Vorgeschichte

Kaiser Karl VI. - der Vater von Maria Theresia - schloss 1718 mit den Türken den Frieden von Passarowitz, nachdem die kaiserlichen Truppen unter Prinz Eugen die türkischen Eroberer geschlagen und über die Donau zurückgeschlagen hatten.

Nach der 166jährigen Türkenherrschaft war das Banat infolge der lang anhaltenden Kriege entvölkert und verwüstet. Viele Orte waren ganz verschwunden, andere lagen in Schutt und Trümmern, umgeben von Sümpfen und Morästen.

Da aber das Land besiedelt und kultiviert werden sollte, erging an die deutschen Handwerker und Bauern im Reich die Aufforderung, als Kolonisten nach "Hungarn" zu kommen.

Tausende folgten dem Ruf, zogen die Donau abwärts, um der Enge und der Not zu Hause zu entgehen und freie Bauern auf eigenem Grund zu werden:

Schwaben, Lothringer, Hessen und Pfälzer, Badenser und Österreicher.

"Die ersten hatten den Tod,
Die Zweiten die Not, - und
Erst die Dritten das Brot!"-

So erging es den ersten Kolonisten im Banat. Das Sumpffieber, Einfälle türkischer Horden, Pest und Cholera forderten ungeheure Menschenopfer. Ganze Geschlechter erloschen, Familien und Sippen sind untergegangen. Es war eine harte Auslese. Die Überlebenden aber waren gesund und ein kinderreiches Volk.

So stammen die zahlreichen Nachkommen nur von einem Teil der ursprünglich Eingewanderten ab, - eben von den überlebenden Familien. Die Nachkommen der Eingewanderten beteiligten sich kräftig bei der Neugründung von Dörfern und fast die Hälfte der schwäbischen Siedlungen im Banat ist nicht durch aus dem Reich gekommene Kolonisten aufgebaut worden, sondern entstand durch Ableger, - so genannte Tochtersiedlungen von zweiten und dritten Söhnen bereits im Banat ansässiger deutscher Bauern.

In wissenschaftlichen Kreisen Berlins galt vor dem Kriege das Banater Deutschtum als Beispiel für die gesunde Lebenskraft des deutschen Bauerntums.

Als die Kolonisation des Banats im Jahre 1804 offiziell eingestellt wurde, lebten dort etwa 70 000 Deutsche. Bis zum Jahre 1900 waren es fast 500 000 geworden. Sie hatten sich in knapp hundert Jahren versiebenfacht.

Nicht immer wurden die deutschen Kolonisten auf staatlichem Grund - als Urbarialisten - angesiedelt. Viele große Güter gelangten in den Besitz von Privatherrschaften, die auf einem Teil ihrer Felder ebenfalls Kolonisten ansiedelten jedoch auf der Grundlage von Pachtverträgen, meist auf 30 Jahre. Dies waren die Kontraktualgemeinden. Das Leben und das Vorwärtskommen in diesen Gemeinden war viele Jahrzehnte hindurch nicht schwieriger als in jenen auf Staatsgrund. Sie erfreuten sich des gleichen Wohlstandes und fast gleicher Rechte.

Erst mit der Aufhebung des Urbanismus durch den ungarischen Landtag im Jahre 1848 änderte sich die Lage zu ungunsten der Vertragsgemeinden. Während die Urbarialisten durch das neue Gesetz Herr und Eigentümer ihres Grund und Bodens wurden, - (im Zuge der allgemeinen Bauernbefreiung und Aufhebung der Leibeigenschaft), wurde die Lage der privatherrschaftlichen Kontraktualisten immer misslicher.

Die Grundherren befürchteten, dass ein ähnliches Gesetz eines Tages auch ihre Pächter zu Eigentümern der - schon zum Teil von Generationen bearbeiteten - Felder machen könnte.

Nach Ablauf der meist 30jährigen Verträge nahmen sie jetzt Verschiebungen durch Neuvermessung der Felder vor, gewährten nur kurzfristige neue Verträge mit geringeren Flächen und zu ungünstigen Bedingungen.

