Verein Gedenkstätte Rudolfsgnad

Februar 2002 wurde der Verein Gedenkstätte Rudolfsgnad e.V. -Vereinsvorsitzender Lorenz Baron - gegründet, dessen Zweck die Errichtung und Pflege der Gedenkstätten ist, ferner den freien Zugang zu diesen Stätten zu ermöglich und mit den Spendengeldern uneigennützig die Gedenkstätte zu erhalten, zu ergänzen, zu pflegen und zu überwachen.

Bild von Jovica Stevic

Die Friedhofskapelle - kurze Chronik über den Wiederaufbau:

Josef Kirchner, einer der Gründer Rudolfsgnads im Jahre 1866, erbaut die Kapelle um 1880 im neugotischen Stil. Die Gruft unter der Kapelle dient seiner Familie als Grabstätte. Sein Sohn Franz Kirchner verfügt, dass die Kapelle nach seinem Tode der Gemeinde überschrieben werde. Er kommt 1945 im Lager Kathreinfeld um. Die Kapelle übersteht zwei Weltkriege.

Von April 1945 bis März 1948 ist Rudolfsgnad als "Civilni Logor mit Sonderstatus" das größte Massenvernichtungslager in Tito-Jugoslawien. Bis Februar 1946 werden ca. 3000 Tote aus dem Lager an der Kapelle vorbeigetragen und in der Nordostecke des Friedhofs verscharrt. In der Folgezeit bis zur Auflösung des Lagers werden weitere ca. 9000 Tote auf die südlich vom Ort gelegene Teletschka gefahren.

In der Zeit von 1945 bis 2001 verfällt die Kapelle zur Ruine. 1967 nimmt Lorenz Baron erste Kontakte zur Ortsverwaltung Knicanin auf. Sein Anliegen: Wiederherstellung der Friedhofskapelle. Mehrere Vorstöße in dieser Richtung schlagen in den folgenden Jahren fehl.

Erst im Sommer 1997 öffnete die Vorstellung des Buches "Ein Volk an der Donau" den Weg zur Gedenkstätte in Rudolfsgnad.

Am 07.11. 1997 findet in Rudolfsgnad auf dem Friedhof und auf der Teletschka erstmals eine offizielle Feier zum Gedenken an die Lagertoten statt.  Initiator ist die Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit unter dem Vorsitz von Professor Dr. Zoran Ziletic aus Belgrad.

Am 30.07.1998 Erfolgt die Errichtung und Einweihung der Gedenktafeln über den Massengräbern auf der Teletschka in der Gemarkung Rudolfsgnad und am Rande des Deutschen Friedhofs daselbst in der Organisation der Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit.

Im Jahr 2000 gelingt es den Sekretär der Ortsverwaltung von Knicanin, Sruboljub Stoikovic für die Idee einer Gedächtnisstätte zu gewinnen. Er beantragt und erhält die Baugenehmigung  zur Restaurierung der Friedhofskapelle. Im Juli 2001 wird der Vertag zum Wiederaufbau der Kapelle abgeschlossen. Die Fertigstellung erfolgt im Oktober 2001 und die Einweihung erfolgt durch Erzdechant Jakob Pfeifer aus Hodschag unter der Schirmherrschaft vom damaligen badenwürttembergischen Ministerpräsident Erwin Teufel

2001 erfolgt die offizielle Zuteilung von einem Hektar Land für die Gedenkstätte Teletschka (als Friedhof eingetragen, zur Nutznießung erhalten). In der Zwischenzeit ist auch ein Gedenkkreuz auf der Teletschka entstanden. An das Gedenkkreuz angrenzend wurden Stelen aufgestellt, auf denen Ortsgemeinschaften ihre Todeszahlen eingravieren lassen können.

Die Teletschka

Der Wiener Architekt Dipl. Ing. Helmut Frisch, gebürtiger Donauschwabe aus dem jugoslawischen Banat, wird im Auftrage des Gedenkstättenreferats der Landsmannschaft der Donauschwaben mit dem Entwurf eines Gedenkkreuzes für die Teletschka betraut.

Leider blieb der Entwurf des 7 m hohen Beton-Kreuzes bisher in der Schublade, da ehemalige Rudolfsgnader Einwohner es verhinderten, dass dieses Kreuz über dem Massengrab auf der Teletschka aufgestellt wurde!

An die Opfer erinnern nun stattdessen das weiße Marmorkreuz, das "aufgeschlagene Buch" mit Inschrift (siehe unten) sowie die Gedenktafeln auf den zu beiden Seiten angeordneten Stellwänden. (Das jetzige Gedenkkreuz auf der Teletschka  gehört laut Meinung des  Architekten Herrn Frisch an den Rand des alten Rudolfgnader Friedhofs, wo die ersten 3000 Rudolfsgnader Opfer der Tito-Schergen im halbvergessenen Massengrab der ersten Stunde liegen.) Das Kreuz stand vor der Kirche in Rudolfsgnad, der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet und vom Ehepaar Kornberger gestiftet. Als die Kirche 1944 von den deutschen Truppen gesprengt wurde, blieb das Kreuz wundersamerweise stehen und war Treffpunkt für die Menschen, die auf die Felder zur Arbeit getrieben wurden. Als man 1956 die Trümmer der Kirche beseitigte, verschwand das Kreuz. Die Freude war groß, als wenigstens der Sockel an einem anderen Ort wieder entdeckt wurde und nach Knicanin zurückgebracht werden konnte. Die Gemeinde Knicanin besorgte das neue weiße, nun weithin sichtbare Kreuz. Die Kosten wurden durch Spenden erbracht.

So steht nun dieses Kreuz als Erinnerung an das untergegangene Schwabendorf Rudolfsgnad und als Versprechen, die Toten nicht zu vergessen.

Die Inschrift des "Buches" in der Mitte lautet:

Hier ruhen in geweihter Erde Tausende unserer Mitbürger deutscher Volkszugehörigkeit, die durch Gewalt, Hunger, Krankheit und Kälte im Lager Rudolfsgnad von 1946-1948 umgekommen sind.

Sie mögen in Frieden ruhen.

Auf dem Friedhof und der Teletschka ist es nunmehr möglich, in würdiger Weise zu trauern, zu beten und seiner im Lager umgekommenen Angehörigen zu gedenken. Der Zugang zu den Gedenkstätten ist frei, dennoch ist es gut, wenn sich Besucher bei der Gemeindeverwaltung oder dem Schwesterverein Knicanin anmelden.

Auf den Stellwänden bei den Gedenkstätten auf der Teletschka und auf dem Friedhof haben bereits zahlreiche Gemeinden und Familien, die in Rudolfsgnad Opfer zu beklagen haben, Gedenktafeln anbringen lassen. Die Anbringung der einheitlich gestalteten Gedenktafeln erfolgt ausschließlich über den Verein Gedenkstätten in Rudolfsgnad. Der Text kann individuell gewählt werden. Es ist noch Platz für weitere Tafeln.

Informationen zum Verein oder zu den Gedenktafeln erhalten Sie bei dem ersten Vorsitzenden Herrn Lorenz Baron, Alte Weilheimer Str. 36, 73230 Kirchheim-Jesingen, Tel. 07021/55569, Fax 07021/55816.

Bankverbindung Deutschland

Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V.

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Konto: 7408777, BLZ: 611 500 20

 

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