Das Christkindlspiel wie es einmal war, in Rudolfsgnad im Banat

Drei "Christikindle", der hl. Josef und ein "Pelze-Bock" fanden sich jedes Jahr in der Adventeit zusammen und bildeten eine kleine Spielschar, die an Heilig-Abend, am 24. Dezember, das Christkindlspiel Haus für Haus vorführten. Es gab immer mehrere Gruppen und das Dorf war durch nicht ganz scharfe Grenzen in Gebiete aufgeteilt. In der Regel waren es ärmere Dorfkinder zwischen 10 und 14 Jahren, für die die materielle Einnahme die Haupttriebkraft zum Christkindlspiel war.

Die Kleidung der drei Christkindle: lange, weiße steifgestärkte und gebügelte Röcke, darüber, über die Hüften hinabreichende Chorhemden (meist weiße Männerhemden!) und darüber eind handbreites Seidenband, - erstes und zweites Christkindl rot, drittes Christklindl blau, - von der linken Schulter zur rechten Hüfte und von hier um den "Schluß" und dan herabhängend. Als Kopfbedeckung armlange, bunte Zylinderhüte ohne Rand, oben offen und zackig wie eine Krone, beklebt mit Sonne, Mond und Sternen aus Gold- und Silberpapier. Offenes, über die Schultern und Rücken wallendes Haar, künstlich rot gefärbte Backen. In der rechten Hand trug das erste Christkind ein Szepter, in der linken ein "Handkärwl" zur Aufnahme der Geschenke in dem Haus zum Austeilen an die Kinder und zur Aufnahme der eigenen Geschenke beim Heraustreten aus dem Hause. Das zweite Christkindl trug in der Rechten ein Schwert, in der Linken ein Gelddose zur Aufnahme der Geldspenden beim Heraustreten aus dem Hause. Das dritte Christkind trug eine kleine Wiege auf beiden Armen, darinnen eine Jesuskind-Puppe lag.

In der Stube eines jeden Hauses wurde der Tisch geschmückt und für den Christbaum vorbereitet. Davor wurde ein Stuhl bereitgestellt, worauf das dritte Christkind seine Wiege setzte. Josef war bekleidet mit einer langen, breitbeinigen weißen Leinenhose, darüber ein sehr langes weißes Hemd, eine weiße Fellmütze schmückte seinen Kopf, ein Vollbart aus weißem Hanf sein Antlitz, in der Hand hatte er einen Stock und auf dem Rücken einen Sack, worin die Geschenke (meist Äpfel und dergleichen) aus dem Kärwl aufgenommen wurden. 

Diesen vier heiligen Personen war auch das Gegenstück im "Pelze-Bock" zugesellt, der sich im Hintergrunde hielt, mit einem zottigen Pelz bekleidet war, ein Bündel Ruten trug, wovon in jedem Haus eine, bei bekannt schlimmen Kindern auch mehrere, zurückblieben.

Das dritte Christkind, das die Gaben austeilte, nahm jedesmal eine Rute zu den Geschenken, züchtigte damit leicht die bezeichneten "schlimmen Kinder", zählte ihnen ihre Sünden auf und nahm das Versprechen der Besserung entgegen. (Wirst beten... wirst beten..."). In ganz schweren Fällen wurde der "Pelze-Bock" zur Züchtigung gereingerufen, der die wiederspenstigen und unverbesserlichen Buben tüchtig schlug. Doch bekam jedes Kind darauf seine Geschenke.

In den Häusern, wo der Christbaum nicht zu groß war, hat das erste Christkind den geschmückten Christbaum im Vorraum onder in der Küche in Empfang genommen und zu den Kindern in die Stube getragen.

Beginnend um ein Uhr nachmittags gingen die "Christkindle" von Haus zu Haus, klingelten mit einer kleinen Glocke und riefen vor der Haustür: "Derf´s Christkindl rinn?" und erst auf die Bejahung traten sie ein. Alle traten gemeisam bis ins Vorzimmer oder in die Küche und begannen zu singen:

 