Der Unfriede und die Auseinandersetzungen mit den Grundherrschaften dauerten Jahrzehnte.
Einige Kontraktualgemeinden strengten Gerichtsprozesse gegen ihre bisherigen privaten Grundherren an. Allen voran die Gemeinde Deutsch-Etschka.

Die biederen Kolonisten waren aber ihrem mächtigen Gegner, der bei den Gerichten und in den Komitatsämtern einflussreiche "Freunde" hatte und auch nicht vor Urkundenfälschung zurückschreckte, nicht gewachsen.

In dem über vier Jahrzehnte währenden Streit hat die gerechte Sache der deutschen Bauern eine Niederlage erlitten. Wohl gewannen sie zwischendurch einmal einen Prozess. Am Ende aber verloren sie alles, nicht nur den Prozess, sondern auch noch ihre gesamten Liegenschaften, die Häuser und Weingärten, - die sie den wegziehenden Slowaken 1801 und 1802 gegen Barzahlung abgekauft hatten, - und mussten noch die "ungerechte Schuld" in bar bezahlen.  Bei der ungerechten Schuld handelte es sich um eine rückwirkende Pachtzinsforderung auf Grundstücke, die von der Herrschaft durch Betrug und Erpressung den Bauern weggenommen worden waren.

Das Endergebnis war die Abstiftung, d.h. die materielle Enteignung und Vertreibung von Haus und Hof, - beinahe wie am Ende des Zweiten Weltkrieges,- nur ohne die blutigen Begleitumstände, wie sie unser Volk 1944/45 erdulden musste.
Verblieben war den Kolonisten damals das Leben, ihre gesunde Arbeitskraft, die landwirtschaftlichen Geräte und ihr abgemagertes Vieh. Es galt nun, irgendwo neu und von vorne anzufangen.

Von ihrem Feldbesitz war die Gemeinde Deutsch-Etschka de facto schon 1856 abgestiftet. Die meisten Einwohne fristeten seit dieser Zeit ihr Leben als Halbscheidbauern und mussten noch froh sein, wenn ihnen diese Möglichkeit bei der bisherigen Grundherrschaft geboten wurde. Ihre Hoffnung richtete sich jedoch auf eine Auswanderung aus Etschka.

Von Jagdausflügen in die Theißniederungen war vielen Männern bekannt, dass das Überschwemmungsland der Theiß bis zur Mündung zur Mündung in die Donau aus gutem Weideland bestand, das nach einer Eindämmung zu wertvollem Ackerland gemacht werden konnte.

Auf dieses "Perlaßer Riedland" gegenüber von Titel an der Theiß und gegenüber von Slankamen an der Donau richteten sie nun die Blicke der ungerecht Verfolgten.

Das in Aussicht genommene Siedlungsland gehörte damals dem Staat, bzw. dem Kaiser und wurde vom Kriegsministerium in Wie verwaltet. Als Teil der damaligen Österreich-Ungarischen Militärgrenze wurde es vom Kampagnie-Kommando in Perleß meist an serbische Großviehzüchter zu einem niedrigen Pachtzins als Viehweide überlassen.

