Massengräber

Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.751-753

In der Zeit vom 10. Okober 1945 bis März 1948, also während der Bestandsdauer des Lagers, sind in Rudolfsgnad mehr als 11000 deutsche Menschen entweder an Unterernährung gestorben, den Seuchen zum Opfer gefallen oder durch Willkürmaßnahmen der Partisanen zu Tode gekommen.

Ein Begräbnis im üblichen Sinne gab es in Rudolfsgnad nicht. Die Leichen während der Fleckfieberepedemie kaum bekleidet, später in alte Decken eingenäht, wurden mit Bauernwagen, die durch die Straßen fuhren und die Toten einsammelten, zu den Massengräbern gebracht.

Die ersten Massengräber wurden im hinteren Teil des Friedhofes von Rudolfsgnad ausgehoben. Von den serbischen Partisanen hierzu gezwungen wurde der frühere langjährige Totengräber von Rudolfsgnad, dem mehrere Lagerinsassen als Beerdiungshelfer zugeteilt wurden. Nach der Mitteilung dieses Totengräbers haben in den Massengräbern auf dem Friedhof von Rudolfsgnad bis 13. Februar 1946 3334 im Lager Verstorbene ihre letzte Ruhestätte gefunden. Da in diesem Friedhof im Frühjahr 1946, infolge des Hochwassers der Theiß, das Grundwasser immer höher stieg, konnten hier keine Toten mehr beerdigt werden.

So wurde seitens der Partisanenführung die Teletschka, eine etwa 2 km südlich des Ortes gelegene Anhöhe, für die Anlage von weiteren Massengräbern ausersehen. In den Massengräbern auf der Teletschka sind vom 14. Februar 1946 bis März 1948 mehr als 7000 Deutsche beerdigt worden.

Die Massengräber auf der Teletschka waren sehr tief ausgehoben, die Leichen wurden in die Grabstätte hinabgelassen und dann immer drei übereinander in Schräglage aufgeschichtet, mit Erde bedeckt, dann die nächsten und so fort. Da die Leichentransporte und die Beerdigung in den Massengröäbern von Leidensgenossen ausgeführt wurde, erfuhr der Verstorbene wenigstens auf seinem letzten Weg noch ein bißchen Menschlichkeit...

Nachdem das Lager Rudolfsgnad aufgelöst war, wurde auf Anordnung der Direktion des Staatsgutes der noch ausgehobene Teil des letzten Massengrabes wieder aufgefüllt. Die Beerdigungen fanden wieder im Friedhof statt. Es wuchs Gras darüber aber sie blieben.

Vereinzelt kamen Angehörige aus dem Pantschowaer Ried, auch aus der Baranya und anderen Gegenden, um die Gräber zu besuchen. In seinem Bericht "Der Weg zur Teletschka" schreibt Franz Fillips-Renatz, der als Leichenkutscher eingesetzt war und bis zur Auflösung des Lagers in Rudolfsgand bleib:

"Im Herbst 1949 kamen wir mit unserer Traktorbrigade unmittelbar bei den Massengräbern zum Pflügeinsatz. Unsere Servicestation mit Wohn- und Werkstattwagen war kaum 100 Meter von den Gräbern entfernt. Unser Brigadier war Hevezy Mihály, ein Ungar aus Perles. Dann kam eines Tages die Anweisung von Direktor Nikola Zivanovic, die Gräber auf der Teletschka müßten umgepflügt werden. Das war für uns alle wie ein Schlag ins Gesicht. Unser Brigadier forderte uns zuerst auf, die Anordnung des Direktors nachzukommen. Wir lehnten ab. Es kam zu einer Beratung zwischen uns Deutschen, und wir beschlossen, dies Anordnung nicht zu befolgen. Den serbischen und ungarischen Kollegen wurde klargemacht, daß der, der die Gräber überfährt, den nächsten Tag nicht überleben würde.

