Aufblühen, trotz dritter und vierter Überschwemmung

Die Krönung ihrer Aufbauarbeit sahen die durchwegs katholischen Siedler in der Errichtung einer eigenen Kirche. Denn der Betsaal in der Schule entsprach schon lange nicht mehr ihren Bedürfnissen.

Den Grundstein zur neuen Kirche legte der Ortspfarrer Ferdinand Löschardt im Juni 1875; das Kirchenschiff konnte noch vor der Überschwemmung von 1876 unter Dach gebracht werden.  Und schließlich gelang es, trotz der verheerenden Schäden, dieses Katastrophenjahres, die herrliche, große neu-gotische Kirche, - deren Grundriss Kreuzform hat, mit Längs- und Querschiff, - im Jahre 1877 fertig zu stellen, so dass Pfarrer Löschardt am 01. November desselben Jahres die Einweihung vornehmen konnte.

Auf der linken Seite vom Haupteingang zur Kirche war in Mannshöhe eine Tafel aus rötlichem Marmor in die Wand eingelassen, die in goldenen gotischen Lettern folgende Inschrift trug: "Zur Erinnerung an das 25jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef I. – Die dankbare Gemeinde."

Es sollte dies ein bleibendes Andenken der dankbaren Bewohner von Rudolfsgnad sein. Jedoch die Zeiten änderten sich und den späteren Machthabern war die öffentliche Bekundung der Dankbarkeit an den Kaiser in Wien ein Dorn im Auge. Laut Verordnung (Zahl 189 497/XIII vom 07. Dezember 1929 und Erzbischof, Zahl 44/1930, Quelle: Auszüge aus der Geschichte von Rudolfsgnad - Michael Höchster)  des Belgrader Kultusministers und des Belgrader Erzbischofs musste die Marmortafel am 28. Januar 1930 vernichtet werden.

Ein mächtiges Hindernis in der wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde war das Nichtvorhandensein eines Grundbuches gerade in den ersten anderthalb Jahrzehnten des Existenzkampfes. Die unverantwortliche Nachlässigkeit der Militärgrenzbehörde fand 1872 ihre Fortsetzung in einer zehnjährigen Sabotage bei den zuständigen ungarischen Behörden.

Schließlich unternahm der inzwischen pensionierte Oberlehrer Josef Kirchner in dieser leidvollen Angelegenheit nochmals einen Versuch. Er reiste auf eigene Kosten mehrere Male nach Budapest, sprach bei verschiedenen Ämtern vor,  war beim Justizminister in Audienz und es gelang ihm wirklich, alle Hindernisse und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, so dass noch 1882 mit der Anlegung des Rudolfsgnader Grundbuches begonnen wurde. Nach der Fertigstellung im Frühjahr 1883 kam dasselbe zur Grundbuchbehörde in Pantschowa, ab 1886 wurde es dann bei Bezirksgericht in Perleß geführt.

Im Jahre 1886 erhielt Rudolfsgnad ein eigenes Postamt und im Jahr 1887 wurde eine "Sparcassa-Actien-Gesellschaft" gegründet, deren segensreiches Wirken zum Wohle der Bevölkerung bis Ende des ersten Weltkrieges anhielt.

In dieser Zeit wurde in Rudolfsgnad auch eine große Dampfmühle erbaut und der Getreidehandel nahm einen beträchtlichen Umfang an. Am Theißufer in der Nähe der Ortsmitte wurden alljährlich mehrere Schiffe mit Getreide beladen, das zum Teil auch schon von den Nachbarorten zugeführt wurde.
Im Jahre 1888 starb der erste Bürgermeister und Gründer der Gemeinde, Heinrich Kirchner, im 70. Lebensjahr. Menschlicher Undank war ihm zwar nicht erspart geblieben, aber es war ihm doch vergönnt gewesen, den endlichen Sieg seines Werkes und das Aufblühen der neuen Dorfgemeinschaft mitzuerleben.

Ein Jahr darauf - 1889 - wurde in Rudolfsgnad eine freiwillige Feuerwehr gegründet, die 70 aktive und 100 unterstützende Mitglieder und eine eigene Jugend-Blaskapelle hatte.

