Zur Geschichte der Schule

Gleich nach der Gründung der Gemeinde am 2. April 1866 wurde mit dem Bau eines Schulhauses begonnen. Es bestand zuerst aus nur zwei Lehrzimmern und einer kleinen Lehrerwohnung. In einer Ecke des Gebäudes wurde ein Altar errichtet, so dass das Schulhaus auch gleichzeitig Bethaus war.

Der Unterricht wurde bereits im November 1866 aufgenommen. Die ersten Lehrer waren: Oberlehrer Josef Kirchner und Johann Schummer. Beide waren mit den Ansiedlern aus Etschka nach Rudolfsgnad gekommen. Oberlehrer Kirchner war zusammen mit seinem Bruder Heinrich Kirchner und mit Pfarrer Löschhardt Initiator und Gründer der Gemeinde. 

In der Zeit der Zugehörigkeit zur Militärgrenze stand die "Gemeinde-Elementarschule" Rudolfsgnads unter der Aufsicht des Regiments-Schulinspektors. Dieser musste die Schule jedes Jahr mindestens einmal inspizieren. Seinen Bericht verfaßte er in Form eines Regimentsbefehls, worin auch über die Qualifikation der Lehrer berichtet wurde. Etwaige Mängel wurden dem Stabskommandanten und den Lehrern mitgeteilt.

Mit einem Manifest Kaiser Franz Josefs I. vom 9. Juni 1872 waren das 12. Deutsch-Banater Grenzregiment und das Titeler Tschikisten-Bataillon aufgelöst und das Grenzwache-System außer Kraft gesetzt worden.

Durch ein Gesetz vom Jahre 1873 erfolgte dann die "Provinzialisierung" des Banter Militärgrenzgebietes, d.h. die restlose Eingliederung in die Zuständigkeit der ungarischen Komitatsverwaltung. Nur die Gemeindeschulen des Grenzgebietes blieben vorläufig noch unangetastet und führten einen rein deutschen Unterricht durch.

Erst im Jahre 1877 hat der ungarische Staat mit einem "Status über Rechtsverhältnisse der Schule und Lehrer auf dem ehemaligen Grenzgebiet" die volle Schulhoheit übernommen. Danach wurde die "Gemeinde-Elementarschule" in Rudolfsgnad von einer Schulkommission verwaltet, die Lehrer jedoch schon wurden vom ungarichen Unterrichtsministerium ernannt. Damit begann auch die Einführung des ungarischen Sprachunterrichts.

Eine Ministerialverordnung aus Budapest vom 29. November 1897 verfügte schließlich die Umwandlung der Rudolfsgnader Gemeindeschule in eine ungarische Staatschule, was mit Wirkung vom 1. Januar 1898 durchgeführt wurde. Dies hatte zur Folge, dass Ungarisch nun zum Haupt-Unterrichtsgegenstand geworden war, während Deutsch immer mehr an den Rand gedrängt wurde, - bis dann durch das Apponyi´sche Schulgesetz vom Jahre 1907 an der "ungarischen Schule" in Rudolfsgnad Deutsch nur mehr ab der dritten Klase als Fremdsprache unterrichtet wurde.

So unglaublich es klingen mag, dass in einem rein deutschen Dorf von der ersten Volksschulklasse an ungarisch unterrichtet wurde, so ist es doch Jahre hindurch alltäglich Wirklichkeit gewesen. Zwar unterrichteten zu meiner Zeit in der ersten und zweiten Klasse (1915 - 1917) deutschstämmig Lehrer, welche die deutsche Sprache gut beherrschten und auch reichlich davon Gebrauch machten, - jedoch zu dem Zweck, uns die ungarische Sprache beizubringen. Die Lesebücher waren ungarisch.

Welche Angst die ungarischen Behörden vor dem Deutsch-Unterricht - als "Fremdsprache" ab der dritten Klasse - als Störungsfaktor für ihre Madjarisierungspläne hatten, geht daraus hervor, dass diesen Deutsch-unterricht in der dritten Klasse der Rudolfsgnader Volksschule bis Ende des Ersten Weltkrieges Frau Horvat Margit "erteilte" - die einzige Lehrkraft an dieser Schule, die nicht deutsch konnte.

