherbst 1945 eine Grippeepidemie. Die Folge war ein Massensterben, besonders der Kleinkinder und älteren Personen.

Die Fleckfieberepidemie

Anfang Januar des Jahres 1946 trat Fleckfieber auf, das sich zu einer großen Epidemie entwickelte. Es kam eine Kommission nach der anderen aus Groß-Betschkerek und Neusatz; die Ärzte hatten Belgrad alarmiert, um Anordnungen zu treffen und dem Übel Halt zu gebieten. Ein Vertreter aus Belgrad interessierte sich bei den Kranken im Krankenhaus für die Verhältnisse und ob sie auch ärztliche Betreuung hätten; sie antworteten: Der Arzt kommt täglich, aber er kann uns ebensowenig helfen, wie Sie uns helfen können, wir brauchen Brot. - Als der Kommission gesagt wurde, es wären keine Thermometer vorhanden (handelte es sich doch um zwei Ambulanzen, Krankenhäuser und 27 Heimatlager), wurden schließlich drei Stück bereitgestellt.


Nun wurden die Maßnahmen zur Bekämpfung des Fleckfiebers und zur Verbesserung der Verpflegung angeordnet und die Durchführung festgelegt. Das Lagerkommando wurde, anscheinend auf Veranlassung der Kommission aus Belgrad, entlassen. Nur der Intendant blieb auf seinem Posten und der Magazineur, der während dieser Zeitkrank in einem Krankenhaus lag. Ein Antrag auf Verbesserung der Verpflegung war schon vorher von den Ärzten aus Groß-Betschkerek gestellt worden. Doch wurde die Milch, statt daß sie den Kindern verteilt wurde, von der Gutsverwaltung Rudolfsgnad aus dem Ort weitergeliefert. Das beantragte Obst für die Kinder wurde auch nicht besorgt. Ein Resultat des Antrags auf Verbesserung der Verpflegung war lange nicht zu sehen.


Eine Ärztegruppe wurde zur Bekämpfung des Fleckfiebers eingesetzt sowie ein Kommando zum Bespritzen des Lagers mit DDT-Pulver. Das Lager wurde unter strenge Quarantäne gestellt. Die mit ziemlicher Verspätung angelangte schriftliche Anordnung lautete:

Kreis-Volksausschuß

Petrovgrad (Groß-Betschkerek), 11.2. 1946

Abteilung für Volksgesundheit
Nr. 1436

Betrifft: Pflichten der Ärzte in den Lagern und in den Kolonistenortschaften.

Die Abteilung für Volksgesundheit des PNSAPV hat unter Nr. 1001/46 ein Rundschreiben folgenden Inhalts übersandt:


"Mit Rücksicht darauf, daß in den Zivillagern Fleckfleber aufgetreten ist, in einigen auch in Form großer Epidemien, und da die Gefahr einer Übertragung dieser Krankheit auf unsere Bürger besteht, ordne ich, damit diese Gefahr ge- bannt wird, folgendes an:

 
1. daß die Ärzte laut beigefügtem Verzeichnis in den ihnen zugeteilten Lagern ihren Dienst übernehmen, welche in folgendem zu bestehen hat:


a) Tägliche Untersuchung der Lagerinsassen zum Zwecke der Auffindung Fleckfieberverdächtiger oder an Fleckfieber Erkrankter. Wenn die Lager groß sind, haben die Ärzte die Kranken mit Hilfe von Sanitätern ausfindig zu machen, die der Arzt selbst auswählen und denen er diesbezügliche Anweisungen zu geben hat.
b) Isolierung dieser Erkrankten im Lager selbst; zu diesem Zwecke sind eigene Räume zu bestimmen, je nach Lagerstand.
c) Bekämpfung der Verlausung.
d) Der Arzt hat ein Kontrollbuch und ein Krankenprotokoll anzulegen, welches folgende Rubriken haben muß: laufende Nummer, Datum, Name und Vorname der untersuchten Person, Diagnose und Bemerkungen.

2. Wenn in dem Ort, wo ein Lager ist, auch Kolonisten sind, hat der Arzt hier denselben Dienst und auf dieselbe Art und Weise zu versehen wie im Lager. Wenn dies in einzelnen größeren Orten und Städten nicht möglich ist, sind für die Arbeit unter den Kolonisten gesonderte Ärzte zu bestimmen.