In welchem Jahr der „Bauernverein“ gegründet wurde, lässt sich heute nicht mehr  genau feststellen. Bekannt ist, dass sich nach der Überschwemmung von 1895 "140 Bauernvereinsmitglieder an ihre beiden Vertreter im Reichstage" gewandt haben, damit diesen ihnen "Gerechtigkeit verschaffen sollten".

Das jährlich wiederkehrende Hochwasser der Theiß und Donau gehörte zum Lebensrhythmus der Rudolfsgnader Bevölkerung. Jedes Jahr gab es eine oder auch zwei Spannungsperioden, da alle Einwohner Tag und Nacht vom bangen Gefühl bedrückt wurden mit der sorgenvollen Frage: Ob es diesmal wieder gut gehen werde?

Denn noch zweimal sollte es in Zukunft nicht gut gehen: 1895 und 1907 erlebte Rudolfsgnad nochmals Überschwemmungskatastrophen, so dass man sagen kann, fast ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis die Schutzdämme so hoch und fest ausgebaut waren, dass es in der zweiten Hälfte seit Bestehen der Gemeinde zu keinem Dammbruch mehr gekommen ist.

Die dritte Überschwemmung Rudolfsgnads erfolgte am 19. April 1895. Der sehr hohe Wasserstand brachte die meisten Häuser zum Einsturz.

Das verheerende Ereignis brach ziemlich überraschend über die Gemeinde herein. Beim Lesen der alten Berichte gewinnt man den Eindruck, dass eine gewisse Sorglosigkeit Platz gegriffen hat hatte, zumindest aber mangelnde Vorsorge mit Schuld an der Katastrophe gewesen ist.

Durch das außer ordentliche Hochwasser des Jahres 1888 war man gewarnt und wusste, dass der Karasch-Damm im Süden nicht hoch und fest genug war für den Fall, dass während eines überdurchschnittlichen Hochwassers andauernder Regen einfallen und ein südlicher Sturmwind dazu kommen sollte.

An der seit jeher gefährdeten Stelle, wo auch die Sabotagen durch Aufgraben des Dammes in den ersten Ansiedlungsjahren stattfanden, ist das Gelände auf der Wasserseite so tief, dass dort kein Baum zum Schutz gegen Wellenschlag gepflanzt werden konnte. Das davor liegende Überschwemmungsland bis zur Donau ist so breit, dass dem aus südlicher Richtung blasenden Koschawa-Wind eine ganze Meeresfläche zur Verfügung steht.

Man hatte mit den Arbeiten zur Erhöhung des Dammes zu lange gewartet, und als nun der befürchtete schlimme Fall eintrat, war das neu aufgeschüttete zwei Fuß hohe Erdreich noch nicht fest genug, um den anstürmenden haushohen Wogen auf die Dauer Widerstand leisten zu können.

In 24 Stunden war die neue Erde weggeschwemmt, der Karaschdamm barst und die Fluten der Donau wälzten sich über die Felder, auf das Dorf zu, alles vernichtend und unter sich begrabend.

Die Räumung der Ortschaft musste sehr rasch durchgeführt werden, wenn man keine Menschenleben beklagen wollte. Über 500 Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind eingestürzt, die Obst- und Weingärten vernichtet worden, genauso wie die Saaten auf den Feldern. Aber nicht nur die Rudolfsgnader Felder waren überschwemmt, sondern auch die Felder der serbischen Nachbargemeinden. Der Schaden ging jedoch zumeist zu Lasten von Rudolfsgnader Großbauern, die diese Felder Jahr für Jahr in Pacht bearbeiteten. Der Gesamtschaden ging diesmal schon in die Millionen.

M. Schwarz der Berichterstatter des Groß-Betschkereker Wochenblattes schrieb am 27. April 1895 in seinem Bericht unter anderem:
"der 19. April 1895 wird der schwarze Freitag in der Geschichte Rudolfsgnads sein…"

"Voll schmerzlicher Gefühle steht man vor den Ruinen dieser Gemeinde, nur einzelne Häuser zeugen von vergangener Pracht…"

"Aber Rudolfsgnad wird wieder erstehen, es wird sich empor ringen aus den Fluten…"

"Nur Mut, nur Ausdauer, ihr Kolonisten, ihr werdet die Natur noch bezwingen."

