Zur Lage von Rudolfsgnad (heute Knicanin )


Koordinaten: 45° 11' N, 20° 19' O.


Rudolfsgnads geographische Lage hat einige Besonderheiten aufzuweisen, die sich hinsichtlich der Verkehrsverbindungen im Laufe der 100 Jahre recht positiv ausgewirkt haben.


Das 2,5 km lange Dorf, dessen Längsgassen genau von Norden nach Süden verlaufen und dessen Quergassen im rechten Winkel dazustehen, schmiegt sich mit seiner "Einschichtgasse" unmittelbar an den Damm, das heißt an den Lauf der Theiß an. Es beginnt am östlichen Theißufer, dort wo Titel auf dem westlichen Ufer aufhört. An dieser Stelle führt auch seit 1927 eine moderne Eisenbahn- und Straßenbrücke über den Fluss. Diese günstige Lage Rudolfsgnads zu Titel, der alten, kleinen Bezirksstadt auf der Batschkaer Seite, hat sowohl auf die kulturelle Entwicklung der neuen Siedlung befruchtend und belebend gewirkt  als auch das wirtschaftliche Gedeihen Rudolfsgnads gefördert. Der tägliche Wochenmarkt in Titel war mit wenigen Unterbrechungen Jahrzehnte hindurch der nächste leicht erreichbare Absatzmarkt für das Rudolfsgnader Obst, Gemüse, Geflügel, für die Eier und die Milcherzeugnisse. Die schwäbische Hausfrau konnte hier das ganze Jahr hindurch ihre Überschüsse absetzen und ihr "Kleingeld" für den eigenen Haushalt besorgen. Außerdem boten die größeren Geschäfte Titels ein reicheres und günstigeres Warenangebot für den Einkauf.

Was der Titeler Wochenmarkt für Rudolfsgnad in wirtschaftlicher Hinsicht bedeutete, das war die alte ungarische Bürgerschule auf kulturellem Gebiet. In einem guten halbstündigen Marsch war diese Schule für die Rudolfsgnader Kinder zu erreichen. Dadurch, dass sie zu Hause wohnten und zu Hause verköstigt werden konnten, war der Mittelschulbesuch auch für Kinder aus ärmeren Häusern möglich, die sonst nicht in der Lage gewesen wären, den Pensionspreis in städtischen Internaten zu bezahlen.

Es hat jemand den Ausspruch getan: Ohne die Titeler Bürgerschule wäre die Hälfte der aus Rudolfsgnad  stammenden Lehrer nicht Lehrer geworden.
Die Lage von Rudolfsgand an dem großen Fluss der Theiß, gegenüber von Titel, das seit alten Zeiten eine wichtige Schiffsanlegestelle war - (sozusagen ein Kontenpunkt im Schiffsverkehr aus der Theiß in die Donau, in die Bega und die Theiß selbst aufwärts nach Neusatz, Betschkerek und Szegedin) - brachte es mit sich, dass die Wiener "DDSG" (Erste Donau-Dampf-Schifffahrts-Gesellschaft), die in Titel eine Haupt-Agentie besaß, auch in Rudolfsgnad eine Schiffsstation einrichtete - mit großem Agentie-Gebäude und Magazin, mit Wartezimmern II. und III. Klasse.

Hier legten täglich die großen Passagier-Schiffe nach Szegedin und nach Neusatz an; nach 1918 waren es auch die Schiffe nach Betschkerek und nach Slankamen-Semlin-Belgrad.

Über Neusatz und Belgrad hatte Rudolfsgnad in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen auch Anschluss an die Wiener Expresse-Schiffe, mit denen man billig nach Budapest und Wien, - oder auch Donau abwärts zum Eisernen Tor, oder bis Giurgiu in Rumänien und Rustschuk in Bulgarien fahren konnte.

Im Eisenbahn und Straßenverkehr wurde Rudolfsgnad weniger gut bedient. Die alte Eisenbahnstrecke Neusatz-Titel wurde erst Mitte der 20er Jahre über Rudolfsgnad und Perleß in östlicher Richtung weitergebaut und brachte dadurch bei Orlovat den Anschluss  an die Strecke Pantschowa-Betschkerek.

Die Rudolfsgnader Bahnstation wurde am 15.11.1925 eröffnet, der erste Zug fuhr am 23. Dezember des gleichen Jahres nach Betschkerek. Die Belastungsprobe auf der neuen Eisenbahnbrücke über die Theiß wurde am 08.06.1927 vorgenommen und damit der Eisenbahnverkehr von Rudolfsgnad nach Neusatz aufgenommen.