Die angrenzenden serbischen Gemeinden: Perleß und Tschenta, dann Farkasdin, Orlovat, Idvor, Baranda, Sefkerin und Opovo hatten von der 1859 ergangenen Aufforderung, die von ihnen genutzten Riedfelder gegen eine Ablöse von nur 20 Gulden je Joch in Eigentum zu übernehmen., - im Gegensatz zur deutschen Gemeinde Jabuka, - keinen Gebrauch gemacht. Das Deutsch-Banater Grenzregiment allein verfügte damals über 111 345 Kastraljoch (österr.-ungar. Feldmaß = 5755m²)  Riedfelder.
Um Überlassung eines kleinen Teils dieser großen Fläche - in der Ecke von Bega, Theiß und Donau - suchten nun die verzweifelten Einwohner in Etschka an.
Nach mehreren Vorsprachen beim Kaiser in Wien, wobei die einfachen Bauern aus dem Banat bei der Überwindung von Schwierigkeiten vor der Audienzgewährung beim Kaiser eine erstaunliche Zähigkeit bewiesen, wurde dem Ansuchen nach einer erstmaligen Ablehnung schließlich doch die Bewilligung zur Ansiedlung auf dem Überschwemmungsland erteilt.
Das erste Majestätsgesuch, das von 200 Deutsch-Etschkaern unterzeichnet war, trug das Datum vom 28. Januar 1864. Die Ablehnung erfolgte am 10. Dezember des gleichen Jahres.
Das zweite Gesuch an den Kaiser, das auch noch von 85 Siedlern aus Sigmundsfeld und von 50 Bewerbern aus weiteren 17 Gemeinden des Banats unterschrieben war, trug das Datum vom 01. April 1865. Vom selben Datum waren auch verschiedene Befürwortungs-schreiben, die an alle Minister in Wien gerichtet wurden.  Die endgültige Genehmigung zur Ansiedlung von Rudolfsgnad und die Erlaubnis zur Benennung der neuen Gemeinde nach dem Kronprinzen Rudolf wurde am 08. Dezember 1865 gegeben.
Die diesbezügliche Entschließung des Kaisers hat folgenden Wortlaut:
"Ich bewillige die Ansiedlung der Gemeinden Deutsch-Etschka und Sigmundfeld auf dem Perlaßer Riede im Deutsch-Banater Grenzregimente unter den in diesem Vertrag erörterten Bedingungen und gestatte, dass die sich hierbei konstituierende Grenzgemeinde den Namen Rudolfsgnad annehme. Schönnbrunn, am 08. Dezember 1865
                                                          Franz Josef m. p."

 

Die wichtigsten Bedingungen, die von den deutschen Ansiedlern erfüllt werden mussten, waren:

1. Die Entlassung aus dem ungarischen Provinzialverband, d.h. nach heutigen Begriffen aus der ungarischen Staatsbürgerschaft, - wobei vorher die "ungerechte Schuld" an die Etschkaer Herrschaft in bar bezahlt werden musste. Denn zuständig für die Entlassung war die ungarische Komitatsbehörde, die den deutschen Bauern in Etschka in der Zeit der Verfolgung durch die Grundherrschaft keinerlei Schutz gewährt hatte.
2. Die Verpflichtung, den Dammbau mit eigener Kraft und auf eigene Kosten in drei Jahren auszuführen. Das große Werk erforderte eine entsprechend große Anzahl von Kräften, weshalb 85 Familien aus den benachbarten deutschen Gemeinden Sigmundfeld mit in das zweite Ansiedlungsgesuch an den Kaiser aufgenommen worden waren.
3. Bezahlung von 20 Gulden Ablöse je Kastraljoch überlassener Riedfelder.
4. Errichtung von Schule, Kirche und Pfarrhaus.

Nachdem die Ortslage vermessen und Hausplätze nummeriert worden waren, wurde die Verlosung an die einzelnen Siedlungsbewerber am 13. März 1866 vorgenommen.
Zur selben Zeit wurde auch schon mit der Rodung des verunkrauteten Riedes begonnen, der jungfräuliche Boden zum ersten Mal umgeackert, ihm die Saat anvertraut.
Welche Gefühle mögen damals unsere Großväter beseelt haben, als sie auf Feldern, die seit dem Bestehen der Welt noch kein Pflug umgebrochen hatte, die erste Furche gezogen?
Dass sie ihren Acker direkt aus der Hand Gottes erhalten hatten, - dieses Hochgefühl mag ihnen Lohn genug gewesen sein, für alles Unrecht, das sie erduldet, und für alle Schwierigkeiten, die ihnen missgünstige und böse Menschen Jahrzehnte hindurch bereitet hatten.
Am Ostersonntag, dem 01. April des Jahres 1866, verabschiedete der langjährige Freund und treue Helfer der verfolgten Bauern, Ferdinand Löschardt, Katechet und Direktor der Real- und Volksschule von Groß-Kikinda, die ausziehende Gemeinde  in der Kirche zu Deutsch Etschka.