Nachdem die  dritte Katastrophe überstanden und das Wasser durch die Einbruchsöffnung wieder in die Donau zurückgeflossen war, ging man an den Wiederaufbau der Häuser und an die Bestellung der Äcker, Beim Wiederaufbau der Dämme begnügte man sich aber diesmal nicht mit dem Verschließen der Einbruchstelle, bzw. mit einer Erhöhung und Verstärkung.

Durch bittere Erfahrung war man zu der Überzeugung gelangt, "dass es so nicht weiterginge und gründete die Rudolfsgnader Flutenschutz- und Entwässerungsgesellschaft." Zusätzlich zu dem Kampf gegen Überschwemmung wurde eine zweite Aufgabe in Angriff genommen: Die Entwässerung. Dabei griff man auf einen Plan des ersten Rudolfsgnader Vermessungsingenieur  Képessy zurück, der noch vor der Ansiedlung eine Kanalisierung zum Zwecke der Entwässerung vorgeschlagen hatte.

Das Gelände sei günstig, da die Rudolfsgnader Buchtung ein natürliches Gefälle in nord-südlicher Richtung habe. Der Höhenunterschied von der Einmündung der Bega in die Theiß bis zur Mündung der Karasch in die Donau betrage drei Fuß (etwa 90 cm).

Dieser Rat des aufrichten Freundes der Kolonisten wurde jetzt befolgt, und so verläuft nun ein großer Hauptkanal ungefähr in der Mitte des Riedes, im Norden beginnenden, sammelt er durch Seitenkanäle das Grund- und Sickerwasser auf und bringt es im Süden bis zur Donau, wo ein großes Pumpwerk die Wassermassen in Tag und Nachtarbeit in die Donau befördert.

Die am Riedfeld beteiligten serbischen Gemeinden: Perleß, Orlovat, Idvor und Tschenta traten der Rudolfsgnader "Flutenschutz- und Entwässerungsgesellschaft" als Mitglieder bei.

Den Vorsitz übernahm aber keine einheimische mitinteressierte Persönlichkeit, sondern eine hohe Amtsperson, - nämlich der Obergespan des Komitats Torontal.

Dieser "Präses" ernannte als erstes einen Ausschuss, - lauter Beamte, die seine Günstlinge waren, die aber zum Flutenschutz keinerlei persönliche Bindung hatten und nur an Diäten und Sitzungsgeldern interessiert waren.

Der Ausschuss beschloss die Aufnahme von Krediten. Nach und nach waren es über eine Million Gulden geworden. Die Arbeiten am Kanalbau und an der Verstärkung der Dämme ging jedoch nur sehr langsam vonstatten.

Da die Geldmanipulationen des Präses immer undurchsichtiger wurden, ließen die Rudolfsgnader  "Notsignale" steigen. "Es wurde manches Gesuch eingereicht, - schreibt d´Bleese Dicker (Josef Blees) – auch persönlich vorgesprochen, aber überall taube Ohren!"

Schließlich veröffentlichte man einen Artikel in der Presse, "worin die Ungesetzlichkeit des Herrn Präses gegeißelt wurde." Überdies wandte  sich der Rudolfsgnader Bauernverein an seine Abgeordneten im Budapester Reichstag, die dann durch ihre Anfrage eine peinliche Untersuchung in Gang brachten, als deren Folge der Obergespan gehen musste.

Josef Blees: "Wenn er kein so großer Herr gewesen wäre, hätte er über 100 000 Gulden zahlen müssen. Das wollte man ihm aber nicht antun, so musste es die Gesellschaft verlieren."

"Die Kanalisierung  wurde zum Nachteile der Rudolfsgnader durchgeführt und war überall fertig, bis vor der Pumpstation, wo es ca. 500 Klafter zu seicht war und erst in sechs Jahren herausgehoben wurde. Dann konnte das Wasser zur Pumpe kommen. Man hielt es absichtlich zurück. Schließlich hat die große Pumpstation Jahre hindurch zufrieden stellend gearbeitet, bis im Jahre 1907 ein Wechsel im Wartungspersonal stattfand. Direktor der Rudolfsgnader Flutenschutz- und Entwässerungsgesellschaft" war damals ein Ingenieur Biles,- "…kein Mensch, sondern ein magyarisierte Betjar". Dieser Junggeselle hat damals an der Pumpstation ein eigenartiges Regiment geführt.

