Auszug aus Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944 - 1948. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) München 1998. S.161-162

Sterbeheim für Kinder

Die Behandlung der deutschen Kinder durch die Partisanen war mit Sicherheit eine der verbrechensschwersten Errescheingungen, die die Chronik der Zwangsarbeits- und Vernichtungslager in Jugoslwawien aufzuweisen hat. Kaum 13 oder 14 Jahre alt, wurden auch sie zunächst in die Ortslager getrieben und zur Arbeit herangezogen. In den Lagern waren die Kinder, deren Väter zum Militär eingezogen oder bereits erschossen und deren Mütter in vielen Fällen zur Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert worden waren, meist auf sich alleine gestellt, sofern sich nicht Verwandte oder Nachbarn ihrer Betreuung annahmen. Wer arbeitsunfähig wurde, kam in die Todeslager. Dort befanden sich von Anfang an Kinder jeglichen Alters, Hunger, Krankheit und Verwahrlosung forderten unter ihnen einen hohen Todeszoll.

Als Gehilfe des Elektrikers WEISSMANN konnte Lorenz BARON Einblick in das Grauen des "Kinderheimes" gewinnen. Er schreibt: " Wir bekamen den Auftrag, im sogenannten Kinderheim Licht einzuführen. Als ich Ende 1946 mit meinem Meister  da hineinkam, wurde es uns übel, so daß wir wieder nach draußen mussten, um durchzuatmen. Das vorher Gesehene verdrängend, betraten wir danach erneut den großen Saal. Weißmann schaute nach den Querbalken an der Dekce und wies mich an, drei Lichtreihen zu legen - und schon war ich alleine mit dem Tod. Als ich die Steigleiter und das Material hereingebracht hatte, versuchte ich immer wegzuschauen, aber wohin? Überall lagen sterbende deutsche Kinder."

Einige Schwestern seien in erster Linie damit beschäftigt gewesen, die Leichen aus den Reihen auszusortieren, diese dann auf den Tisch zu legen, in Stoff-Fetzen einzunähen und danach auf den Leichensammelplatz zu bringen.

"Das Kinderheim - Wittmanns Tanz- und Kinosaal - war ein im Hof stehendes Gebäude mit gewölbtem, verzinktem Blech. Der Saal hatte große Fenster und war fast quadratisch, ca 25 x 25 m groß. Von Nord nach Süd lagen etwa sechs einen Meter breite Strohreihen von Wand zu Wand, in der Saalmitte war ein Quergang. Beim Eintreten hörte man ein monotones Summen, die höheren Töne wurde von den tiefen eingebunden. Das was das Lied vom Kindertod! Der Saal war voll von wehrlosen, sterbenden Kindern. Ohne menschliches GEfühl, wie ein Toter, stieg ich auf die Steigleiter und schraubte Porzellan-Isolatoren an die Querbalken. Manche Skelette unter mit konnten sich noch bewegen und verfolgten jeden Handgriff, den ich ausführte. Manche Kinder fielen zurück - ihr Blick war noch auf mich gerichtet - und waren tot. Mitleid gab es von niemandem, wußten wir doch, daß wir die nächsten Toten sein konnten.

Und an anderer Stelle schreibt derselbe Autor: "Wir gingen täglich, um am Pumpbrunnen Wasser zu trinken. Hier saßen die Kinder bei Sonnenschein auf dem Gangsturz und fingen die Läuse der Nachbarn. Fast alle hatten die Krätze, vereiterte Mundwinkel, ja bei manchen waren schon Teile der Wangen weggefault und die Zähne waren wie bei einem Skelett zu sehen. Die meisten weinten verhalten und kraftlos, dennoch was das Stöhnen dieser armen Kinder auch außerhalb des Hauses zu hören.

Im Sommer 1946 begannen die Behörden in den "Konzentraionslagern für Arbeitsunfähige" Kindertransporte zusammenzustellen und sie den staatlichen Kinderheimen zuzuleiten, um sie dort ihrem Volkstum zu entfremden und nach durchgeführter Assimilierung als gute Staatsbürger in den jugoslawischen Staatsverband zu integrieren. So wurden am 01. Juli 1946 transportfähige Kinder und Kleinkinder, deren Eltern tot oder verschleppt waren und die keine näheren Angehörigen besaßen, aus dem jämmerlichen Haus, das den Namen "Kinderheim" führte, herausgenommen und in Begleitung einiger Pflegerinnen, aber unter strenger Bewachung durch serbische Partisanen, in auswärtige Kinderheime gebracht.

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