Das wir in diesem, - in den Augen des Staates und der Behörden - löblichen Bestreben schöne Fortschritte machten und tatsächlich schon in den ersten Jahren ganze Sätze aus dem Alltagsleben in ungarischer Sprache bilden konnten und uns mit den Lehrern darüber unterhalten konnten, war der intensiven Vorarbeit des ungarischen Kindergartens , der "Ovoda" zu verdanken.

Inzwischen war nämlich in Rudolfsgnad auf Staatskosten eine schöne Ovoda erbaut worden, wor wir schwäbischen Kinder (40 und 50 in einem Raum) mit drei Jahren begannen, ungarisch zu beten, singen und sprechen zu lernen.

Hier wurde in den kindlichen Gemütern eine Flamme entfacht, die nach und nach stärker wurde, bis sie lichterloh brannte und nur ein Ziel kannte: Ungarn, unser Vaterland. Es gab kein idealeres Streuen, als die ungarische Nation zu lieben, ihr zu dienen, zu ihrem Ruhme beizutragen und darin aufzugehen!

Im Jahre 1891 gab es in Rudolfsgnad rund 500 schulpflichtige Kinder, weshalb wiederum eine neue Klasse eingerichtet und das Schulgebäude erweitert werden muste. Die Schule hatte von diesem Zeitpunkt an fünf Klassen, die am 1. Januar 1898 verstaatlicht wurden.

Als im Jahre 1901 in die erste Klasse 124 Kinder zur Einschreibung kamen, musste diese Klasse geteilt und vom ungarischen Unterrichtsministerium eine sechste Lehrkraft angestellt werden. Eine der Klassen mussten in einem Miethaus untergebracht werden, da im Schulgebäude selbst kein Platz mehr war. Zu einem Neubau hatte man sich immer noch nicht entschließen können, obwohl solche Pläne schon 1875 bestanden und von der Bevölkerung lebhaft begrüßt worden waren. 

Erst 1907, als infolge der Überschwemmung das alte Schulgebäude endgültig baufällig geworden war, ließ sich der ungarische Staat herbei, ein großes modernes Schulhaus zu errichten, in dem acht große Klassenräume, eine Kanzlei und zwei Lehrerwohnungen untergebracht  waren. Für den Schuldiener wurde im Hof ein eigenes kleines Wohnhaus errichtet. Zu den Kosten für das neue Schulhaus steuerte der ungarische Staat 0 000 Kronen bei, die Gemeinde 25 000.

Der unglücklich-glückliche Ausgang des Ersten Weltkrieges Ende 1918 bereitete dem Spuk der Madjarisierung ein plötzliches Ende. Am Anfang des Jahres 1919 ist Ungarisch noch als Fremdsprache unterrichtet worden, ab September 1919 jedoch vollkommen ausgefallen.

Jetzt hatten wir in Rudolfsgnad wiederum eine rein deutsche Schule. Der schöne Zustand dauerte aber nicht lange an, den sobald die "Friedensverträge" der Pariser Vororte alle unter Dach und Fach waren und die neuen Machthaber in Belgrad sich im Sattel saßen, - verlangten sie auch schon, dass man sich um die Erlernung der Sprache der nunmehrigen Herrennation bemühte. Somit wurde an der deutschen Volksschule in Rudolfsgnad Serbisch als Fremdsprache eingeführt.

Diese "Fremdsprache" entpuppte sichnch kurzer Zeit als Staatssprche und forderte für sich (und die serbische Nationalgeschichte) den ersten Platz im Unterricht.

Die Pläne mancher Belgrader Unterrichtsminister, aus der Rudolfsgnader Volksschule eine serbische "jugoslawische" oder auch nur eine "jugo-schwäbische" Schule zu machen und ihr eine Rolle zuzuschanzen, die sie bis 1918 mit umgekehrtem Vorzeichen für Budapest gespielt hatte, sind am Widerstand der starken Rudolfsgnader Erneuerungsbewegung innerhalb des Schwäbischen-Deutschen Kulturbundes gescheitert. Mit der Besetzung durch die Deutsche Wehrmacht im April 1941 kam das gesamte Schulwesen im "autonomen Banat" in die Zuständigkeit der Schulstiftung der Deutschen Volksgruppe. Im Zuge eines großzügigen Ausbaues des deutschen Schulwesens bekam Rudolfsgnad unter Direktor-Lehrer Franz Krifka 1943 auch eine Hauptschule, d.h. eine 4-klassige Oberstufe zu den vier unteren Jahrgängen der Volksschule.