Nachdem der Ausschuss im Herbst 1906 einen neuen Maschinisten unter den Bewerbern ausgewählt hatte, ließ ihn Biles erst gar nicht die neue Stelle antreten, sondern stellte dem bisherigen Heizer der Dampfmaschine, seinem magyarischen Protektionskind, ein Zeugnis aus, dass er die Maschinenanlage über drei Monate zur Zufriedenheit betreut hätte, schickte ihn nach Temesvar zur Prüfung und setzte es nachher beim Ausschuss durch, dass dieser Schnellsieder-Maschinist zum verantwortlichen Maschinenwärter bestellt wurde.

In den Zeiten, da die Pumpe Tag und Nacht in Betrieb war, musste eine Hilfsmaschinist eingestellt werden, damit sich die "Meister" alle sechs Stunden ablösen konnten.

Als am 22. Mai 1907 Ablöse war, übernahm der Hilfsmaschinist wie früher schon hunderte Male die Dampfmaschine, während jetzt der neu geprüfte „Meister“ zu den Schubern hinaus auf den Damm ging, wo beim Anlassen der Maschine gleichzeitig die Schuber geöffnet werden mussten, damit das Wasser durch die Rohre in die Donau gedrückt werden konnte.

Die Maschine wurde in Gang gesetzt. Warum der Günstling des "magyarisierten slowakischen Betjars" aber die Schuber damals nicht öffnete, bleibt wohl ein ewiges Geheimnis.

Jedenfalls hat die 250 PS starke Maschine nach Inbetriebsetzung in den drei mächtigen Rohren einen derartigen Druck erzeugt, dass die Schuber samt der gemauerten Steinwandeinfassung in die Donau hinausgeschleudert wurden. Sogleich begann das Wasser um die gelockerten Rohre hereinzuströmen.

Vier Tage lang haben die Verantwortlichen nichts Ernstes unternommen, um die Einbruchstelle abzudichten. Besorgte Bauern, die von dem Ereignis gehört hatten, und sich den entstandenen Schaden ansehen wollten, bekamen auf ihre dringenden Fragen wegen einer Abhilfe nur Ausflüchte zu hören. Der verantwortliche Ingenieur machte nicht einmal offizielle Meldung.

Schließlich wurden am vierten Tag die Rohre vollends weggespült, die Öffnung erweiterte sich und der Damm stürzte ein. Rudolfsgnad wurde zum vierten mal überschwemmt. –

Zur Evakuierung stand viel Zeit zu Verfügung, da das Wasser nicht schnell hereinkam. Trotz dem spielten sich unerquicklichen Szenen ab, die bei solch einer Katastrophe üblich sind. Zu allem Unglück war auch noch ein sintflutartiger Regen eingefallen, der die Lager der unglücklichen Menschen um ein Vielfaches verschlimmerte.
Meine Mutter erzählte, uns Kindern später noch oft, dass mein älterer Bruder Franzi, der damals als Säugling mit seiner Wiege am Damm unter einer Plachet vorübergehend untergebracht war, "vor lauter Regenwasser beinahe in seiner Wiege ertrunken wäre!"

Menschenleben waren auch diesmal keine zu beklagen.  Alles Vieh, das Getreide von den Böden und die gesamte bewegliche Habe konnte gerettet werden. Da das Wasser diesmal nicht hoch war, sind auch nicht viele Häuser eingestürzt.

Trotzdem war der angerichtete Schaden groß, zumal die Saaten auf den Feldern, und damit die Ernte vernichtet waren.

Rudolfsgnad war um eine Erfahrung reicher. Es war jedoch nicht die letzte schlimmer Erfahrung. Zum Glück aber die letzte große Überschwemmung.

Nach dem Wiederaufbau des Dammes und der Errichtung einer neuen Pumpanlage gab es Jahr für Jahr Sorgen und Kampf um den rechtzeitigen und richtigen Einsatz der Pumpe. Einesteils sollte gespart werden, an Brennmaterial, anderseits schrieen  diejenigen Bauern schon um Hilfe, deren Felder durch Grund- oder Sickerwasser Schäden erlitten.

Dazu kam noch, dass sowohl die ungarischen Behörden, wie nach 1918 auch die serbischen, über die leitenden Beamten der Gesellschaft Einfluss auf Betrieb und Geschäftsgebarung nahmen, was von den leidtragenden Bauern mit dauerndem Misstrauen verfolgt wurde und zu vielen Reibereien führte.