3. Im Falle des Auftretens von Fleckfieber (sei es auch nur Verdacht) ist der Arzt verpflichtet, sofort seinen vorgesetzten Arzt zu verständigen (telefonisch oder telegraphisch), und dieser hat die zuständige höhere Sanitätsbehörde zu ver- ständigen . . ."

Außer auf Rudolfsgnad bezog sich diese Anordnung auf noch 16 Zivlllager im Banat.

Das ganze Lager war mit viermaligem Bespritzen mit DDT-Pulver total entlaust. Die Fleckfieberkranken wurden, soweit sie erfaßt werden konnten, in der Schule konzentriert. Die Sterbefälle erreichten ihr Maximum im Februar 1946. Die Ärztegruppe zur Bekämpfung des Fleckfiebers arbeitete aufopfernd und mit Hingabe unter der Gefahr, selbst infiziert zu werden. Die serbischen Ärzte und ihr Hilfspersonal brachten den deutschen Lagerinsassen größtes Entgegen-kommen entgegen, was ihnen von anderer Seite verübelt wurde. (Man hörte von ihnen Äußerungen, daß man solches Elend während der Okkupation durch die Deutschen weder erlebt noch gesehen habe.) Mit derselben Aufopferung arbeiteten die Krankenschwestern (Lagerinsassen), von denen 80 Prozent an Fleckfieber erkrankten und einige auch der Epidemie zum Opfer fielen. Das Versprechen einer besseren Verpflegung für das Bekämpfungspersonal (Lagerinsassen) wurde nicht eingelöst. Es lag sicherlich nicht an den 20 Ärzten, die direkt oder indirekt an der Bekämpfung des Fleckfiebers beteiligt waren - vom beamteten Arzt im Gesundheitsministerium bis zu den Lagerärzten, ohne Unterschied der Volkszugehörigkeit und des Glaubensbekenntnisses -, daß nicht mehr Volksdeutschen geholfen werden konnte; ihrem Einsatz und ihrer Aufopferung gebührt volle Anerkennung, ebenso den Krankenschwestern und dem weiteren Sanitätspersonal.


Einmal versuchte man, die Not und das Elend mit Strenge zu bekämpfen. Die Lageraufsicht wurde neu geregelt, statt der Einteilung in Viertel wurde die Blockeinteilung eingeführt, mit einer Blockleiterin (Lagerinsassin) an der Spitze. Das Lager selbst wurde Neusatz direkt unterstellt und unterstand dann dem Hauptexekutivausschuß des autonomen Gebietes Wojwodina, Abteilung für Innere Angelegenheiten, Sektion für Lager.

Seit Beginn der Zusammenfassung der Deutschen in Rudolfsgnad waren zur Unterbringung der Kranken Lagerkrankenhäuser eingerichtet worden, in welchen die Kranken lagermäßig betreut wurden. In den Blöcken waren Altersheime geschaffen zur Betreuung hilfloser, kranker Lagerinsassen. Nach der Fleckfieberepidemie wurde ein Erholungsheim aufgestellt zur Aufbesserung herabgekommener, schwacher, unterernährter Personen; für die Kinder, die keine Angehörigen hatten, ein Kinderheim, und auch das Kinderspital wurde zur Aufnahme für Verbesserung der unterernährten und an Vitaminarmut erkrankter Kinder eingerichtet. Das Krankenhaus für Erwachsene blieb größtenteils mit Betten belegt; soweit es möglich war, wurden die an Lungentuberkulose Erkrankten im Spital für Tuberkulosekranke isoliert. Eine selbständige Infektionsabteilung nahm die an ansteckenden Krankheiten Erkrankten auf. Entbindungszimmer war auch eingerichtet. Die Verpflegung in den Spitälern war etwas besser als im Lager. Der Krankenstand in den Krankenhäusern und im Erholungsheim zählte im Durchschnitt von 230 bis 290 Personen, je nach Raummöglichkeit.


Berufskrankenschwestern waren im ganzen Lager nur vier. Jeder Block hatte eine oder zwei Krankenschwestern. Das Lager hatte einen Desinfektor, später Hygieniker (kein Lagerinsasse) zur Überwachung der Reinlichkeit der  Lagerblöcke, Gebäude, Wohnräume wie auch der persönlichen Hygiene der Lagerinsassen.

