Normale Entwicklung und Besonderheiten

Eine Möglichkeit zur Ausweitung der eigenen Ackerfläche fanden die Rudolfsgnader noch vor der Jahrhundertwende, indem sie den Großteil der Riedfelder von  den serbischen Nachbargemeinden in  langjährige Pacht nahmen. Später trat käufliche Erwerbung hinzu, und so sind nach und nach ganz beträchtliche Flächen in deutsche Hände übergegangen. Nach einer Aufstellung von Franz Schneider ergab sich für die Zeit vor der Vertreibung folgender Besitzstand:
Von den Riedfeldern in der Rudolfsgnader Buchtung entfielen auf die Gemeinden:

Rudolfsgnad 7319 Katastraljoch
Perleß 2791 Katastraljoch
Orlovat 1772 Katastraljoch
Tschenta 1690 Katastraljoch
Idvor 236 Katastraljoch
Titel 167 Katastraljoch
Zusammen 14275 Katastraljoch

Außer in der eigenen Gemarkung besaßen die Rudolfsgnader in:

Titel rund 1100 Katastraljoch
Perleß über 400 Katastraljoch
Orlovat über 1000 Katastraljoch
Idvor rund 120 Katastraljoch
Tschenta rund 60 Katastraljoch
Zusammen 2680 Katastraljoch

Insgesamt hatten die Rudolfsgnader demnach 9999 Katastraljoch als Eigentum, zu dem noch etwa 1700 Katastraljoch langjährige Pachtfelder im Pantschowaer Ried (mit eigenen Häusern darauf) kamen, so dass die Rudolfsgnader Bauern insgesamt rund 11700 Joch Feld bearbeiteten.


Der Anbau von Raps war vor der Jahrhundertwende - neben der von Weizen und Mais - diejenige Kultur, die am meisten Geld brachte; ab 1910 kam dann der Anbau von Zirok (Sorgo) in größerem Ausmaß hinzu.  


Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass die Rudolfsgnader schwarze Erde mit der noch unterhaltenen Urkraft des Bodens für den Zirokanbau ganz besonders geeignet war. In guten Jahren gab es auf einem Stück Feld praktisch zwei sehr gute Ernten: Einmal den Ziroksamen, der geschrotet als Viehfutter sehr gut verwendet werden konnte, aber auch von Spiritusfabriken aufgekauft wurde, anderseits das Zirokreis, das als Rohstoff für die Besen- und Bürstenerzeugung nach Deutschland, der Schweiz, nach Österreich und Böhmen geliefert wurde. Mit dem Zirokanbau gab es zwischendurch auch mal Krisenjahre wegen Absatzschwierigkeiten, - dann kam aber der Umschwung und es regnete Geld. Eine Missernte gab es im Vergleich zu anderen Kulturen kaum, da ja der Samen in seinem Futterwert allein schon eine volle Ernte war.


In Rudolfsgnad wurden auch Hanf und Tabak gebaut, dann Zuckerrüben, Klee und in früheren Jahren besonders Luzerne, einige Jahre hindurch auch Rizinus- und Sojabohnen, zeitweise noch Sonnenblumen in größerem Maße, - aber keine dieser Industriepflanzen konnte in Rudolfsgnad den Zirok als Geldbringer verdrängen. Insgesamt nahmen jedoch Weizen und Mais, - wie im Banat üblich, - den weitaus größten Teil der Anbaufläche ein.


Obwohl Weintrauben in Rudolfsgnad gut gediehen und fast jedes Haus seinen Weingarten hatte, - weniger beim Haus, als in den "Weingärten" im Osten und Süden des Dorfes, - wurden in der Regel doch nur für den eigenen Bedarf gute Sorten Eß- und Weintrauben gepflanzt.