Leider war dieser Hauptschule in Rudolfsgnad - wie auch den anderen deutschen Mittel- und Oberschulen im Banat - keine lange Lebensdauer beschieden. Die hereinbrechende Katastophe im Herbst 1944 hat alles, - auch die deutschen Schulen des Banats - mit in den Untergang gerissen.

Der Ausburch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 brachte auch im Leben der Rudolfsgnader Bevölkerung große Veränderung mit sich, - viel mehr aber noch der unglückliche Ausgang desselben im Jahr 1918.

Die großen Ereignisse rührten schicksalshaft auch an den Bestand des Banater Deutschtums und Rudolfsgnad bildete keine Ausnahme. Die wehrfähigen Männer zogen als k.u.k. Soldaten oder als Angehörige der ungarischen Honved-Truppen ins Feld, kämpften an der russichschen Front oder in Italien, während die Frauen mit den halbwüchsigen Buben und mit russichen Kriegsgefangenen die Felder bestellten.

Es war für alle eine lang und schwere Zeit,- die Zeit der Trennung,-  und 94 Rudolfsgnader Soldaten kehrten nicht mehr aus dem Krieg zurück. Sie waren für ein Vaterland gefallen, das am Ende des Krieges nicht mehr bestand.

Wie betäubt stand man vor den Trümmern, die von der Jahrhunderte alten Habsburger-Monarchie übrig geblieben waren, und vor schier unmöglichen neuen Verhältnissen: Die engere Heimat, das Banat, dreigeteilt und Rudolfsgnad seinen bisherigen kulturellen Zentren abgeschnitten, von Temeschburg, das nun zu Rumänien gehörte, und von Szegedin, das bei Rumpf-Ungarn verblieb. Beide lagen nun im fernen Ausland und waren von Rudolfsgnad aus praktisch nicht mehr zu erreichen. Einen Ersatz für Temeschburg und Szegedin hat es für die Rudolfsgnader im "neuen Vaterland", - im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, im späteren Jugoslawien - nicht mehr gegeben.

Der Verlust des kulturellen Zentrums drückte sich im Laufe der Jahre besonders in der geringen Zahl von "Mittelschülern" aus, die in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen aus Rudolfsgnad hervorgingen, - im Gegensatz zu der zahlreichen Intelligenz aus der Zeit von vor 1914.

Etwa 1922 tat sich ein kleiner Lichtblick auf, als an der serbischen Bürgerschule in Titel eine erste Parallelklasse mit deutscher Unterrichtssprache eröffnet wurde. Weit über die Hälfte der Kinder dieser Klasse kam täglich über die Brücke aus Rudolfsgnad. Es war gewiß, dass ein großer Teil der Schüler später in ein Gymnasium oder in eine Lehrerbildungsanstalt übergetreten wäre, um den Rudolfsgnader "klassischen Beruf" des Lehrers zu ergreifen, - oder Akademiker zu werden.

Der Andrang zur Titeler Bürgerschule hielt auch im darauffolgenden Jahr noch an,nachdem jetzt schon zwei Jahrgänge mit deutscher Unterrichtssprache den Betrieb aufgenommen hatten. Leider war die Freude nur von kurzer Dauer. Das Belgrader Unterrichtsministerium verfügte mitten im Schuljahr die Schließung der deutshen Parallelklassen und stellte den Schülern den Übertritt in die entsprechenden serbischen Klassen anheim.  Dies war jedoch nur für ganz wenige Schüler aussichtsreicht, da die meisten Rudolfsgnader Kinder in der "Ovoda" und in den ersten beiden Volksschulklassen in der ungarischen Sprache gedrillt worden waren und die dritte und vierte Volksschulklasse rein deutsch waren. Serbisch wurde erst in den deutschen Parallelklassen der Bürgerschule als Fremdsprache unterrichtet.

So kehrten die meisten deutschen Kinder in die väterliche Bauernwirtschaft heim und wurden Landwirte.

