Zur Bevölkerungsentwicklung

Zur Bevölkerungsentwicklung

Zur Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung von Rudolfsgnad stehen glücklicherweise eine ganze Reihe von Zahlen zur Verfügung.
Die erste Tabelle bringt die uns zur Verfügung stehenden Daten über die Entwicklung der Einwohnerzahl Rudolfsgnads:

Jahr 1866 1881 1891 1901 1911 1921 1931 1941
Seelen 1902 2205 2971 3329 3419 2967 3069 2891
Zunahme 303 766 358 90 -- 102 --
Abnahme - - - - 452 - 178

Tabelle 2  bringt die Summe der Geburten und Todesfälle, des Geburtenüberschusses und der geschlossenen Ehen von je 10 Jahren im Zeitraum von 1881 bis 1940:    

Zeit 1881 1891 1901 1911 1921 1931
bis bis bis bis bis bis
1890 1900 1910 1920 1930 1940
Geburten 1557 1554 1281 932 965 565
Todesfälle 939 889 732 549 562 377
Geb.-Üb. 618 665 549 383 403 188
Ehen 275 259 334 325 335 259

Anhand der Tabelle I ist zu ersehen, dass Rudolfsgnad in den ersten 15 Jahren seines Bestehens gewachsen ist. Dies geschah trotz der großen wirtschaftlichen Unsicherheit und trotz der langen Zeit ungeklärten rechtlichen Verhältnisse. Leider ist für diese Zeit der Geburtenüberschuss nicht bekannt, so dass man sich kein Bild davon machen kann, wie groß die Geburtenfreudigkeit in den Gründungsjahren war. So ist auch nicht zu ersehen, ob und gegebenenfalls wie viele Rudolfsgnader in diesem Zeitraum durch Heirat oder aus sonstigen Gründen abgewandert sind.


Es sei einmal angenommen, der Geburtenüberschuss war in den ersten 15 Jahren ebenso groß wie in den Jahren von 1881 bis 1900. Im Zeitraum von 1881 bis 1890 war pro Jahr und je 1000 Einwohner ein Überschuss von etwa 24 Seelen zu verzeichnen, dass heißt es sind jedes Jahr durchschnittlich 24 Menschen mehr zur Welt gekommen, als gestorben sind. Umgerechnet wären damit in den Jahren 1866 bis 1881 etwa 740 mehr Geburten als Todesfälle zu  verzeichnen. Tatsächlich ist Rudolfsgnad in dieser Zeit aber nur um 303 Einwohner gewachsen. Entweder war also der natürliche Zuwachs wesentlich geringer als im Jahrzehnt danach, oder es sind in den 15 Jahren schätzungsweise etwa 440 Menschen aus Rudolfsgnad abgewandert, sei es, dass sie weggeheiratet haben, höhere Schulen besuchten und später nicht mehr in ihr Heimatdorf zurückkehrten, oder als Handwerker oder Bauern anderswo ihren Lebensunterhalt suchten.


Umgekehrt sind die Verhältnisse im Jahrzehnt von 1881 bis 1890. In dieser Zeit ist das Dorf um 766 Seelen gewachsen, der Geburtenüberschuss macht aber nur 618 Seelen aus. Daraus ist ersichtlich, dass es in diesem Zeitraum eine beachtliche Zuwanderung gegeben hat. In solcher Hinsicht ist dieses Jahrzehnt in der Geschichte Rudolfsgnad eine Ausnahme. Die Frage nach der Ursache dieser Erscheinung kann nur durch die Annahme beantwortet werden, dass die Anziehungskraft und die wirtschaftliche Leistungs- und Aufnahmefähigkeit Rudolfsgnads nun, da der Anfang geschafft war, ein besonders hohes Maß erreicht hatten.


Es scheint aber so, dass Rudolfsgnad bald gewissermaßen mit Menschen gesättigt war. Im Jahrzehnt von 1891 bis 1900 verlangsamt sich das Wachstum der Gemeinde, sie nimmt nur um 358 Einwohner zu, während der Geburtenüberschuss 665 Seelen ausmacht.


Mit 3419 Einwohnern hat Rudolfsgnad – soweit es für uns feststellbar ist – im Jahre 1911 seinen Höchststand erreicht. Im Zeitraum von 1901 bis 1910 war der Geburtenüberschuss bereits rückläufig und noch viel geringer war das Wachstum in diesem Zeitraum, so ergibt sich, dass etwas 460 Menschen in den 10 Jahren aus Rudolfsgnad abgewandert sind. Wohin die Rudolfsgnader in jener Zeit gezogen sind, das lässt sich jetzt kaum mehr nachprüfen, Jedenfalls sind manche als Lehrer und Beamte, vielleicht aber noch mehr durch das Militär nach Budapest und in andere Teile Ungarns abgewandert. Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist Heinrich Werth, der Generaloberst und Chef des kgl. Ung. Generalstabes in Budapest wurde. In der späteren Zeit gab es in Belgrad eine ganze Rudolfsgnader Kolonie.