  • "O stille, stille Mitternacht,
  • Und als ich bei mein´Schäflein wacht´
  • Und sah da droben in dem Stall,
  • Dort sangen die Engelein, dass es schallt´,
  • Sie singen alle Gloria, gloria,
  • O du heiligste Maria!"
  • Erstes Christkindl tritt allein in die Stube und singt:
  • "Gelobt sei Jesus-Christ,
  • Ein schönen guten Abend gib´euch Gott,
  • Ich bin ein ausgesandter Bot´.
  • Erzengel Gabriel werd ich genannt,
  • Das Zepter trag´ich in meiner Hand,
  • Das hat mir Gottes Sohn gesandt.
  • Die Kron´trag ich auf meinem Haupt,
  • Die hat mir Gott der Herr erlaubt."
  • Zur Tür gewendet:
  • "Erschein´, erschein´Herzengelein,
  • Es wird dir schon erlaubet sein."
  • Zweites Christkind tritt auch in die Stube und singt:
  • "Gelobet sei Jesus-Christ,
  • Ein´schönen guten Abend gib´auch Gott,
  • Ich bin ein ausgesandter Bot
  • Erzengel Michael werd ich genannt,
  • Das Schwert ich trag´in meinen Händ
  • Das hat mit Gottes Sohn geschenkt.
  • Die Kron´ich trag´auf meinem Haupt,
  • Die hat mir Gott der Herr erlaubt."
  • Beide:
  • "Gott voll der Gnaden, von dem wir alles haben,
  • Von dem liebsten Jesulein, es ird ja schon erlaubet sein."
  • Zur Tür gewendet:
  • "Tret´ein, tret´ein, du frommer Christ,
  • Der Stuhl ist schon bereit für dich."
  • Drittes Christkindl tritt in die Stube und singt allein:
  • "Gelobt sei Jesus-Christ,
  • Ein´schönen guten Abend gib euch Gott,
  • Ich komme herein ganz abends spot (Spät)."
  • Stellt seine Wiege mit dem Jesuskind auf den bereitgestellten Stuhl und singt weiter:
  • "Ich komm hereingetreten,
  • Will schaen, ob die Kinder fleißig beten,
  • Und wenn sie fleißig beten und singen,
  • Weill ich ihnen schöne Gaben bringen.
  • Und wenn sie nicht fleißig beten und singen,
  • Dann werd´ich eine scharfe Rute bringen.
  • Ach Engel, treuer Diener mein,
  • Sag´du mir, wie die Kinder gehorsam sein."
  • Erstes Christkind:
  • "Ach Christ, ach Christ, wenn ich dir sagen soll,
  • Die Welt ist böser Kinder voll,
  • Wenn sie aus der Schule geh´n
  • In allen Gassen bleiben steh´n
  • Blätter aus den Büchern reißen,
  • In alle Fenster Ziegel schmeißen,
  • Solche Bosheit treiben sie!"
  • Drittes Christkind:
  • "Ach Engel, treuer Diener mein,
  • Du machst mit viel Sorg´und Pein.
  • So will ich meine gaben sparen
  • Und zurück in den Himmel fahren."
  • Erstes Christkind:
  • Ach Christ, geh´nicht nach deiner Art, nach deinem Sinn,
  • Komm´zurück und gib´den Kindern, was du willst."
  • Drittes Christkind:
  • "So reiche mir das Körbelein,
  • Daß ich gebe Groß und Klein."
  • Verteilt die Geschenke an die Kinder, währenddessen singen
  • das erste und zweite Christkind:
  • "Josef, liebster Josef mein,
  • Komm´herein und wieg´das Kindelein."
  • Josef kommt in die Stube, kniet vor dem Stuhl mit der Wiege
  • nieder und rezitiert:
  • "Wie soll ich das Kindelein wiegen,
  • Kann meinen alten Buckel nicht biegen.
  • Hajo, pum-pajo, haj-pum-pajo..."
  • Erstes und zweites Christkind:
  • "Josef, liebster Josef mein,
  • Wer verschafft dem Kind zwei Wiegelein?"
  • Josef in gleicher Stellung:
  • "Die Kripp´soll dem Inde seine Wiege sein.
  • Hajo, pum-pajo, haj-pum-pajo..."
  • Alle Christkindl:
  • "Josef, liebster Josef mein,
  • Wer verschafft dem Kind zwei Windelein?"
  • Josef:
  • "Das Heu und das Stroh sollen dem Kind seine Windel sein.
  • Hajo, pum-pajo, haj-pum-pajo..."
  • Alle Christkindl:
  • "So, so, so sagt Josef mein,
  • Das Heu und Stroh sollen die Windel sein.
  • Josef, liebster Josef mein,
  • Wer verschafft dem Kind zwei Dienerlein?"
  • Josef:
  • "Der Ochs und der Esel sollen die Diener sein."
  • Alle Christkindl:
  • "So,so, so, sagt Josef mein,
  • Der Ochs und der Esel soll´n die Diener sein.
  • Wir danken für die Gaben,
  • die wir empfangen haben.
  • O Jesulein süß, o Jesulein süß.
  • So sollet ihr alle in Frieden leben,
  • In Frieden, in Freuden, in Einigkeit.
  • Jetzt treten wir zu der Türe hinaus,
  • Das Unglück geht vor uns hinaus,
  • O Jesulein süß, o Jesulein süß."

Während der letzten Strophe verlassen die Christkindle und Josef die Stube, dieweil "Pelze-Bock" sich noch gelegentlich einen bösen Buben vorholt und eine Sondervorstellung mit der Rute gibt.

Nach Einbruch der Dunkelheit, kaum später aber als 8 Uhr abends, hörten die Christkindle auf mit ihrer Darbietung und gingen nach Hause. Sie versammelten sich aber wieder gegen 11 Uhr und gingen gemeinsam zur Kirche indie Mette. Dort nahmen sie die Ehrenplätze vor der Kommunionbank ein, stellten ihre Wiegen mit dem Jususkind auf die Altarstufen und sangen, nachdem der angekleidete Priester mit den Ministranten auf ein Klingelzeichen hin aus der Sakristei hervorgetreten war, das folgende Lied:

"Christus ist in der Zeit geboren , aus Maria Jungfrau rein,

Die ganze Welt soll sich erfreu´n und den Himmel benedeien.

Weil er uns schickt das Kindelein

Wo ist denn das Kindelein zu finden in dem armen Hirtenstall?

Dort liegt es in einer Krippe, gar so sanft in einer Hütte,

Bei dem Ochs und Eselein.

Hier ist nichts von Gold und Silber in dem armen Hirtenstall,

Heu und Stroh und Windelein, müssen decken das Kindelein.

Wo kann eine größ´re Armut sein?

Wo könnte man die Engelein finden, die das Kindelein bedienen?

Cherubin und Seraphin, eilen alle schnell dahin,

Jeder will der erste sein."

 

Darauf nahmen die Christkindle ihre Krippen wieder zu sich und erst jetzt trat der Priester zum Altar, um die Mitternachtsmette zu lesen. Nach Beendigung derselben kamen die Christkindle wieder zum Vorschein und beschlossen mit folgendem Lied die Mettenacht:

 

"Kommet ihr Hirten, o kommet geschwind, da sehe hiert ist es,

das herrliche Kind. Gloria, gloria, o du heiligste Maria!

Wir treten jetzt auf ein Lindenblatt,

Und sagen dem Kind eine recht gute Nacht.

Gloria, gloria, o du heiligste Maria!"