Die Arzneimittel wurden zuerst von einem, dann zwei und später von drei Apothekern verwaltet. Die erste Medikamentenbestellung war beschränkt. Die Arzneimittel reichten meistens nicht aus, kamen nicht regelmäßig an, trotz regel mäßiger Anforderung. Es war auch nicht alles Angeforderte zu haben, von ärzt- lichen Hilfsmitteln war kaum das unbedingt Allernotwendigste vorhanden. Im Jahre 1946, nach der Fleckfieberepidemie, wurde von 40 bis 50 jungen Mädchen
eine Heilkräuter-Sammlergruppe organisiert unter Leitung eines Apotheker-laboranten. Auch Kohle wurde von der Gesundheitsorganisation selbst erzeugt. Die Gesundheitsorganisation im Rudolfsgnader Konzentrationslager zählte 300 Personen, alles Lagerinsassen.

Die Bekämpfung des Fleckfiebers dauerte bis April 1946. Nach Aufhebung der Quarantäne wurde auf Intervention der Ärzte das Schicken von Paketen ins Lager erlaubt. Hauptsächlich die Sendungen aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika retteten manchem Lagerinsassen das Leben; vom Inland kamen auch viele Sendungen im Lager an.


Das Elend war groß, und wer keine Möglichkeit hatte, sich etwas zu verschaffen, und wer sich seelisch über das Elend nicht hinwegsetzten konnte, war bedroht, seinem langsamen Untergange entgegenzugehen.


Die Anzeichen der Ernährungsstörungen und die Folgen der Fleckfieber-epedemie kamen immer mehr zum Vorschein. Die Menschen waren aufge-dunsen, Durchfall stellte sich ein als Folge der vitaminlosen Kost, Skorbut, besonders unter den Kindern und Kleinkindern, Gürtelrose, Herzmuskel-degeneration, Nachtblindheit usw. Sehr viele Lagerinsassen waren schwach und unterernährt. Nach dem April 1946 wurde die Zutellung von Lebensmitteln regelmäßiger.

Die Gesundheitsverhältnisse

Die arbeitsfähigen Erwachsenen mußten nach Frührapport, Krankmeldung, Arbeitsanleitung, usw. tagtäglich auf die Arbeit gehen. Die Verpflegung der Schwerarbeiter im Hochsommer auf dem Hotter war hygienisch oft unzureichend, die Wasserversorgung so schlecht, daß des öfteren akuter Brechdurchfall auftrat.

Das Trinkwasser wurde aus Schachtbrunnen geschöpft. Sämtliche Brunnen wurden bakteriologisch untersucht, und von den hunderten von Brunnen waren bloß zehn einwandfrei. Nun sollten die nicht einwandfreien Brunnen vernichtet werden, damit wäre aber das Lager ohne genügend Wasser geblieben. Man hat davon Abstand genommen, und die Brunnen mit einwandfreiem Trinkwasser wurden bezeichnet. Die Folge des Fleckfiebers und der mangelhaften Ernährung waren folgende, am meisten verbreitete Krankheiten:

in den Jahren 1946 1947 1948
Herzmuskeldegeneration und Ödeme 753 252 139 Höchststand
Durchfall 448 150 29 Höchststand
Avitaminose 76 158 32 Personen
und Krätze 2165 560 19 Fälle

als Folge der unhygienischen Verhältnisse sowie viele Hauteiterungen, Augenerkrankungen, Hautkrankheiten (Bartflechte) usw . Dem Antrag, Kranke in ein auswärtiges Krankenhaus weiterzuleiten, wurde selten stattgegeben. Das Lager selbst hatte doch kaum die allernotwendigsten ärztlichen Hilfsmittel. Im Juni, Juli, August 1946 teilte man Weißbrot, Mehl, Erbsen und Linsen zu. Hernach kam wieder ein Rückschlag. - Ein ärztlicher Bericht aus dem Lager vom 13. Oktober l946 meldet:


