Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.695

Im ehemaligen Jugoslawien gab es drei Arten von Lager:

Arbeitslager:  in fast jedem der Orte mit mehr als 200-300 deutschen Bewohnern wurde ein Arbeitslager eingerichtet um kriegsbedingt ausständigen Ernte- und die sonstigen anfallenden landwirtschaftlichen und industriellen Arbeiten ausführen zu lassen. Meist wurden hierfür deutsche Häuser geräumt und mit arbeitsfähigen, ortsansässigen Donauschwaben, nach Geschlechtern getrennt belegt. Ein in der Regel slawischer Aufseher teilte die Zwangsarbeiter jeden Tag in Arbeitsgruppen ein und wies ihnen ihre Aufgaben zu.

Zentrale Zivillager: In der Regel hatte ein jeder politische Bezirk meist in der Bezirksstadt selbst, sein Zentrales Zivillager, welches sich in bereits erbauten Barackenlagern oder Fabrikhallen befand. Von diesen aus  beschickte man die lokalen Arbeitslager, aber auch Lazarette, Flugplätze der Roten Armee u.ä. mit angeforderten Arbeitskräften. Ab Frühjahr 1946 war es ortsansässigen, gut situierten Bürgern möglich sich Arbeitskräfte aus solchen Lagern für einen bestimmten Zeitraum gegen Entgelt zu kaufen.

Lager mit Sonderstatus:
In diesen Lagern wurden alle arbeitsunfähigen Banater Deutschen, also Kinder bis 14 Jahre, Menschen über 60 Jahre, Kranke, Kinder und Mütter mit Kleinkindern (Kinder unter zwei Jahren) konzentriert. Aus der Vorgehensweise der Lagerführungen, der Lagerwachen und der Lagerverwalter wird ersichtlich, dass die "Lager mit Sonderstatus" als Vernichtungslager konzipiert waren. Sie hießen denn auch bald unter den Lagerleuten nur "Todeslager", "Hungerlager" oder eben "Vernichtungslager". Insgesamt wurden 10 solcher Vernichtungslager in Tito-Jugoslawien errichtet.

Diese waren:

im Banat Rudolfsgnad und Molidorf,
in der Batschka Jarek, Gakowa und Kruschiwil,
in Syrmien die "Seidenfabrik" in Syrmisch Mitrowitz und
in Slawonien Kerndia und Walpowo (Kartenauschnitt Slawonien liegt nicht vor)

Rudolfsgnad gilt heute als das schrecklichste Lager, in dem die meisten Donauschwaben, es handelt sich um 11 000 Tote, ihr Leben ließen.


Über diese drei Lagertypen hinaus gab es eigene Kranken- und Kinderlager.

Unter Krankenlager versteht man eine Art Zivillager für alte, arbeitsunfähige Menschen, die ohne jegliche ärztliche Versorgung elend zu Grunde gingen. Insassen von Kinderlagern waren Vollwaisen, deren Angehörige, wie Eltern und Großeltern verschollen oder in den Lagern umgekommen waren. Überlebende solcher Kinderlager wurden später zum Großteil in Kinderheimen untergebracht und assimiliert.

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