Der Anschluss Rudolfsgnads an das schwach ausgebaute Straßennetz des Banats, wo es bis zum Zweiten Weltkrieg keine einzige staubfreie, bzw. asphaltierte Straße gab, war ausgesprochen schlecht. Die Komitatsstraße Pantschowa  - Betschkerek war nur über den Umweg auf dem "Kaiserlichen Damm" entlang des gewundenen Laufes der Bega in Perleß zu erreichen. Der kürzere und gerade Weg nach Perleß hatte keine Steinpflasterung; er wurde bei halbwegs trockenem Wetter dem Umweg vorgezogen.

Im Ort selbst hatte Rudolfsgnad zwei ausgebaute Pflasterstraßen. Die eine, die 1905 gebaut wurde, führte von der Schiffsstation am Gemeindehaus und an der Schule vorbei zur Mühle am Weg nach Perleß und zum Friedhof. Die zweite Pflasterstraße wurde im Frühjahr 1937 gebaut; sie kam von der Theißbrücke im Norden in die Kirchengasse und zog sich der Länge nach durch das Dorf bis zu dessen südlichem Ende. Auf beiden Seiten der Gassen führten entlang der Häuserzeilen gepflasterte Gehsteige, die gegen das Dorfende zu immer schmäler und schlechter wurden und stellenweise ganz aufhörten. Wer als Fremder in der Nacht an eine solche Stelle geriet, musste auf allerhand Abenteuer, zumindest aber auf eine lustige Rutschpartie gefasst sein, wenn es eben geregnet hatte. Und der Rudolfsgnader schwarze Lehmboden benötigte nach einem stärkeren Regen drei Tage, bis seine glitschige Oberfläche wieder fest wurde.

Die Verkehrsanbindung zu Titel war im Laufe der 100 Jahre nicht immer gleich gut; ja sie war während des Zweiten Weltkrieges, als Titel vom April 1941 bis Oktober 1944 zu Ungarn gehörte, zeitweilig fast vollkommen unterbrochen. Nicht nur, dass die Brücke im Wasser lag, - die Sperre durch die Staatsgrenze zum "autonomen Banat" war ein noch größeres Hindernis.

In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bestand etwa 1 km nördlich von Rudolfsgnad - gegenüber von der Titeler katholischen Kirche - eine Phantombrücke; doch sie wurde stundenweise am Tag unterbrochen, indem ein Mittelstück herausgefahren wurde, um den Schiffen eine Durchfahrt frei zu geben.

Mitten im Ersten Weltkrieg wurde 100 m stromaufwärts von der Ponton-Brücke eine große Holzbrücke auf hohen Piloten gebaut, die dem Verkehr ohne Unterbrechung Tag und Nacht zu Verfügung stand. Auch die großen Schiffe konnten bei hohem Wasserstand unten durchfahren. Diese imposante Holzbrücke hat bis 1927 gute Dienste geleistet. Sie konnte jedoch nur gegen Entrichtung einer Gebühr überschritten werden, was bei Kindern oft bittere Tränen verursachte, wenn sie wegen der Kosten nicht mit den Erwachsenen in die Stadt gehen durften.

Inzwischen war auf deutsche Reparationskosten eine moderne Doppelbrücke - für den Eisenbahn - und Straßenverkehr - unmittelbar am nördlichen Dorfende von Rudolfsgnad errichtet worden. Die Verkehrsübergabe fand am 04. April 1927 statt.

Diese schöne Doppelbrücke wurde am 12. April 1941 - während des Balkan-Feldzuges der Deutschen Wehrmacht - von zurückweichenden jugoslawischen Truppen gesprengt.

In den ersten Wochen und Monaten der neuen ungarischen Herrschaft über die Batschka (im Frühjahr 1941, als die Madjaren noch mit einer Besetzung des jugoslawischen Banats rechneten und dort auch verschiedentlich zum Empfang der ungarischen Truppen Gulasch gekocht wurde), funktionierte ein einfacher Fährverkehr mit einer Plätte;  die  Ungarn schränkten diesen Verkehr jedoch später stark ein. Zum Wiederaufbau der Brücke benötigten sie drei Jahre. Aber kaum, dass die schöne Brücke wieder zu ihrem Zweck dienstbar gemacht war, wurde sie,  jetzt wieder von zurückgehenden deutschen Truppen, am 13.Oktober 1944 wiederum gesprengt.

Wer die Brücke bis dahin in westlicher Richtung überschritten hatte, war vor der Roten Armee und den blutgierigen serbischen Partisanen und ihren Konzentrationslagern in Sicherheit.