"Auf Grund der Anordnung Nr. 1436 vom 11.2. 1946 wird der zehntägige Bericht über den gesundheitlichen und hygienischen Zustand im Sammellager Rudolfsgnad übermittelt: Im Laufe dieses Monats trat erneut in großem Ausmaße Krätze auf. Die Ursache liegt darin, daß die Lagerinsassen keine Seife haben und auch keine Gelegenheit, sich warmes Wasser zu verschaffen; und das Bad ist noch nicht fertiggestellt. Malaria hat sich verringert, auch schon wegen der kalten Täge. Herzmuskelerkrankungen und Ödeme sind infolge der schwachen Verpflegung und mangels Medikamenten noch häufig. Skorbut gibt es noch 54 ziemlich schwere Fälle als Folge vitaminloser Verpflegung. Tuberkulose gibt es insgesamt nur einige Fälle. Infektionskrankheiten gibt es überhaupt nicht.


In großer Menge zeigen sich Augenbindehautentzündungen, Hornhautentzündungen und Bindehaut-Hornhautentzündungen, ebenfalls wegen vitaminloser Verpflegung. Die Verpflegung ist einseitig, denn außer Erbsen und Gerste wird den Lagerinsassen fast keine andere Nahrung zugeteilt, es sei denn, sie gehören zur Kategorie der Schwerstarbeiter, und das sind höchstens zehn Prozent von der Gesamtzahl der Lagerinsassen.


Die größte ZahI der Kranken ist an Durchfall erkrankt, welche Krankheit eine Folge der Ernährung ist. Zwecks Untersuchung auf Typhus und Dysenterie wurden fast aus jedem lager Exkremente entnommen, aber es wurde nicht ein einziger poistiver Fall festgestellt, was beweist, daß der Durchfall durch die Ernährung verursacht ist.

Verlausung tritt auf, wird jedoch mit DDT erfolgreich bekämpft. Eine BeKämpfung mit Dampf hätte nur in dem Falle einen Sinn, wenn gleichzeitig auch das Stroh gewechselt würde. Aber dieses gibt es anscheinend nicht in genügender Menge. Deshalb ist es unerläßlich, die Desinfektion mit DDT-Pulver durchzu-führen, weil damit auch das Stroh desinfiziert wird. Aborte sind noch immer nicht in genügender Zahl errichtet, weil kein Material vorhanden ist.

Arzneimittel sind fast überhaupt nicht vorhanden, darum wäre es notwendig, möglichst schnell die angeorderten Medikamente zuzustellen. Mit Rücksicht auf die kalten Täge müßte man darauf drängen, daß alle Lagerinsassen täglich dreimal warmes Essen bekommen."


Nach der Fleckfieberepidemie, nach der Aufbesserung der Ernährung wurden Kleider und Wäsche verteilt, aber bei weitem nicht in genügender Menge und nicht entsprechend einer Anordnung des Hauptexekutivausschusses des autonomen Gebietes Wojwodina, Abteilung für Innere Angelegenheiten, Sektion für Lager, unter 1480 vom 23 . Mar 1946.

Der Lagerstand, nach dem Alter gegliedert, war am 30. April und 31. Mai

bis 5 Jahre 6-10 Jahre 11-14 Jahre 15-18 Jahre 19-60 Jahre über 60 Jahre
2832 3154 2298 378 6768 2565
2797 3154 2374 423 6962 2562

insgesamt 17999 bzw. 18272 Personen.

Eine andere, spätere Aufgliederung des Lagerstandes nach dem Alter am 30.
September 1946:

bis 11 Jahre 12-18 Jahre 19-60 Jahre über 60 Jahre insgesamt
6013 1643 6676 2291 16623 Personen

Die an Infektionskrankheiten Erkrankten wurden, soweit sie erfaßt werden konnten und wo es notwendig erschien, im Infektionsspital isoliert und behandelt, um die Masse vor einer Ausbreitung der Infektion schützen zu können. Die erfaßten Fleckfieberkranken wurden zur Zeit der Epidemie in der Schule (an Zahl 524) konzenriert, davon sind 55 Personen gestorben. An den Folgen von Bauchtyphus waren meistens Rekonvaleszenten aus den Heimatdorflagern, sind zwei Personen gestorben. An Dysenterie sind zwei Fälle verzeichnet, gleichzeitig ein Sterbefall. An weiteren

