Kälte

Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.734


Der Einsatz der Kälte als eines Mittels zur Schwächung und baldigen Aus- merzung der Logoraschen ist in Rudolfsgnad ebenso zu beobachten wie in allen anderen Vernichtungslagern.

Den Lagerinsassen von Rudolfsgnad wurde ausdrücklich verboten, für sich selbst Holz zu sammeln, um sich Feuer zum Kochen oder Heizen machen zu können. Weil sie kaum etwas zum Heizen hatten, setzte die Kälte des Winters den völlig entkräfteten Lagerinsassen besonders stark zu. Als eines Morgens die aus Tschestereg stammenden lgnaz Täusch und dessen Neffe Nikolaus Tausch einen Maulbeerbaum absägten, um etwas Brennholz zu gewinnen, wurden sie von serbbischen Partisanen überrascht und auf der Stelle niedergeschossen. Auch Peter Uhl aus Werschetz mußte dieses Schicksal erleiden. Als er am Theißdamm angeschwemmtes Brennholz suchen wollte, um für seine vier kleinen Enkelkinder, für die sonst niemand sorgte, einmal den gefaßten Maisschrot kochen zu können, wurde er von Wachposten erwischt. Er mußte sich niederknien und wurde von serbischen Partisanen mit zwei
Schüssen getötet.

"Heizmaterial wurde nicht bereitgestellt", berichtet Lorenz Baron. Für die Lagerbäckereien sammelten etwa fünftausend Kinder und Frauen, von Partisanen bewacht, Äste und Reisig in den Weidenwäldern entlang der Theiß und Donau. In den Unterkünften wurden Zäune, Türen, Maisspeicher, Obstbäume, Dachstühle und sonstiges Brennbares verheizt.

Als im Winter 1945/46 der erste Schnee fiel, brachen einige Hausdächer ein, weil deren Dachstühle durch die Holzentnahme geschwächt waren. Die Menschen aus diesen Häusern wurden dann auf andere überfüllte Wohnräume verteilt. Doch der Tod schuf Platz. Es gab keine Waschgelegenheit,kein warmes Wasser. Landsleute, die aus anderen Orten nach Rudolfsgnad gebracht worden waren,  hatten keinerlei Geschirr oder irgendwelche Gefäße."

 

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