In der Zeit der Traubenreife von August bis Ende Oktober wurden verschwenderisch viel Trauben gegessen. Angefangen wurde mit den Magdalena-Trauben, dann Gutedel, Muskat-Geißtuttle, Slanka-Weiß und Slanka-Rot, Schiller-Trauben und Riesling als besondere Weinsorten, die aber von uns Kindern lieber gegessen wurden als die Tafelsorten. Weiter sind noch in meiner Erinnerung Portugieser und Smederevka und als letzte im späten Herbst, die großen, dunkelblauen "Oxeaue" (Ochsenaugen), die besonders gerne als Spalier vor dem langen Hausgang bis zum Dach hinauf gezogen wurden.
Rudolfsgnad war sehr reich an Obstbäumen, - meist standen sie vor dem haus im Hausgarten, weniger in den Weingärten. Es wurden alle mitteleuropäischen Obstsorten weit über den Bedarf geerntet. Absatzmärkte waren vorwiegend Titel und Perleß und nach dem Ersten Weltkrieg Belgrad, das dann die erste Stelle einnahm. Dorthin gingen auch das Gemüse, die Eier und das Geflügel.
Die Viehzucht war wohl ein wichtiger und auch blühender Zweig der Landwirtschaft, doch wurde in der Regel nur so viel Nutzvieh gehalten, als man für das eigene Haus und zum Betrieb der eigenen Wirtschaft benötigte.
An erster Stelle kamen immer die Rösser, die wohl in allen Banater Bauernwirtschaften eine bevorzugte Sonderstellung einnahmen. Das Pferd hat man geliebt, während Kuh und Schwein nur als nützliche Viecher betrachtet und danach behandelt wurden.


Als Zugkraft kannte man bei uns nur das Pferd. Wenn sich mal ein serbisches oder wallachisches Ochsengespann nach Rudolfsgnad verirrte, rannten alle Kinder aus den Höfen heraus, staunten, lachten und spotteten über das vertrottelte, langsame Gefährt. Uns Kindern war schon klar, dass mit einem Ochsengespann zu fahren, Zeitvergeudung heißt. Unsere leichten, starkknochigen Nonius-Pferde sind auch mit vollem Garbenwagen im Trab gelaufen.


Da in Rudolfsgnad für Milch und Milcherzeugnisse kein geregelter größerer Absatz bestand, hat man in den Bauernwirtschaften auch nur eine, höchstens zwei Milchkühe gehalten, in der Hauptsache zur Versorgung des eigenen Haushaltes. Dazu wurden ein bis zwei Jungrinder und Kälber aufgezogen, um bei dringendem Geldbedarf ein Stück Vieh zum Verkauf zu haben. Genau so war es mit den Schweinen. Wenn Anfang Dezember die Kälte einbrach, wurden in jedem Haus 2-3 oder auch 5-6 fette Schweine geschlachtet. Da gab es Frischfleisch, Brat- und Leberwürste, Schwartenmagen und geräucherten Speck und Schinken für das ganze Jahr. Bis etwa 1927 hielt man nur das Fettschwein der einheimischen Mangalica-Rasse, dann kam über die deutsche landwirtschaftliche Genossenschaft "Agraria" das deutsche Landedelschwein dazu. Gemästet wurde fast ausschließlich mit Mais, nur bei der Aufzucht von Läufern fütterte man Gerste.


Geflügel gab es in jedem Hof, hauptsächlich Hühner, aber auch Enten und sehr viele Gänse, die im nahen Wasser der Theiß prächtig gediehen.
Schafe gab es in Rudolfsgnad keine und Ziegen waren selten, denn auch der Taglöhner war in der Lage sich ein Kuh zu halten.


Ein sehr interessanter Zweig der materiellen Kultur war in Rudolfsgnad die Seidenraupen-zucht. All Häuser hatten auf der Gasse entlang des Grundstückes eine oder auch zwei Reihen Maulbeerbäume. Wenn alte Bäume umgehauen wurden, mussten laut behördlicher Anordnung sofort junge Bäume nachgepflanzt werden.


Kaum das im Frühjahr die Maulbeerbäume ihr frisches, grünes Blätterkleid angelegt hatten, nahmen sich die Frauen und Kinder der Taglöhnerfamilien von der Seidenfabrik zur Verfügung gestellte jungen Seidenraupenbrut, - ganz winzige Würmchen, die sich allein von Maulbeerblättern ernährten.