Infektionskrankheiten erkrankt gestorben
Scharlach 48 5
Hirnhautentzündung 6 1
Rotlauf 36 2
Starrkrampf 1 1
Diphtherie 166 26
Spinale Kinderlähmung 6 -
Mumps 237 3
Masern 110 23
Keuchhusten 14 -
Malaria 4213 -

Von Mumps wurden die schwachen, unterernährten Kinder nicht befalle, nur besser genährte Kinder erkrankten an Mumps. Die an Mumps Verstorbenen waren Erwachsene mit eitriger Ohrspeicheldrüsenentzündung und anschließender Blutvergiftung.

Die Todesfälle

Die Sterbetälle erreichten ihr Maximum im Februar 1946 bis Mitte des Monats. Nach einem Höchststand der Sterbetälle im Februar 1946 mit 1346 Todesfällen fiel die Sterbezahl im September desselben Jahres auf 159. Das Maximum der Sterbefälle an einem einzigen Tag, 4. Februar 1946, betrug 72 Todesfälle.

Gestorben sind:

Alter Okt.- Dez. 1945 im Jahre 1946
bis 10 Jahre 129 1036
10- 20Jahre 23 152 249 1285
20- 30Jahre 13 96
30- 40Jahre 24 220
40- 50Jahre 48 85 351 667
50- 60Jahre 139 931
60- 70 Jahre 444 2109
70- 80Jahre 452 1047
80- 90Jahre 177 163
90-100 Jahre 12 1224 1 4251
1461 6203

insgesamt 7664 Personen in 15 Monaten.

Die meisten Lagerinsassen sind an den Folgen der Ernährungsstörungen des Fleckfiebers (Herzmuskeldegeneration, Ödeme, Durchfall) gestorben am Anfang zur Zeit der Grippeepidemie. Gestorben sind an den Folgen von Dystrophie und Fleckfieber:

ab 21. Febr. 1946 1947 bis März 1948
an Ödemen 511 401 129
an Durchfall 1860 415 65
an Skorbut 57 10 -
an Felckfieber 49 -
Personen 2477 826 194

Sterbezahl vom 21.02. - 31.12.1946 insgesamt 3918 Personen, im Jahr 1947 insgesamt 1491 Personen,  bis März 1948 insgesamt 348 Personen.

Gestorben sind in Rudolfsgnad vom 10. Oktober 1945 bis 25. März 1948:

in den Jahren 1945 1946 1947 1948 insgesamt
Personenen 1461 6203 1491 348 9503
davon Erwachsene:
Männer 473 1270 518 106 2367
Frauen 842 3701 863 239 5645
Gesamt 8012
davon Kinder bis 14 Jahre:
Knaben 66 626 51 2 745
Mädchen 80 606 59 1 746
Gesamt 1491

Durch das Absterben entstandenen Lücken sind durch neue Zugänge von Deutschen gefüllt worden. Anfang des Jahres 1947 kamen die Deutschen aus der Baranja auS Slawonien, Bosnien und der Untersteiermark mit teilweise östereichischen und reichsdeutschen Staatsbürgern, unter anderem die Mönche aus dem Kloster Travnik. Anfang des Jahres 1948 sind die Lager Gakovo und Molidorf mit über 6000 Vertriebenen nach Rudolfsgnad übersiedelt. Die Molidorfer Lagerinsassen sahen noch erbärmlicher aus als die in Rudolfsgnad. In Molidorf wütete stark die Malaria, und da keine Arzneimittel zur Malaria-behandlung vorhanden waren, waren die Leute so verfallen.


Nach der Fleckfieberepidemie wurden die unterernährten Waisenkinder und Kleinkinder ohne Angehörige oder verschleppter Eltern in auswärtige Kinderheime gebracht. Die Fortführung dieser Kinder wurde außerhalb des Lagers angebracht, organisiert und durchgeführt. Es handelte sich um etwa 500 Kinder. Das sind die Kinder, die nach zwei bis drei Jahren der deutschen Sprache nicht mehr mächtig waren.


