Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.508

Karoline Bockmüller, Deutsch Zerne
Teilabdruck aus Ost-Doku. 2/389/2-10

Zustände im Rudolfsgnader "Kinderlager"

Einmal habe ich wegen meines Neffen im Kinderlager zu tun gehabt und kam da zufällig in eien Raum, in dem sich etwa 30-50 Kinder (vom Säugling bis zu 16 Monaten) befanden, deren Eltern verstorben waren.

Keines dieser armen Kinder konnte stehen oder gehen, sie lagen auf ihrem Platz oder rutschten auf dem Bauch im Raum herum. Der Raum war voll Kinderkot und stank erbärmlich. Die Kinder weinten furchtbar, waren ganz bleich und abgezehrt. Sie waren am ganzen Körper mit Kot verschmiert, der teilweise schon ganz fest angetrocknet war. Ich konnte das nicht ansehen, schrie auf und lief weinend hinaus und fragte dort Frauen, ob denn niemand hier sei, der sich dieser armen, verlassenen Kinder annehme. Die Frauen sagten mir, daß sie nicht helfen können, weil sie keine Windeln oder Handtücher, keine Waschbecken, kein Wasser, keine Seife - also praktisch - gar nichts hätten. Sie verlangten von der Lagerleitung ständig wenigstens das Allernotwendigste, doch gab man ihnen nichts und sagte:"Sie sollen krepieren!" Auch mein Enkelkind wollte man mir wiederholt wegnehmen und es dort unterbringen, aber ich gab es trotz der Androhungen, nicht her.

Am 08. Mai 1947, als mein Enkelkind gestorben war, flüchtete ich aus dem Lager Rudolfsgnad nach Molidorf, um meine Mutter zu suchen. Dort erfuhr ich, daß meine Mutter und meine Tante im Lager verhungert sind


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