Die Ansiedlung

Am Ostersonntag, den 02. April 1866 fand am neuen Ort das eigentliche Gründungsfest der Gemeinde Rudolfsgnad statt.

In der zukünftigen Dorfmitte, auf dem Platz, der für die Errichtung einer Kirche vorgesehe war, wurde ein großes Holzkreuz aufgerichtet. In die für das Kreuz ausgehobene Grube wurde eine Gründungsurkunde versenkt. Davor errichtete man einen Feldaltar, auf dem Pfarrer Löschardt das erste Messopfer in Rudolfsgnad dar brachte.
Die in einer Glasröhre versiegelte Gründungsurkunde hatte folgenden Wortlaut:  

Franz Josef I. Kaiser in Österreich war
Und Bonaz Bischof in Temesvar,
Philippovich von Philippsberg
sorgte für das Kriegshandwerk.
Der von Striningen dies Land regiert
und Bigga das Commando führt,
dem Fähnlein hier Sertic gebot
Da zogen, geplagt von großer Not,
aus Etschka her die Deutschen all
auch Sigmundsfelder mehr zumal
und gründeten auf Kirchners Wort
hier an der Theiß einen neuen Ort,
so Rudolfsgnad ward zubenannt,
weil Kronprinz Rudolf Bürge stand.
Und als der HERR nach Emaus ging,
dies Dorf zu bauen anfing.
Zuerst man pflanzt den Kreuzesstamm,
von dem die Welt das Heil bekam.
Und vor dem Kreuz auf offnem Feld
Der Priester Löschardt Messe hält,
dabei erscholl Posaunenklang
und froher Herzen Jubelsang.
Nach Meister Krafts Feldmesser-Plan
der Bau von Wehren rings begann,
wo deutscher Männer ehrlich´ Fleiß
mit großer Müh und vielem Schweiß
der Theiß und Donau Wogengang
hinweg von diesen Fluren zwand
und abgesperrt die Wasserflut.
Also geschehen nach Christi-Geburt,
als tausend Jahre schon die Welt
der hundert acht und sechsundsechzig zählt.


Am Nachmittag des Gründungstages fand ein Volksfest statt, an dem viele Freunde der Ansiedler und Vertreter der Behörden teilnahmen und auf dem die Militär-Kapelle des Tschajkisten-Bataillons aus Titel spielte.

Nach den Osterfeiertagen wurden notdürftige Wohnstätten errichtet und die Übersiedlung nach Rudolfsgnad wurde endgültig vollzogen. Für die Frühjahrsaussaat erhielt dann jede Familie vorläufig vier Joch Feld zugeteilt.

Zur Erntezeit verdingten sich die meisten Rudolfsgnader in verschiedenen Ortschaften des Banats und Syrmiens als Schnitter, um das Brot bis zu kommenden Jahr zu sichern denn auf den erst teilweise urbar gemachten Feldern von Rudolfsgnad gewann man im ersten Jahr lediglich das Futter für den eigenen Viehstand.

Dass man aber neben dem außerordentlich harten Kampf zur Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse Geist und Seele keineswegs gering achtete, geht daraus hervor, dass noch im Gründungsjahr 1866 ein Schulhaus mit zwei Klassenräumen und ein einfaches Pfarrhaus errichtet wurden. Das Schulhaus diente in den ersten Jahren zugleich als Bethaus und Notkirche. Schon am 01. November 1866 konnten Schulunterricht und regelmäßiger Gottesdienst beginnen.

Erster Dorfrichter und Bürgermeister wurde Heinrich Kirchner, der beharrliche und unerschrockene Bittsteller beim Kaiser. Seiner umsichtigen Leitung unterstanden auf die Dammbauarbeiten.

Als Militär-Grenzgemeinde hatte Rudolfsgnad neben dem Ortsvorstand einen k.u.k. Oberleutnant als Stationskommandanten. Diese Zweigleisigkeit der Obrigkeit hörte mit der Auflösung der Militärgrenze im Jahre 1872 auf.

Das neue Dorf hatte eine Länge von 2 199,36 Metern und eine Breite von 796,32 Metern. Es beginnt am östlichen Theißufer, dort wo Titel auf dem westlichen Ufer aufhört. Die drei Hauptlängsgassen hießen: "Kerchegaß", "Mitterschgaß" und "Hinerschtgaß"; dann war noch die alte "Enschicht" entlang des Theißdammes und die "Neue Reih" auf der östlichen Dorfseite. Dazu kamen dann noch sechs "Kreuzgassen".