Ein Begräbnis im gewöhnlichen Sinne gab es nicht. Die Leichen wurden auf einem gewöhnlichen Bauernwagen in die Massengräber gebracht. Zuerst wurden die Leichen in den Häusern liegengelassen (meistens im Gang) und von da in die Massenqräber gebracht. Später, als schon Wohnräume entbehrt werden konnten, wurden Leichenkammern errichtet, und von da aus geschah die Weiterbeförderung. In der Zeit det Fleckfieberepidemie waren die Leichen mangelhaft gekleidet, später wurden die Leichen in zerfetzte Decken eingenäht und so begraben.


Die Begräbnisstätte war am Anfang der Lagerzeit der Rudolfsgnader Friedhof bis einschließlich 13. Februar 1946, und hier fanden 3160 Deutsche die Ruhe in Massengräbern. Da aber zu dieser Zeit im Friedhof das Grundwasser schon zu hoch war, wurde die "Teletschka" ausersehen, höher gelegen, etwa  zwei Kilometer vom Dorf entfernt, an der Rudolfsgnader-Centaer Landstraße rechts gelegen, bei deren Auswahl der Standpunkt der einflußreichen landwirt-schaftlichen Gutsverwaltung maßgebend war. Nun fuhr der Bauernwagen mit den Leichen seit dem 14. Februar 1946 täglich auf den neuen Bestimmungsort. An diesem regelmäßigen Vorgang änderte sich nichts bis in die letzten Monate vor der Auflösung des Lagers; da wurden die Pferde von zwei Eseln vor dem Wagen abgelöst, und der mit den zwei Eseln bespannte Wagen machte jeden Tag den Weg auf die "Teletschka" bis Ende März des Jahres 1948. In den Massengräbern der ,,Teletschka" wurden 6343 im Lager Rudolfsgnad verstorbene Deutsche beerdigt.


Das Verlassen des Lagers war strengstens verboten. Lagerinsassen, die sich aus dem Lager hinausstahlen, um sich Lebensmittel zu verschaffen oder um zu flüchten, wurden erschossen, wenn sie bei der Tat ertappt wurden. Dasselbe passierte auch, wenn sich jemand in das Lager einschleichen wollte. Nach den  ersten Erschießungen wurde das Schießen auf Lagerleute verboten , trotzdem fielen noch einzelne Lagerinsassen der Kugel zum Opfer. Es sind elf Er- schießungen für 1946 und drei für 1947 verzeichnet, alle außerhalb der Lager- grenzen: Ausnahmen waren zwei männliche Lagerinsassen aus Tschestereg, die im Frühjahr 1947 beim Absägen eines Baumastes von einem Volkspolizisten ertappt und innerhalb des Lagers aus 30 Metern Entfernung erschossen wurden. Die Todesfälle durch Erschießen wurden verzeichnet nach protokol-larischer Aufnahme und nach der Leichenbeschau. Die Erschossenen waren alle von hinten, von der Rückseite in Fluchtversuchstellung getroffen, nach der Einschußöffnung beurteilt.


Selbstmord verübten etwa elf Personen aus Verzweiflung. Dann sind einige Ertrinkungsfälle zu erwähnen. Vier bis fünf Geisteskranke wurden in eine lrrenanstalt eingewiesen. - Jeder natürliche und unnatürliche Todesfall wurde registriert. Das von der Lagerverwaltung geführte Sterbematrikelbuch wurde nach der Auflösung des Lagers Rudolfsgnad nach Perlez verlegt.


Statistik der Krankenbehandlung

In den Ambulanzen wurden Massenbehandlungen durchgeführt:

Behandlungen 1945 1946 1947 1948 insgesamt
(ab Okt.) (bis März )
Malaria 23 1688 2252 1409 5371
Herzbehandlung und Ödeme 92 10791 32105 3461 46449
Augenerkrankungen 457 34808 35856 5793 76914
Krätze 3700 30097 22867 5421 62091
Impfungen 2000 18788 13702 15921 50411
Bestäuben mit DDT - 49107 19662 4110 72819
Durchfall 818 8076 12264 1212 22370
Skorbut (Mundbehandlung) 735 4098 11193 655 16681
Zahnextraktionen 102 1993 1818 210 4123
Influenza, Bronchitis 949 4770 11599 1367 18685
Asthenie (Blutarme, Rekonvaleszenten) 266 1142 1819 203
Tuberkulose 33 102 316 180 631
Hauteiterung, Wundbehandlung 1659 10892 41033 6230 59814
Ekzeme 1099 8096 19857 1294 30346
Magenteeportionen verabfolgt - 2582 3999 850 7431
Brust- und Hustenteeportionen - 4401 20499 4961 29861
verschiedene Krankheiten 1823 10914 30190 2796 45723
Behandlungen insgesamt 13762 202345 281031 56072 553201
Behandlungen 1945 1946 1947 1948 insgesamt
ab Okt. bis März
Ärztliche Untersuchungen in der Ambulanz laut Ärzteprotokoll 9541 43273 53966 8025 114805