In den ersten 14 Tagen war das Blätterrupfen eine gemütliche Sache, dann aber wuchs der Appetit der gefräßigen Tiere von Tag zu Tag, bis die Betreuer in den letzten 14 Tagen außer Atem gerieten und kaum mehr genügend Blätter herbeischleppen konnten, - und die Maulbeerbäume vielfach nackt ohne Blätterschmuck dastanden. Das war für viele Wochen ein unschöner Anblick, denn der zweite Blätterwuchs hat niemals die alte grüne Herrlichkeit der Bäume wiederherstellen können.


Aber die Raupen waren endlich ausgewachsen und satt und begannen, sich mit ihrem Seidenfaden in ihre Kokons einzuspinnen. In 3-4 Tagen waren alle damit fertig; dann wurden die Kaletten der "Seidenfabrik" - (in Titel bestand nur mehr eine Annahmestelle) - abgeliefert. Die Ware wurde gewogen und nach Kilogramm bezahlt.


Der Maulbeerbaum war in Rudolfsgnad aber auch wegen seiner beliebten Beeren ein sehr interessanter Baum.


Wenn die schwarzen - etwas säuerlichen - süßen Beeren im Juni reif wurden, kletterten wir Buben schon auf die Bäume und schmausten. Wenn die Mädchen nett zu uns waren, warfen wir ihnen Beeren herab. Wenn aber mal die sehr süßen weißen Sorten, dann die grauen und braunroten reif wurden, regnete es Tag und Nacht Beeren, so dass man in den Gassen kaum gehen konnte, ohne Maulbeeren zu zertreten.


Das war auch die große Zeit für Enten und Gänse, die gar nichts anderes mehr fressen wollten als Maulbeeren, davon jedoch so matt wurden, dass sie kaum noch den "Wechsteier" hatten und regelrecht torkelten.


Wir Kinder waren jetzt schon übersatt und naschten nur noch von besonders guten Sorten. Nun begann das ernste Geschäft der Erwachsenen: Morgens und abends - mindestens aber einmal am Tag - mussten die reifen Beeren auf eine Plachet geschüttelt und einem großen offenen Fass zum Gären gebracht werden. Was bei Schütteln daneben fiel oder schon vorher
Auf der Erde lag, gehörten den Schweinen, die man in dieser Zeit täglich unter die Maulbeerbäume trieb.  


Wenn die Zeit des Getreidedruchs kam, spätestens aber zum "Mischtfihre" oder "Sterze" gab es neuen Maulbeer-Raki. Manche Städter rümpften die Nase über den eigenartigen Geschmack dieses einfachen alkoholischen Getränks. Für mich ist es der liebste Schnaps gewesen, dem ich im Leben begegnet bin.
Die etwas unstete wirtschaftliche Entwicklung in neu geschaffenen Königreich S H S (Srba, Hrvata i Slovenaca = der Serben, Kroaten und Slowenen) in den 20er Jahren hat zusammen mit der Erziehungsarbeit des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes und der Deutschen Partei bewirkt, dass sich auch die Rudolfsgnader genossenschaftlich organisierten.


So entstand 1927 in Rudolfsgnad eine Landwirtschaftliche Kredit- und Wirtschaftsgenossenschaft "Agraria", als Bezugs- und Absatzgenossenschaft mit Sparstockwirtschaft und Warenverkehr, bei der 95 % der Familien Mitglieder wurden.


Die "Agraria" hat die Wetlwirtschaftskriese (1929-1932) gut überstanden - (im Gegensatz zur Schweinezuchtgenossenschaft). Sie bedeutete für die deutsche Bevölkerung Rudolfgsgnads in dieser schweren Zeit wirklich Hilfe.
Die heutige Generation der Wirtschaftswunderländer kann sich keine Vorstellung mehr davon machen, bis zu welchem Grad dwierigkeit, ging her Armut und Anspruchslosigkeit die gesamte Bevölkerung in jenen Jahren herabgekommen war.  Jahre hindurch quälte man sich von einer Geldverlegenheit bis zu nächsten Schwierigkeit, ging halb in Lumpen zur Arbeit, musste auf alle Neuanschaffungen verzichten, - wegen Geldmangel.
In dieser Zeit kam auch die Ausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe mit neuen Maschinen und Geräten vollkommen zum Erliegen.


