Errichtung des Vernichtungslagers

Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.724-729

Die verkehrtechnische günstige Lage und die leichte Überwachungsmöglichkeit der im Theiß-Donaueck gelegenen Gemeinde Rudolfsgnad war für die Partisanenführung sicherlich maßgebend dafür, diesen Ort für die Einrichtung eines zweiten "Lagers mit Sonderstatus" - so bekanntlich die offizielle Sprachregelung des neuen Regimes - auszuwählen.

Der später auf Knicanin umbenannte, nahe der Mündung der Theiß in die Donau gelegene Ort sollte zum  größten Vernichtungslager für die Deutschen Jugoslawiens werden.

Am 14. April 1945 mussten die Rudolfsgnader Ihre Häuser verlassen, woraufhin die Frauen und Kinder im Schulgebäude, die Jungen ab 14 Jahren und die Männer im Kindergarten zusammengezogen wurden. 

Im Herbst wurden die einheimischen Maurer von den serbischen Partisanen angewiesen, acht Wachtposten-Häuschen hochzumauern, während die Zimmerleute gleichzeitg den Auftrag bekamen, drei Schlagbäume zu errichten und das nordwestliche Viertel einzuzäunen, in das dann alle "Freien" aus Rudolfsgnad umgesiedelt wurden. Die Wachmannschaft kommandierte nunmehr Gajo ein Zigeuerner, der auch die Namen Arandjelki und Bocarac führte.

Während das ebenfalls als Vernichtungslager ausersehene deutschbewohnte Molidorf im September 1945 errichtet wurde, widerfuhr dies Rudolfsgnad einen Monat später. Der Ort war demnach von 10. Oktober 1945 bis Mitte März 1948 Vernichtungslager für Alte, Kranke, Kinder und Frauen mit Kleinkindern.

Wie die Todeslager der Batschka, nämlich Jarek, Gakowa und Kruschiwl, so lag auch Rudolfsgnad am Rande des deutschen Siedlungsgebietes und war durch Flüsse isoliert, was offenbar dem Zweck diente, die Vorgänge im Lager so wenig wie möglich in die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Es fällt auf, daß die Banater Vernichtungslager im Vergleich zu denen der Batschka um mehr als ein halbes Jahr später errichtet rurden. So bestand Jarek schon seit dem 2. Dezember 1944 und Gakowa und Kruschiwl seit dem 12. März 1945.

Was die Gesundheitsverhältnisse, Krankheitsfälle, Krankheitsarten, Krankenbehandlung und Sterbestatistik betrifft, so ist infolge der genauen Aufzeichnungen des Arztes K.F. das Lager Rudolfsgnad am besten dokumentiert. Es hatte durchschnittlich 17 200 Insassen; den zwischenzeitlich höchsten Belegstand aller Lager, wobei Ende November 1945 mit über 20500 Personen die Spitze und Ende Oktober 1946 mit 16500 Personen der nied-rigste Stand erreicht worden sein dürfte. Es verzeichnete mit rund 11000 Toten die höchste Todesquote aller Lager.