Aus der Predigt von Pfarrer Löschardt

Das Gebiet um Rudolfsgnad ist in früheren Jahrhunderten oft Schauplatz großer Schlachten und bedeutender Ereignisse gewesen. Pfarrer Ferdinand Löschardt sagte darüber in seiner Predigt am Ostermontag 1866 beim Grundungsfest u.a.:

"...Jahrhundertelang herrschte auf diesen für Eure Wohnstätte bestimmten Fluren der Unfriede ... die verheerenden Fluten der sich hier vereinigenden mächtigen Ströme verwandelten das Land in ein Meer, das Pannonische. Die Fluten der menschlichen Leidenschaften kämpften um den Besitz dieser Gegend und tränkten ihren Boden mit Blut.."

"In früheren Zeiten war dieses Gebiet die Grenzmark zwischen Kultur und Barbarei: Anfangs zwischen dem blühenden Römerreiche und den wilden Horden des Nordens, später zwischen dem christlichen Westen und den heidnischen Völkern des Ostens."

"Am Ende des 8. Jahrhunderts begegneten sich hier die ungestümen Awaren und die tapferen Franken, die unter ihrem König Pipin bis an die Theiß drola, der in Titel seinen Sitz hatte, verlor trotz der bulgarischen Hilfe aus Mösien 895 in einer blutigen Schlacht gegen ARpad, den tapferen Magyarenführer, sein Land und Leben. Diese Schlacht dürfte gerade auf diesen Feldern geschlagen worden sein."

"Nun wurde das Christentum bei den Magyaren eingeführt. Eine lange Zeit des Friedens war angebrochen. Titel war eine friedliche Probstei emsiger Augsutiner-Mönche geworden. Wohl manchmal dürften es diese versucht haben, sich die angrenzenden Rohrfelder wenigstens teilweise nutzbar zu machen."

"Aber auch diese Blütezeit Titels ging vorüber und musste der Herrschaft der Türken weichen. Türkische Horden drangen nämlich zu Ende des 15. Jahrhunderts über die Donau und zogen entlang der Theiß gegen die Mitte dieses Landes, das sie allmählich eroberten und zur Wüste machten. Zu damaliger Zeit war in Titel eine feste Burg und oft stritt man sich um ihren Besitz.  Somit war diese Gegend der Austragungsort blutiger Kämpfe zwischen den Heeren der Christen und der Türken."

"Noch im Jahr 1697 setzte hier das Türkenheer über die Theiß, erstürmte und verbrannte Titel!"

Prinz Eugen von Savoyen gewann durch seine glänzenden Siege diese Gegend sowie das ganze Land zurück. Es gehörte nun den Habsburgern, deren vornehmste Sorge als Deutsche Kaiser es war, aus der Einöde und der Stätte des Unfriedens eine Kulturlandschaft Europas zu machen. Dies geschah im 18. Jahrhundert durch die Südostkolonisation. Deutsche Bauern prägten das Gesicht dieses Landes, so dass der Dichter sagen konnte:

"Aus einer Wüste ward ein blühend Eden,

Aus Sümpfen hob sich eine neue Welt!"

Unsere Welt, - die nun wieder in der Barberei des Ostens zurückgefallen ist.