Rudolfsgnad Schicksal eines Ortes, bevor er Lager wird

Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.725-729

Noch bevor der Ort zur Todesmühle für Tausende von Donauschwaben wurde, hatten die etwa 900 Rudolfsgnader, die von den 3 200 Einwohnern zurückgeblieben waren, in ihrem Ortslager die ganze Rachsucht der örtlichen Partisanen zu spüren bekommen. Denn sie waren schon unter dem ersten Partisanenkommandanten Rado Perz aus der Nachbargemeinde Perles zum Freiwild für alle Serben und Zigeuner geworden. Unmenschliche Mißhandlungen und Folterungen, Vergewaltigungen und Mord waren an der Tägesordnung. Unter diesem Kommandanten, der sich nach dem Abzug der Russen mit etwa 20 serbischen Partisanen im Gemeindehaus einquartiert hatte, wurden auch alle Frauen und Kinder ab 10 Jahren sowie auch die alten Leute als Zwangsarbeiter herangezogenund zur Einbringung der noch liegengebliebenen Ernte eingesetzt.

Zwei Wochen nach dem Einrücken der Partisanen in Rudolfsgnad wurden fast alle Männer zusammengetrieben und im Gemeindehaus verhört. Die Angehörigen der Polizei und der Waffen-SS wurden sofort eingesperrt, die ganze Nacht hindurch grausam gefoltert, sodann in die Kreisstadt Großbetschkerek gebracht, wo die Folterungen in den dortigen Lagern weitergingen.

In Rudolfsgnad versetzte besonders eine Nacht alle Daheimgebliebenen in große Angst und seelische Not. Verantwortlich für diese Schreckensnacht vom 16. Oktober 1944 war der aus dem serbischen Nachbarort Tschenta stammende Partisanen-Kommandant Lazo Milenkovic´der den Kommandanten Rado Perz ablöste und mit seinen ebenfalls aus Tschenta stammenden Partisanen ein Blutbad anrichtete.  Nachdem mehrere Männer im Gemeindehaus verhört worden waren, wurden diese zunächst auf grausamste Art und Weise gefoltert. Jakob Werth geb. 1905, Franz Heß, geb. 1926, und Franz Metz, geb. 1883, wurden dabei halbtot geschlagen, dann erschossen und anschließend an Akazienbäumen aufgehängt, wobei die Drahtschlingen den dreien, die bis zur Unkenntlichkeit gefoltert worden waren, nicht um den Hals gelegt, sondern quer über den Mund gezogen wurden. Den ebenfalls ohne jeden Grund erschossenen Michael Wacker, der von den serbischen Partisanen den Befehl erhalten hatte, mit seinem Pferdegespann beim Gemeindehaus vorzufahren, hängten die Partisanen neben die anderen drei an einen der Akazienbäume.

Johann Drumm, Jahrgang 1885, erhängte sich nach dem Schrecken dieser Nacht auf seinem Dachboden. Während Anton Karl, Jahrgang 1866, noch in der gleichen Nacht im Hause seiner Tochter - ebenfalls ohne jeden Grund - erschossen wurde, erlag Nikolaus Martin fast gleichzeitig den ihm bei den Folterungen durch die serbischen Partisanen zugefügten schweren Verletzungen.

Andere Männer, darunter der Großbauer Peter Tisje, der den Vater des Kommandanten Milenkovic´, einen Angestellten der Schiffstation in Rudolfsgnad und dessen Familie während des ganzen Krieges mit Lebensmitteln unterstützte, wurden im Gemeindearrest gequält und schrecklich gefoltert. Die Überlebenden wurden dann nach Großbetschkerek gebracht, wo die Folterungen in sadistischer Weise Weise fortgesetzt wurden und bei den meisten zum Tode führten.
 
Daß der Kommandant Milenkovic´, der alle Rudolfsgnader Männer erschießen wollte und bereits entsprechende Befehle an seine Partisanen erteilt hatte, sein grausames Vernichtungswerk nicht fortsetzen konnte, war auf das Einschreiten russischer Offiziere zurückzuführen, die aus Furcht, die Grausamkeiten könnten der Roten Armee angelastet werden, dem Kommandanten Milenkovic´ befahlen, das Morden einzustellen und die an den Bäumen Aufgehängten herbazunehmen.

Von den zurückgebliebenen Rudolfsgnadern wurden am 27. Dezember 1944 ca. 45 Mädchen und Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren und 12 Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren von den Partisanen ausgesucht und zur Zwangsarbeit nach Rußland deportiert.