Die Rudolfsgnader Bauern waren gewiss fortschrittliche Landwirte. Hier gab es in den jahren vor dem ersten Weltkrieg bereits selbstverständlich amerikanische Bindemäher ("Mc Cormick") und Dreschgarnituren mit Selbstwanderer-Dampflokomobilen.


Der erste Traktor ackerte am 4. Oktober 1925 in der Rudolfsgnader Gemarkung. Nun aber herrschten Stillstand und Hoffnungslosigkeit.
Obwohl die Wirtschaftskrise sich auf allen Lebensgebieten lähmend auswirkte, kamen das Vereinsleben und die geselligen Veranstaltungen doch nicht zum Erliegen.


Der im Ersten Weltkrieg untergegangene Feuerwehr-Verein von 1889 wurde 1926 neu ins Leben gerufen und neben den Ortsgruppen des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes (SDKB) und der Deutschen Partei gab es in Rudolfsgnad noch eine ganze Reihe von Vereinen. So einen Männer-Gesangverein,- gegründet 1919 zur Pflege des deutschen Liedes, - einen Gewerbe-Verein, einen Jagd-Verein, einen Sport-Verein mit Fußballmannschaft und einen Verein der Bienenzüchter.


Eine Besonderheit stellten im deutschen Sprachraum Mitteleuropas die Wohlfahrtsgenossenschaften der Deutschen in Jugoslawien dar. Im Frühjahr 1935 wurde vom Geschäftsführer der Zentral-Wohlfahrtsgenossenschaften in Neusatz, Johann Wüscht, in Zusammenarbeit mit dem Rudolfsgander Gemeindearzt Dr. Gusatv Kirchner auch in Rudolfsgnad eine "Wo-G" (Wohlfahrtsgenossenschaft) gegründet. Diese hatte eine Krankenvorsorge-Abteilung, eigenen Röntgen-Apparat und eine eigene Apotheke, sie richtete einen regelmäßigen Mütterberatungsdienst ein und organisierte die Kleinkindvorsorge.



Die Rudolfsgnader waren von früher Kindheit an gewohnt, hart zu arbeiten. Vom Frühling bis spät in den Herbst hinein begann das Tagwerk der Bauern immer vor Sonnaufgang. Die Feldarbeit richtete sich nie nach einem 8- oder 10-Stungen-Tag; im Sommer waren 12 und 14 Stunden die Regel, und beim Getreidedrusch im Juli und August selbstverständlich auch mehr.
Dafür wurde aber die Sonntags- und Feiertagsruhe streng eingehalten. So gut, wie man arbeitete, hat man auch gegessen und Feste gefeiert.
Weihnachten, Ostern und Pfingsten waren die "Eckpfeiler" der kirchlichen Festtage, Auferstehungs- und Fronleichnamsprozession jedoch die Höhepunkte, an denen die gesamte Dorfbevölkerung teilnahm und ihre Anhänglichkeit an den christlichen Glauben der Väter in öffentlicher Kundgebung bezeugte.
Gefeiert wurden -besonders in der stillen, winterlichen Jahreszeit - die Namenstage von Freunden und Verwandten, Hochzeiten und Letzt-Fasching. Höhepunkt Lustbarkeit war jedoch die "Kerweih" (Kirchweih). Sie fand immer am letzen Sonntag vor Advent statt, also spät im Herbst, da die großen Arbeiten des Jahres getan, die Felder abgeerntet und mit neuer Wintersaat bestellt waren. Die gewöhnliche "Kerchweih" dauerte drei Tage; wenn aber "zusammengehalten" wurde, dauerte sie von Samstag bis Mittwoch. In letzterem Falle wählten die großen Burschen aus ihren Reihen einen Ersten und einen Zweiten Rechnungsführer, der Geld-Herr genannt wurde; deren Mädchen richteten auch den Vorstrauß aus Rosmarein her und schmückten ihn mit Bändern. Jeder Bursch, der mithielt, kürte sich ein Mädchen, das ihm den Hut für die "Kerweih" mit Sträußen und Bändern putzte.


