Gebt einem armen Menschen den ersten Teller voll zu essen

Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.749-750


Frau Katharina Path aus Ploschitz schrieb drei Tage vor ihrem Tod folgenden erschütternden Abschiedsbrief aus dem Vernichtungslager Rudolfsgnad, der vom 30. April 1946 datiert ist.

"Liebes Kind Sefi,
vor allem bist Du sehr gegrüßt und geküßt, liebes Kind. Ich tu Dir zu wissen, daß ich schon zwei Briefe erhalten habe, aber ich kann niemand fragen, wie ich Dir ein Zeichen könnt geben, liebes Kind. Ich habe Deine Kinder nicht! Ich habe sie in gutem Zustand gehalten, liebes Kind. Als wir von Mramorak fort sind, hatten der Paul und die Maria Röteln. Ich habe sie gut verborgen auf sie acht gegeben, denn sie waren krank. Aber in Mramorak waren die Kinder fidel. Die Wawi, die Brit, sie haben sie alle angesteckt. Pauli ist am 13. Januar nachts um 2.00 Uhr gestorben, der Pauli liegt neben dem Novak, Blasi-Vetter und neben Janosch Großvater. Die Wawi ist am 2. März nachmittags um 3.00 Uhr gestorben, auch der Andres, unser armer kleiner Andres ist gestorben.Mit ihm ist auch Plonschi Basl gestorben. Der Ged und die Godl sind auch gestorben. Ebenso starben Stephan Vetter und die Agatha Basl.

Liebes Kind, ich tu Dir zu wissen, daß ich auch schwer krank bin. Wenn ihr meine Karte bekommen habt und Ihr noch einmal zusammenkommt, wenn Ihr in die Heimat kommt, Ihr Geschwister, so wollte ich Euch bitten, gebt einem armen Menschen den ersten Teller voll zu essen, liebes Kind, weil ich hungrig von dieser Welt gehen muß, liebes Kind.

Ich bitte Euch, den Josch, den Toni, den Martin und Christoph, sie sollen doch ihre arme Schwester Kathi nicht vergessen, sie sollen so gut sein und sich ihrer annehmen, liebes Kind.

Ich hätte gerne noch leben wollen, daß ich noch einmal meine Lieben hätte sehen können, wenn ich dann auch gleich hätte sterben müssen. Das ist mein einziges Verlangen.

Sagt allen Freunden und Bekannten, ich lasse grüßen. Und wenn Ihr Speck und Brot eßt, so denkt an mich, an Eure arme Mutter. Er ist fort, mein Appetit. Lebt alle wohl und vertragt Euch, alle Geschwister. Das ist mein letzter Wunsch."

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