Nachdem die Serben und Ungarn sehr abergläubische Menschen sind, war eigentlich von ihnen nichts zu befürchten. Trotz mehrmaliger Aufforderung und Androhung von Strafmaßnahmen wurden die Gräber nicht angetastet. Nachdem dann unser Brigadier auch noch Einsicht zeigte, sollte die Teletschka in Rudolfsgnad Jahrzehnte ein sichtbares Zeichen leidvoller donauschwäbischer Vergangenheit bleiben. Für den erfolgreichen Widerstand deutscher Burschen, der zur Erhaltung der Gräber auf der Teletschka führte, war vor allen anderen unserem Kameraden Franz Schneider aus Rudolfsgnad zu danken. Seine Überzeugungskraft und sein unerschrockener Einsatz hatte uns alle mitgerissen.

Nach mehreren vergeblichen Versuchen ist es dem katholischen Pfarrer Nikolaus Thurn aus Hetim am 2. Mai 1950 gelungen, die Massengräber zu weihen und inoffiziell zum Friedhof zu erklären. "

Bereits am 14. August 1995 erfolgte die Umpflügung und die Entweihung der Massengräber!

Mehr zur Pflege der in der Zwischenzeit errichteten Gedenkstätten erfahren Sie unter Aktuelles ["Verein Gedenkstätte Rudolfsgnad e.V."]

Mehr über die Donauschwäbische Kulturstiftung und deren Veröffentlichungen können Sie auf deren Seite im Internet unter [http://www.kulturstiftung.donauschwaben.net/] und dort unter dem Menüpunkt "Publikationen" lesen.

 

Das Einsegnen der Massengräber

Dieses Transkript stammt aus dem Tonarchiv des Johannes-Künzig-Instituts in Freiburg im Breisgau und wurde von einem ehemaligen Totengräber aus Rudolfsgnad erzählt:

Im Lager sind sehr viele gestorben, da war kein Priester dabei. Die Toten sind alle ohne Priester auf den Friedhof gebracht worden. Die Angehörigen haben die Gräber gemacht. Die Rudolfsgnader sind zum großteil in Einzelgräber gekommen, nur die von Außwärts sind zuerst noch in Einzelne, dann in zwei, drei und dann in große Massengräber gekommen.
Wie  wir endlich vom Lager befreit waren, es war schon fast ein Jahr später habe ich mit dem Titeler Pfaffer gesprochen, um die Gräber einzusegnen und die viele welche starben. Ich hab alles zusammengeschrieben, wer und wieviele Gräber einzusegnen sind. Und an einem Sonntag Nachmittag holten wir den Pfarrer von Titel der dann an diesem Sonntag den ganzen Nachmittag, mindest 3-4 Stunden die Gräber einsegnete. Ich hab mit einigen Sängern und Sängerinnen (Batschker Frauen) Totenlieder einstudiert

Als erstes Grab wurde das Grab der Frau von unserem alten Schullehrer Schuldirektor Franzi Batschi (Kirchner-Direktor) eingesegnet. Er starb leider im Altersheim in Kathrina und wurde ohne Pomp und ohne Pflanz dort begraben. Seine Frau konnte ihm noch einen Mantel überwerfen, sonst wäre er dort nur so begraben worden. Unser Franzi-Batschi hat das verdient, dass wir wengistens seiner Frau diese Ehre erweisen, wenn wir ihm schon diese Ehre nicht erweisen konnten.


Anschließende sangen sie das Toten-Lied:

Wenn ich zum Herzen Jesu geh
und klag und ihm jedes Leid und Weh
dann wirds gleich leichter mir ums Herz
denn es versüßt der Leiden Schmerz
Wenn alles schon verloren scheint
weil ihm eine Auge traurig weint.
Dann wirds mit mir bald besser gehn
denn Trost kommt nur aus Himmels Höhn

Wenn oft mich Sorgen niederdrückt
und mich kein treuer Freund beglückt
wenn fast das Herz vor Leiden bricht
und mir erscheint kein Hoffnungslicht
Auch Menschleben schwindet blad
im Unglück bleibet sie so kalt.
Ja doch in meiner bitteren ???? (Horn)
schlägt mir´s Herz Jesu innig warm

Wenn einst mein Leid zur Ruhe geht
und dann kein Freund am Grabe steht
wenn ganz vergessen von der Welt
ein Schaufel Erde auf mich fällt
Dann ruft doch Jesu als mir zu
Nun ruhe sanft in Grabesruh
aus dem aus Auwald mit Freundeshand
mich führt zum ewgien Vaterland.