Das politische Schicksal Rudolfsgnads ist eng verknüpft mit den vielen Änderungen und Umwälzungen, die - (besonders seit dem Ende des Ersten Weltkrieges) - für die Geschichte und die Gestalt ganz Südosteuropas kennzeichnend sind.


Die Gemeinde wurde 1866 in einem Gebet gegründet, das Bestandteil der so genannten Militärgrenze war. Schon sechs Jahre nach der Ansiedlung, 1872 wurde die Militärgrenze aufgelöst. Die Folge davon war, dass die Gemeinde nun in das ungarische Staatsgebiet eingegliedert und der Verwaltung des Komitats Torontal unterstellt wurde.


Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Banat von Ungarn getrennt und unter Rumänien und Jugoslawien aufgeteilt. Bei Ungarn verblieben nur einige Dörfer in der unmittelbaren Nähe Szegedins. Die Rudolfsgnader wurden nun zu Bürgern des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen, - wie der Staat von 1918 bis 1929 offiziell hieß.


Nach dem Balkanfeldzug der Deutschen Wehrmacht im April 1941 wurde der Staat Jugoslawien praktisch aufgelöst. Es gab einen "Unabhängigen Staat Kroatien", große Randgebiete kamen an Bulgarien, Ungarn und Italien, die Südsteiermark ans Reich, während als besetztes Gebiet nur ein Rumpf-Serbien mit dem autonomen Gebiet Banat unter der Deutschen Wehrmacht verblieb.
In dieser Zeit rückten die wehrfähigen deutschen Männer Rudolfsgnad zur Deutschen Wehrmacht bzw. zur Waffen-SS ein.


Im Oktober 1944 fiel Rudolfsgnad im Zuge des Vormarsches der Roten Armee in den Herrschaftsbereich der jugoslawischen Partisanen Titos.


All diese politischen Änderungen lassen sich gut verfolgen, wenn man die Geschichte des Ortsnamens von Rudolfsgnad und die Geschichte der verschiedenen Staatszugehörigkeiten der Rudolfsgnader Einwohner betrachtet. Eine Ergänzung ergibt sich noch aus der Tatsache, dass die Rudolfsgnader Männer in der verhältnismäßig kurzen Zeit der Geschichte ihres Dorfes in den verschiedensten Armeen als Soldat gedient haben und auf ebenso viele Monarchen, Diktatoren und Verfassungen vereidigt wurden.


Rudolfsgnad hat im Laufe seiner Geschichte drei verschiedene Ortsnamen bekommen, aber fünfmal seinen Namen gewechselt.

1. Von der Gründung im Jahre 1866 bis zum Jahre 1911 hieß die Gemeinde auf Grund des Erlasses von Kaiser Franz Josef I. "Rudolfsgnad". Denselben Namen trug die Gemeinde nach dem Ersten Weltkrieg von 1918 bis 1924 und während des Zweiten Weltkrieges von 1941 bis Oktober 1944.

2. Im Jahre 1911 bekam das Dorf den ungarischen Namen "Rezsöhaza", den es bis zum Ende seiner Zugehörigkeit zu Ungarn im amtlichen Verkehr trug.

3. Nachdem Rudolfsgnad mit einem guten Drittel des Banats nach 1918 zum neu gebildeten Staat der Südslawen gekommen war und die Serben sich als die endgültigen Herren betrachteten, sperrten sie 1923 nicht nur die deutschen Mittelschulen des Banats zu, sondern verliehen auch den schwäbischen Dörfern serbische Namen. So wurde Rudolfsgnad 1924 zu Knicanin, obwohl es mit dem Heerführer Knicanin aus Altserbien, der den Serben der Wojwodina 1848/49 gegen die Ungarn zu Hilfe gekommen war, nichts gemein hat. Den Namen Knicanin trägt das Dorf auch heute.

