Altersheime, Spitäler und der Versuch einer Seelsorge

Auszug aus  Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hg.) Band III.- München/Sindelfingen 1995. S.

Auch der röm. kath. Pfarrer Johann Nuspl aus Stanischitsch in der Batschka hat die Willkürmaßnahmen der serbischen Partisanen in mehreren Zwangsarbeits- und Vernichtungslagern ertragen müssen. Er berichtet, dass er etwa dreizehn Monate nach seiner Verhaftung und Einlieferung in das sog. Zentrallager in Neusatz in das Vernichtungslager Rudolfsgnad überführt und dort von den übrigen Lagerinsassen getrennt untergebracht wurde. Zwei Monate später wurde die Gruppe der Priester auf mehrere Lager verteilt. Er selbst kam mit einem Priesterkollegen und einem reformierten Pastor in das Lager Groß-Kikinda. Dieses Lager wurde jedoch am 31. Dezember 1946 aufgelöst, worauf die Insassen zu Fuß in das 30 km entfernt liegende Vernichtungslager Molidorf getrieben wurden. Mehrere Priester, die in Molidorf zusammen waren, sind aber, zu deren großer Enttäuschung,wiederum in das Vernichtungslager
Rudolfsgnad verbracht worden.

Nuspl verweist auf die sog. "Altersheime" in den großen Massenlagern, die er sowohl in Molidorf als auch in Rudolfsgnad kennenlernte. Diese Altersheime waren in der Regel in recht bescheidenen Wohnhäusern mit zwei bis drei Zimmern untergebracht. Hierher kamen jene Insassen, deren Gesundheitszustand infolge von Hunger und Entbehrungen hoffnungslos geworden war. Es waren richtige Sterbehäuser. Sowohl in Molidorf als auch in Rudolfsgnad konnte er diese Altersheime regelmäßig wöchentlich zweimal besuchen und den Sterbenden je nach Umständen priesterlichen Beistand leisten. Dazu bemerkt er "daß die Priester ebenso zur körperlichen Arbeit herangezogen wurden wie die anderen Lagerinsassen.

Die Kranken und Sterbenden lagen auf einer auf den Boden gestreuten dünnen Strohschicht, so wie es im ganzen Lager der Fall war, dicht gedrängt, mit lose gesetzten Ziegeln voneinander getrennt. Zwischen den Kranken standen und lagen verschmutzte Schalen, armseliges Geschirr mit widerlichen Speiseresten, Töpfe, die als Spucknäpfe dienten, ungereinigte Nachttöpfe, vertrocknete Krumen von ungenießbarem Maisbrot, verschmutzte Fetzen u. ä. durcheinander. Inmitten all dieses Elends die Sterbenden in verschmutzter Wäsche, in ungereinigten Kleidern, im eigenen Kot. Geruch und Ausdünstungen waren fast unerträglich. Hier vollzog sich die letzte Tragödie unseres Volkes. So elend und geschlagen habe er, Nuspl, unser Volk nie gesehen, obgleich auch nie so groß und heldenmütig. Trotz all des Elends habe er selten gebrochene Menschen gesehen, obwohl es kein Recht gab, auf welches sie sich hätten stützen können, kein Gesetz, das sie geschützt hätte, und nur wenige Menschen, die ihnen halfen. Oft noch den Gram im Herzen um die Kinder oder Eltern, so wären sie im Elend gelegen, wochenlang, bis der Tod ihre Augen schloß. Und doch wären diese Menschen gefaßt und gottergeben gestorben. Er denke in Ehrfurcht an diese Altersheime. Neben den "Altersheimen" gab es im Lager Rudolfsgnad auch einige "Spitäler", in denen die Zustände weniger trostlos waren. Es gab sogar Betten für die Kranken, die Verpflegung aber reichte nicht aus, um die Kranken vor dem Hungertod zu retten.

Manche Lagerleute wurden von Andersnationalen als Knechte oder Mägde aus dem Lager herausgeholt. Dafür mußten diese einen Betrag an die Lagerwaltung zahlen und überstanden solcherart die ärgsten Zeiten. Erschütternd war es oft zu sehen, wie auch die Kinder schon ganz und gar vom Kampf gegen den Hunger, vom Kampf um das Leben beherrscht waren. Man kann die Frage stellen, was eigentlich das Partisanenregime veranlaßte, mit offenkundig unschuldigen harmlosen Menschen in solcher Weise zu verfahren. Dafür fände er hauptsächlich drei Gründe: Man wollte erstens blutige Rache nehmen an denen, derer man habhaft werden konnte. Durch die Vertreibung (Eliminierung) der Donauschwaben wollte man zweitens Raum gewinnen, um die eigenen Leute zufriedenzustellen. Und schließlich gab man diesen Gebieten durch die Heranbringung slawischer Kolonisten, meistens Serben, eine eindeutige slawische Mehrheit.

Weil die Siegermächte die Aussiedlung der Jugoslawiendeutschen nicht gestatteten, hatte das jugoslawische Partisanenregime dieses Problem nach eigener Methode gelöst.

Dem Bericht des Geistlichen über das schreckliche Grauen im Vernichtungslager Rudolfsgnad ist nichts hinzuzufügen, denn er macht deutlich, in welcher sadistischen Weise und bar jeder menschlichen Regung unsere Menschen in diesem Lager einer planmäßigen Ausrottung überantwortet wurden.

Von schweren Schicksalsschlägen wurden auch viele andere Geistliche im Vernichtungslager Rudolfsgnad heimgesucht. So wurde der deutsche Franziskaner namens Pater Titus auf der Zwangsarbeit von serbischen Partisanen derart grausam gefoltert und blutig geschlagen, daß er an einem langen Siechtum zu leiden hatte.

Schlimmer noch erging es dem ev. Senior und Pfarrer Wilhelm Kundt aus Pantschowa. Obwohl ihm bei schweren Mißhandlungen durch die serbischen Partisanen schon das Nasenbein eingeschlagen und drei Rippen gebrochen worden waren, wagte er trotzdem, heimlich mit deutschen Lagerinsassen zu beten, was im Lager strengstens verboten war. Er wurde einer erneuten schweren körperlichen Tortur durch die Partisanen unterzogen und starb bald darauf im Gefängnis, in das man ihn geworfen hatte.

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