Wie viele begrabene Hoffnungen! Nicht nur für die gescheiterten Schüler, sondern genauso für die Eltern war es ein hartes Los. Der Feldbesitz reichte nicht, um mehrere Kinder zu selbstädnigen Bauern zu machen, die handwerklichen Berufeboten in dieser Zeit auch nicht viele Ausweichmöglichkeiten und schließlich wurde das letzte Ventil, die Auswanderung, nach Amerika, etwa 1924 auch noch verstopft. Es besteht kein Zweifel, dass sich die Schließung der deutschen Schulen 1923 zusammen mit den sonstigen Unsicherheitsfaktoren im neuen Königreich auf den Lebenswillen der Bevölerung lähmend auswirkte. Es war mit ein Grund für die Geburteneinschränkung, die nun auch in Rudolfsgnad stärker um sich griff.

Welche Bedeutung die Möglichkeit des Besuches von höheren Schulen für ein Dorf haben kann, geht darauf hervor, dass in der Zwischenkriegszeit bedeutend weniger Rudolfsgnader einen nicht bäuerlichen oder handwerklichen Beruf ergriffen, als in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg. Das soll nun kurz ausgeführt werden.

Die Ansiedlerahnen waren fast durchwegs Bauern und Handwerker gewesen. Letztere betrieben in der Regel nebenbei auch eine kleine Landwirtschaft, zumindest aber waren sie Winzer mit eigenem Weingarten.

Es ist nun erstaunlich, wie viele von den Söhnen der Ansiedler in Intelligenz-Berufe aufgestiegen sind - und wie wenige Enkel das gleiche Ziel erreichten.

So wie die Filipowaer Pfarrer geworden sind, so wurden die Rudolfsgnader vor dem Ersten Weltkrieg Lehrer. Die vor 1900 geborene Generation der Rudolfsgnader stellte allein 28 Volksschul- und 2 Oberschullehrer, während die nach 1900 Geborenen nur mehr 5 Volksschul- und 2 Oberschullehrer stellten - bis 1945.

Noch krasser war dieses Verhältnis bei den aktiven Offizieren, nämlich 8:0! Interessant ist dabei noch besonders, dass die Hälfte davon - und gerade die Bauernsohne - recht hohe Ränge erreichten.

Christian Tessling fiel als jung Leutnant im Ersten Weltkrieg, Michael Blees schied nach dem verlorenen Krieg aus dem Beruf aus, Fregatten-Leutnant Alexander Kirchner fiel 1923 in Budapest im Duell. Hauptmann Josef Frisch trat früh in den Ruhestand und wurde in Budapest Ministerialbeamter, Oberstleutnant Franz Frank von der Budapester Militärakademie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA verschlagen, Oberst Lorenz Werth nach Argentinien, Oberst Balthasar Kirchner kam nach Deutschland und ist hier verstorben, während Generaloberst Heinrich Werth, der lange Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg auch im Krieg selbst Chef des Königlich Ungarischen Generalstabes gewesen ist, wurde nach dem verlornen Krieg nach Rußland verschleppt, wo es 1950 in einem Moskauer Gefängnis starb.

Daß nach 1918 kein einziger Rudolfsgnader Sohn aktiver Offizier wurde, lag nicht so sehr daran, dass die Talente versiegt gewesen wären, als daran, dass weder der jugoslawische Staat etwas dazu tag, den schwäbischen Jungen den Weg zu diesem Beruf zu ebenen, noch die Söhne der Donauschwaben sich von diesem Balkan-Staat besonders angezogen fühlten und deshalb auch keine besondere Neigung verspürten, sich in der Verteidigung dieses Staates hervorzutun. So ist keiner aktiver Offizier geworden.

Von den 796 Rudolfsgnader Vätern und Söhnen, die während des Zweiten Weltkrieges deutsche Soldaten geworden sind, hatten nur 8 den Offiziersrang erreicht. Meist war es deshalb, weil sie schon im jugoslawischen Heer Reserve-Offiziere gewesen waren. Sechs Mann wurden SS-Obersturmführer, einer Wehrmachts-Oberarzt und einer SS-Hauptsturmführer. Das ist ein sehr bescheidenes Ergebnis im Vergleich zum ersten Weltkrieg.

Insgesamt 148 der 796 Rudolfsgnader deutschen Soldaten des Zweiten Weltkrieges sind gefallen, darunter SS-Obersturmführer Johann Varga. 39 Mann sind vermißt und 16 sind - meist in Gefangenschaft - gestorben.