Die Staatszugehörigkeit der Rudolfsgnader Bürger hat ebenso oft gewechselt, wie der Name, den das Dorf trug.

Vor 1866 waren die deutschen Bauern, die den Ort gründeten, in ihren verschiedenen Heimatgemeinden Untertanen der ungarischen Krone, die seit dem Jahre 1526 von den Habsburgern des Hauses Österreich getragen wurde.

Mit der Gründung des Dorfes im Gebiet der Militärgrenze wurden die Ansiedler unmittelbare Untertanen des Kaisers in Wien. Sie hatten nun bis zur Auflösung der Militärgrenze Im Jahre 1872 mit Ungarn staatsrechtlich nicht mehr zu tun.

Von 1872 bis 1918 waren die Rudolfsgnader gewöhnliche ungarische Staatsbürger, etwa so, wie sie es bereits vor der Ansiedlung des Dorfes in ihren Heimatgemeinden waren.

Vom Ende des Ersten Weltkrieges 1918 bis zur tatsächlichen Auflösung Jugoslawiens nach dem Balkanfeldzug von 1941 waren die Rudolfsgnader jugoslawische Staatsbürger.

Da Rumpfschreiben von 1941 bis 1944 lediglich den Status eines von fremden Truppen besetzten Gebietes hatte und das Banat ein "autonomes Anhängsel" davon gewesen ist, kann man sagen, dass die Rudolfsgnader in diesem Zeitraum praktisch überhaupt keine Staatsangehörigkeit hatten. Ein Jugoslawien gab es nicht mehr und sie wurden als Deutsche auch nicht automatisch Bürger des Deutschen Reiches. Lediglich Banater deutsche Soldaten, die in dieser Zeit bei der deutschen Wehrmacht  bzw. bei der Waffen-SS dienten, bekamen auf Grund des bekannten Führererlasses die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn sie einen diesbezüglichen Antrag stellten, - was allerdings in den meisten Fällen nicht geschah.

Das jugoslawische provisorische Partisanenparlament (AVNOJ) erkannte am 21. November 1944 allen Deutschen Jugoslawiens die Staatsbürgerschaft ab und erklärte sie für rechtlos und vogelfrei.

Erst viert Jahre später, 1948, als die Todeslager aufgelöst wurden bekamen die überlebenden Deutschen, und damit auch die noch vorhandenen Rudolfsgnader, die jugoslawische Staatsbürgerschaft zurück, - ohne dass ein diesbezüglicher Gesetzesakt bekannt geworden wäre. Am deutlichsten manifestierte sich ihr neu erlangtes Recht auf die jugoslawische Staatsbürgerschaft darin, dass ihre wehrfähigen jungen Männer nun zum jugoslawischen Partisanenheer eingezogen wurden.

Und schließlich, ebenso wechselhaft, wie die Geschichte des Ortsnamens und der Staatsangehörigkeit, ist die Reihe der verschiedenen Armeen, in denen die Rudolfsgnader gedient haben, und der Eide, die sie leisten mussten.

Von 1866 bis 1872 rückten die wehrpflichtigen Rudolfsgnader regelmäßig zur Grenz-Miliz, d.h. in diesem Fall zum Deutsch-Banater Grenzregiment ein.

In den Jahren von 1872 bis 1918 waren sie k. u. k. Soldaten oder sie dienten bei der ungarischen Honved.

In der Zeit von 1918 bis 1941 wurde sie zum Wehrdienst in die königlich-jugoslawische Armee eingezogen. Die Vereidigung erfolgte von 1918 bis 1921 auf König Peter I., von 1921 bis 1934 auf König Alexander I., von 1934 bis 1941 auf die jugoslawische Verfassung und im April 1941 für drei Wochen auf den jungen König Peter II.

Die bei den deutschen Truppen dienenden Rudolfsgnader waren von 1942 bis 1945 auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler vereidigt.

Seit 1948 leisteten die wenigen Deutschen Jugoslawiens bei ihrem Eintritt in den Wehrdienst ihren Eid auf die kommunistische Verfassung Jugoslawiens bzw. auf Staatspräsident Tito.