Einige Bedeutung hatte auch die Auswanderung nach Übersee. D´Bleese-Dicker schrieb 1936, dass etwas 200 Rudolfsgnader in Amerika lebten. Mit Amerika sind nicht nur die Vereinigten Staaten gemeint, sondern auch Kanada, Mexiko und Südamerika.
Im ersten Weltkrieg sind 94 Rudolfgnader gefallen. Der Krieg hat aber auch in anderer Weise Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung des Dorfes genommen. In den Kriegsjahren waren sowohl die Eheschließungen als auch die Zahl der Geburten gering. Im Jahre 1915 wurden nur 2 Ehen geschlossen und es kamen 67 Kinder zur Welt. Im Jahr darauf waren 3 Eheschließungen und 42 Geburten zu verzeichnen.


Das Ende des Krieges brachte die Heimkehr der jungen Männer. Die Folge war, dass es 1919 in Rudolfsgnad insgesamt 112 Hochzeiten und 127 Geburten gab. Bemerkenswert ist nun, dass die Heiratsquote schon im Jahr darauf wieder auf 37 herabsank, während die Höhe Geburtenzahl sich bis Mitte der 20er Jahre fortsetzte.
So zeigt die allgemeine Entwicklung der Bevölkerungszahl im Jahrzehnt von 1921 bis 1930 eine Zunahme von 102 Seelen auf. Der Geburtenüberschuss macht in derselben Zeit 403 Seelen aus. Daraus ergibt sich, dass in den 20er Jahren insgesamt 201 Rudolfsgnader ihre Gemeinde verlassen haben müssen.
Die 30er Jahre bringen im Vergleich zum vorhergehenden Jahrzehnt eine Umkehrung der Bevölkerungsentwicklung. Die Einwohnerzahl geht um 178 Seelen zurück, der Geburtenüberschuss sinkt von 403 auf 188, dass heißt, er wurde mehr als halbiert.


Das allmählich weit verbreitete „Einkindersystem“ hat, wenn auch mit Verspätung im Vergleich mit den übrigen deutschen Gemeinden, Rudolfsgnad zunächst Stillstand, dann sogar einen Rückgang seiner Bevölkerung gebracht. Dieser Rückgang wäre noch erheblich spürbarer gewesen, wenn nicht, wie die Statistik zeigt, auch die Zahl der Todesfälle immer mehr abgenommen hätte. Während im Jahrzehnt von 1881 bis 1890 noch 939 Rudolfsgnader starben, waren es in den Jahren 1931 bis 1940 nur noch 377.


So ist also die im Geburtenrückrang angezeigte tatsächliche Verminderung der Bevölkerung für einige Jahrzehnte durch eine Wesentlich Steigerung der Lebenserwartung ausgeglichen worden. Wäre die Entwicklung ununterbrochen weitergegangen und hätte sich die Kinderfreudigkeit auf dem niedrigen Stand der 30er Jahre gehalten, so müssten wir heute sicherlich einen erheblichen Rückgang der Einwohnerzahl Rudolfsgnads feststellen, auch ohne Vernichtungslager und Vertreibung.


Es mag sein, dass der Zeitpunkt der Vertreibung etwa mit dem Zeitpunkt zusammenfällt, da der Ausgleich von Geburtenrückgang und Rückgang der Todesfälle ein natürliches Ende genommen hätte. Damit wäre ein ruckartiges Absinken der Bevölkerungszahl eingetreten,  - sofern nicht eine geistig-seelische Umstellung breiter Bevölkerungsschichten eine Bejahung des Kindes und damit wiederum ein Ansteigen der Geburtenfreudigkeit zur Folge gehabt hätte.


Der Lenker der Schlachten hat anders entschieden. Unsere jungen Kameraden liegen auf den Schlachtfeldern Russlands, des Balkan, Italiens, Nordafrikas…
Nach einer Aufstellung von Franz Schneider vom April 1966 hatte Rudolfsgnad folgende Kriegsopfer: Soldaten – Gefallene, Vermisste, in Gefangenschaft verstorbene 226; Zivilisten – Erschlagene, Verhungerte und an den Folgen von Misshandlungen Gestorbene 252. Insgesamt waren es als 478 Personen, die als Opfer des Krieges ums Leben gekommen sind.