Mit dem Foltern und Töten gingen die Plünderungen durch Serben und serbische Partisanen einher, die von Haus zu Haus zogen und nicht nur Radioapparate und technische Geräte, sondern alles mitnahmen, was ihnen gefiel. sodann wurden die Rudolfsgnader durch Trommelschlag aufgefordert, Fahrräder und andere Gerätschaften abzuliefern. Anschließend wurde das gesamte Vieh konfisziert und in bestimmten Stallungen konzentriert. Das bei den deutschen Bauern auf den Dachböden reichlich vorhandene Getreide musste abgefüllt, die ca. 50 kg schweren Säcke von den einzelnen Böden heruntergebracht und auf Bauernwagen verladen werden, die dann mit Menschenkraft zu denfür die Lagerung vorgesehenen Magazinen gezogen bzw. geschoben und dort wieder abgeladen werden mußten.

Zur BewäItigung dieser Schwerstarbeit wurden nur Frauen als Zwangsarbeiterinnen herangezogen. Nachdem auch die Kartoffelernte aus den einzelnen Häusern eingesammelt war und die Möbel, der gesamte Hausrat sowie landwirtschaftliche Geräte und Maschinen weggebracht worden waren, das Dorf also völlig ausgeräumt war, mußten die Rudolfsgnader am 14. April 1945 ihre Häuser verlassen, woraufhin die Frauen und Kinder im Schulgebäude und die Männer ab  14 Jahren im Kindergarten zusammengezogen wurden. Bis zum Herbst 1945 waren außer den zurückgebliebenen Dorfbewohnern noch, Deutsche aus den Nachbarorten Perles und Elemir sowie einzelne Landsleute aus anderen Banater Dörfern in Rudolfsgnad.

In diesem Herbst wurden die einheimischen Maurer von den serbischen Partisanen auch angewiesen, acht Wachtpostenhäuschen hochzumauern, während, während die Zimmerleute gleichzeitig den Auftrag bekamen, drei  Schlagbäume zu errichten und das nordwestliche Viertel einzuzäunen, in das dann alle "Freien" aus Rudolfsgnad umgesiedelt wurden.

"Als wir Rudolfsgnader am 13. April 1945 linterniert wurden", schreibt Lorenz Baron "waren unsere Landsleute aus Perles bereits in der Gastwirtschaft Frank, Haus Nr.40" untergebracht. Die Bewachung versah der Lagerkommandant Gajo, ein Zigeuner,  der auch die Namen Arandjelki und Bocarac führte". Gajo bewohnte im gleichen Haus eine Wohnung, die an der Hofeinfahrt lag. Früher lebte darin  die Witwe Susanne Frank. Verpflegt wurden die Perleser aus der ehemaligen Hochzeitsküche hinter dem Tanzsaal.

Für uns Rudolfsgnader wurden gußeiserne Waschkessel im Dorf eingesammelt und im Schulhof, im Holzschuppen des Lehrers Kindel, in zwei Reihen rechts und links eingemauert. Zum Essen brauchte man nur einen Löffel und einen Topf, etwas zu schneiden gab es nicht. Frauen und Kinder lebten im Schulhaus, die Männer waren im Kindergarten untergebrachrt. Unsere Verpflegung kam aus der Lagerküche im Holzschuppen. Durch den Pfarrgarten wurde eine Einfahrt in den Schulhof geschaffen, die von einem bewaffneten Partisanenposten bewacht war...

Zum Frühstück erhielten wir Maisschrotsuppe. Wenn der Schrot, der oft zusammen mit den Kolben gemahlen wurde, ausgegangen war, gab es nichts. Unvergessen bleibt mir die Gerstelsuppe, die es mittags zu essen gab. Aus der geschälten Gerste, die roh wie Reis aussah, kochten die Köchinnen eine sämige, rosa-lila-farbige Brühe. Mit Salz war sie noch zu genießen, ohne diese Würzeschmeckte sie wie schleimiger, süßlicher Kleister. Trotz Riesenhungers und fehlender Aussicht auf anderes Eßbares konnte man den Kleister nur mit Widerwillen schlucken.

Manchmal gab es zur Selbstversorgung pro Monat und Person ca. 80 Gramm Salz und 2,25 Kilogramm Maisschrot; ab und zu pro Tag und Person auch einige Eßlöffel Speiseöl. Auch Maisbrot wurde uns ab und zu in den Lagerküchen zugeteilt..."

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