Man konnte auch nicht vergessen, dass die Katastrophe von 1907 nur durch unvernünftige und unsachgemäße Handhabung der Maschinenanlage herbeigeführt worden war.  

Vielfach hatte sich auch die Meinung festgesetzt, dass es Absicht und von oben geduldete Sabotage war, um das übermütige Aufblühen der schwäbischen Gemeinde (im Gegensatz zu vielen armen magyarischen neuen Siedlungen) – aufzuhalten.

Das Aufblühen von Rudolfsgnad war aber nicht aufzuhalten. Obwohl die Lebensgrundlage von 18 Katastraljoch Feld je Familie  doch recht schmal gewesen ist, konnten die Rudolfsgnader damit auskommen.

Die vier Überschwemmungen und der andauernde Kampf mit den korupten Behörden und Gerichten und den Todfeinden in der Nachbarschaft haben Mut und Ausdauer der Rudolfsgnader nicht gebrochen, sondern sie noch zu größerem Einsatz ihrer Kräfte angespornt.

Liest man in der alten Monographie von 1891 die dramatischen Kapitel der Ansiedlungsgeschichte aufmerksam durch, so stellt man sich schließlich mit Verwunderung die Frage, wieso die betrogenen, ungerecht abgestifteten deutschen Bauern aus Etschka nach ihrer Vertreibung von Haus und Hof gelegentlich der Audienzen beim Kaiser in Wien niemals über das ihnen zugefügte Unrecht klagten, noch Abhilfe und Wiederherstellung des Rechtszustandes vom allmächtigen Kaiser, ihrem "Allergnädigsten Herrn" verlangten.

Nach mehrmaligen untertänigsten Bitte hat "Er allerhöchst und huldvoll" gestattet, dass die bettelarmen, heimatlosen deutschen Menschen in der versumpften Ecke von Theiß und Donau auf Überschwemmungsland mit eigener Kraft und auf eigene Kosten sich ein neues Dorf aufbauen.

Im ersten Ansiedlungsgesuch, das dem Kaiser am 28. Januar 1864 überreicht wurde, baten die abgestifteten Bauern um Überlassung von 16 000 Katastraljoch Riedfeldern im Donau-Theiß-Eck (von den insgesamt vorhandenen 111 345 Joch Riedfeldern im Gebiet des Deutsch-Banater-Grenzregimentes).

Die Bitte der Bauern ging dahin, das Grenzmilitär möge das Ried eindämmen und den Siedlern dann gegen Grundablöse überlassen. Da die Militärbehörden die Dammbauarbeiten nicht ausführen wollten, war es den feindlichen Kräften, deren Beziehungen bis in Kriegsministerium in Wien reichten, nicht schwer, eine  Ablehnung des Gesuches zu erreichen (8. Dezember 1864).

Als dann die Ansiedlung nach zwei vergeudeten Jahren doch zustande kam, erhielt jede Familie zuerst nur 12 Katastraljoch und schließlich, - "nach wiederholten bittlichen Einschreiten der Colonisten", - insgesamt 18 Joch zugeteilt. Mit 580 Joch Hutweide und Dorfgassen waren es zusammen 7010 Katastraljoch.

Man sieht aus dem Vorgang, dass der mächtige Kaiser in Wien bei der Zuteilung von Überschwemmungsland an die ungerecht verfolgten Untertanen sehr engherzig entschieden hat. Denn 18 Joch je Familie bedeuteten damals im Banat das Minimum für einen Bauern, wenn er auf eigenem Acker lebensfähig sein sollte.

Um wie viel hätten es die Väter leichter gehabt, wenn ihnen der Kaiser die erbetenen 16 000 Joch gegeben hätte! Es wäre auf jede Bauernfamilie eine "ganze Sssion" – wie in der Zeit der planmäßigen Kolonisation im Banat, - nämlich 32 Katastraljoch Acker und ein entsprechender Wiesen- und Weideanteil zugefallen. Die nachgeborenen Söhne hätte dann nicht schon in der zweiten Generation nach Amerika auswandern müssen.

Bis etwa 1930 waren schon über 200 Personen, - durchwegs im besten, meist sogar jugendlichen Alter nach Übersee gezogen. Im Sinne Adam Müller-Guttenbrunns waren diese Amerikaner ein dritte Gruppe von "verlorenen Söhnen" des Banats.