Er wurden weitere Lieder gesungen:

Meine Lebensjahre sind geschlossen ./. der schwere Kampf des Todes ist vollbracht...
Trauernd steht ihr hier besammen Freunde ./. und bedauert mich...
Oh Tod, was hab`ich verschuldet ./. ich armes, kleines Kind.

Entwurf eines Gedenkkreuzes für das Massengrab auf der Teletschka

Autor des Entwurfs im Auftrage des Gedenkstättenreferats der Landsmannschaft der Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien ist der Architekt Dipl. Ing. Helmut Frisch aus Wien, gebürtiger Donauschwabe aus dem jugoslawischen Banat.

Der Entwurf (siehe Abbildung rechts) für ein 7 m hohes Gedenkkreuz aus Beton, welches über dem Massengrab auf der Anhöhe Teletschka* errichtet werden sollte, blieb bis heute in der Schublade. *In diesem Massengrab auf der Gemarkung des 1945-1948 zum größten Todeslager für arbeitsunfähige Jugoslawiendeutsche umfunktionierten vormals rein donauschwäbischen Dorfes Rudolfsgnad (Knicanin) liegen 9000 von insgesamt 12000 an Hunger, Kälte und Seuchen gestorbenen Kindern, Greisen und Kranken.

Das jetzige Gedenkkreuz auf der Teletschka (siehe Abbildung oben) gehört laut Meinung des  Architekten Herrn Frisch an den Rand des alten Rudolfgnader Friedhofs, wo die ersten 3000 Rudolfsgnader Opfer der Tito-Schergen im halbvergessenen Massengrab der ersten Stunde liegen.

Leider blieb es bis heute bei dem Entwurf des 7 m hohen Beton-Kreuzes, da ehemalige Rudolfsgnader Einwohner es verhinderten, dass dieses Kreuz an dem Massengrab auf der Teletschka aufgestellt wurde!

 

 

 

Wo ist das Grab...?

von Jakob Wolf

Es braucht nicht Muttertag zu sein:
ich wüßte es auch von allein,
Daß ich zum Grab der Mutter ginge,
Ihr einen Kranz ans Holzkreuz hinge, -
Doch Frag ich erst: Wo ist das Grab,
In das man sie zur Ruhe gab?
 
Kein Mensch, der mir zur Rate geht,
Kein Mensch, der Red und Antwort steht,
Kein Mensch will etwas davon wissen,
Wie ihr das wunde Herz zerrissen.
Und weiter ich die Frage hab:
Wo ist das Grab, wo ist das Grab?

Ob sie auf Wiedersehen geharrt?
Ob sie im Massengrab verscharrt?
Vielleicht hat man sie gar vergessen,
Daß sie von Raben aufgefressen?-
Ob sie als Tote Ruhe fand
In diesem seelenlosen Land?-

 Wo immer sie auch liegen mag:
Ich hör sie rufen Tag für Tag,
Ich kann mich für mein ganzes Leben
Wohl nimmermehr zufrieden geben,
Es welkt der Strauß in meiner Hand,
Weil ich der Mutter Grab nicht fand.

 

Gedenkstätte

Im Jahr 2000 gelingt es den Sekretär der Ortsverwaltung von Knicanin, Sruboljub Stoikovic für die Idee einer Gedächtnisstätte zu gewinnen. Er beantragt und erhält die Baugenehmigung  zur Restaurierung der Friedhofskapelle. Im Juli 2001 wird der Vertag zum Wiederaufbau der Kapelle abgeschlossen. Die Fertigstellung erfolgt im Oktober 2001 und die Einweihung erfolgt unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Erwin Teufel

2001 erfolgt die offizielle Zuteilung von einem Hektar Land für die Gedenkstätte Teletschka (als Friedhof eingetragen, zur Nutznießung erhalten). In der Zwischenzeit ist auch ein Gedenkkreuz auf der Teletschka entstanden. An das Gedenkkreuz angrenzend wurden Stelen aufgestellt, auf denen Ortsgemeinschaften ihre Todeszahlen eingravieren lassen können.