Einlieferung, Unterkunft, Organisation

Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S. 730-731

Nach dem von der Partisanenführung teuflisch ausgeheckten Plan konnten nunmehr Tausend von deutschen Zivilpersonen, vorwiegend alte Leute, Frauen mit Kindern und alleinstehende Kinder, deren Mütter zur Zwangsarbeits nach Rußland deportiert waren, in den leerstehenden Häusern von Rudolfsgnad zusammengepfercht und die Ausrottungsmaschinerie in Gang gesetzt werden.

Deutsche Menschen, deren Schicksal in der Regel von Anfang an besiegelt war, wurden aus fast allen deutschen Ortschaften des Banats, u. a. aus Karlsdorf, Ernsthausen, St. Georgen a.d. Bega, Elemir, Apfeldorf, Modosch, Kathreinfeld, Klek, Kubin, Franzfeld , Lazarfeld, Zichydorf, Sigmundfeld, Mramorak, Nakodorf, Pantschowa, Ploschitz, Sartscha, Setschanfeld, Sanddorf, Tschestereg und Stefansfeld nach Rudolfsgnad geleitet, wobei als zahlenmäßig stärkste Gruppe die Gemeinden Mramorak, Banater Brestowatz, Apfeldorf, Nakodorf und Ernsthausen mit jeweils über 1000 personen vertreten waren.

Die aus den einzelnen deutschen Gemeinden des Banats nachbrachten Menschen, die auf ihrem weg dorthin von ihrer Heimatgemeinde ohne Verkehrsanbindung bis zur nächsten Bahnstation oft weite Strecken zu Fuß getrieben wurden, sind im Lagerbereich von Rudolfsgnad nach ihre€n Herkunfstorten in bestimmten Vierteln oder Häuserzeilen konzentriert worden. So entstanden im Gesamtbereich von Rudolfsgnad Lager für die einzelnen Herkunftsorte. An die Spitze dieser Lager wurde jeweils ein Partisan als Kommandant gestellt, wodurch eine fast vollsrändige Kontrolle der Lagerinsassen erreicht wurde.

Die Menschen, die nur notdürftig gekleidet in Rudolfgnad ankamen, wurden in die leerstehenden Häuser eingewiesen und in der Regel zu 20 bis30 Personen in einem zimmer untergebracht, wo sie auf wenig Stroh und ohne Decken auf dem Fußboden liegen mußten. Das Lagerstroh wurde während der ganzen Lagerzeit bis zur Auflösung des Lagers im März 1948 weder gewechselt noch ergänzt, ausgenommen waren die Krankenhäuser, das Kinderheim, Erholungsheim und Kinderspital. Die Wohnungen haben ein noch schlechteres Bild geboten als die im Heimatlager.

Die Gegend wurde von jedem Verkehr abgesperrt, der Ort blockiert. Niemand durfte schreiben, es wurde keine Post zugestellt und auch keine befördert.

Die Organisation funktionierte die erste Zeit sehr schlecht. Bis manche Personen untergebracht waren und zur Verpflegung kamen, vergingen oft Tage. Während der kältesten Wintermonate hat man den Lagerinsassen fast gar nichts zum Essen gegeben.

Neben dem Partisanen als Unterkommandanten hatten die Teillager auch ihre "Komesare" oder "Komesarinne". Das Heimatbuch Weißkirchen berichtet über deren Funktion: "Jedes Lager wurde von der sogenannten Kommandierin
vertreten, einer ebenfalls internierten "Lagerfrau", die fähig war, nicht nur die Leute zusammenzuhalten, sondern auch einige schriftliche Arbeiten beim Arbeitseinsatz und bei der Verteilung der Essensrationen sowie bei Todesfällen
zu erledigen; im Lager weißkirchen war das z. B. eine Kubinerin, im Weißkirchner Teil des Lagers Karlsdorf, wo anfangs ca.250 Weißkirchner Deutsche registriert waren, hatte man Anni Hack vh. Prech (aus der Kirchengasse) verpflichtet. Ihre
Aufgabe war es u.ä., für die Lagerleitung aufzuschreiben, wer und wieviele aus
ihrem Lager täglich gestorben waren, wobei ihr bei Todesstrafe verboten wurde, eigene Aufzeichnungen zu machen. Sie hat es dennoch getan und war nach dem Krieg imstande, in mehreren Fällen eidesstaatliche Erklärungen über Todesart und Datum abzugeben. Die Kommandierin hatte auch dafür zu sorgen, daß alle Arbeitsfähigen erfaßt wurden und in der Frühe auf dem Dorfplatz in Rudolfsgnad zum Einsatz erschienen. Die Internierten waren dort auf Abruf aufgestellt und wurden von bewaffneten Sonderkommandos der Wachposten abgeholt. "

"Das Lager war von bewaffneter ,"Volkspolizer" (Miliz) bewacht, und zwar
bestand sie aus einem Kommandanten, zwei Feldwebeln und 77 Volkspolizisten. Die ZahI der Polizisten wechselte, mal war sie höher, mal niedriger. Ohne besondere Erlaubnis und eigenem Erlaubnisschein war das Verlassen des Lagers strengstens verboten, wie auch das Betreten des Lagers.
Später, im Mai 1946, wurde der Empfang von Paketen erlaubt, aber ohne daß
der Überbringer mit den Lagerinsassen in Berührung kam.
Freie Bewegung gab es innerhalb des Lagers am Tage. Bei der Nacht sorgte die
Volkspolizei dafür, daß ein jeder Lagerinsasse in der Wohnung blieb. "

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