Übersichtstabelle

Jahr Monat Behandlungen lt. ausweis Ärztl. Untersuchung lt. Ärzeteprotokoll Gestorben Lagerstand Endes des. jew. Monats
1945 X. 2280 18757 78 11011
XI. 3708 3346 505 20516
xII. 7774 4438 878 19237
Zusammen: 13762 9541 1461 -
Jahr Monat Behandlungen lt. Ausweis Ärztl. Untersuchung lt.Arzteprotokoll Gestorben Lagerstand Ende des jew. Monats
1946 I. 5321 2442 1265 18320
II. 27402 1592 1346 16886
III. 11112 2796 971 16593
IV. 16982 3616 685 17999
V. 23883 3860 374 18272
VI. 22983 5157 214 18034
vII. 17644 6569 232 17059
vIII. 18198 3610 223 16966
IX. 16756 3198 159 16623
X. 16904 5558 237 16519
XI. 8958 2241 192 16682
xII. 16252 2574 245 16978
zusammen: 202345 43273 6203 -
1947 I. 22270 3932 1844 165
II. 17772 3358 136 20732
III. 39151 4244 167 20414
IV. 32536 4546 193 19612
V. 29350 6184 119 19200
VI. 23731 5252 98 16812
vII. 27990 5630 104 15946
vIII. 25051 6684 127 15134
IX. 21744 4872 89 13801
X. 17102 4498 132 12936
XI. 13862 2922 91 12623
XII. 10472 1844 70 12481
zusammen: 281031 53966 1491 -
1948 I. 26043 2687 125 18800
II. 27984 3293 174 13342
III 2045 2045 49
zusammen: 56072 8025 348 -
insgesamt: 553210 114805 9503 -

Die Auflösung des Lagers

Etwa 33 000 Volksdeutsche und Deutsche passierten das Konzentrationslager in Rudolfsgnad von Oktober 1945 bis Ende März 1948.


Das Lager Rudolfsgnad nannte sich zuerst "Konzentrationslager Rudolfsgnad-, (Knicanin), dann "Zivillager Rudolfsgnad" , "Lager Rudolfsgnad" und "Arbeitssiedlung Rudolfsgnad" und zuletzt "Arbeitssiedlung in Liquidierung Rudolfsgnad". Für das alles, was in Rudolfsgnad war und was sich dort abgespielt hatte, war und blieb in Jugoslawien der amtliche Name: Arbeitslager Rudolfsgnad (Knicanin). Der Vorsteher des Konzentrationslager hieß zuerst Lagerkommandant, dann Lagerverwalter (Direktor).


In Rudolfsgnad waren Volksdeutsche aus Jugoslawien, Rumänien, der Tschechoslowakei und österreichische und reichsdeutsche Staatsbürger interniert. Vor Auflösung des Lagers (Arbeitssiedlung in Liquidierung) wurden die hygienischen Vorbereitungen und Maßnahmen von einem beauftragten Arzt des Hygienischen Instituts in Neusatz überwacht. Es wurde eine Trockenkammer improvisiert - die begonnen, aber nie fertiggestellt wurde, wie auch das Bad. Es wurde ein amerikansiches Feldbad aufgestellt. Anscheinend wollte man sämtliche Lager über Rudolfsgnad auflösen; da aber viele nach Rudolfsgnad eingewiesene Landsleute (auch die, die bei Zivilpersonen auf Arbeit waren) hygienisch nicht einwandfrei waren und dadurch nachteiligen Einfluß auf die hygienischen Verhältnisse im Rudolfsgnader Lager verursacht hätten, hat man davon abgesehen.


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